POLITIK
22/08/2018 11:13 CEST

Donald Trump erlebt "dunkelste Stunde" – so reagiert er bei Auftritt

Ein bemerkenswertes Schweigen.

Spencer Platt via Getty Images
Donald Trump bei seinem Auftritt in West Virginia. 
  • Zwei Trump-Vertraute müssen wohl ins Gefängnis. Sein Ex-Wahlkampfmanager wurde verurteilt, sein Ex-Anwalt bekannte sich schuldig. 
  • Bei einem Auftritt sprach der US-Präsident über alles – außer diese brisanten Entwicklungen.

“Das ist die dunkelste Stunde während Donald Trumps gesamter Präsidentschaft, nein, seines gesamten Lebens”, schrieb Norm Eisen, früher Sonderberater von Barack Obama, am Dienstagnachmittag auf Twitter. 

Der Grund: Das Urteil gegen Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort und das Geständnis von Ex-Anwalt Michael Cohen belasten den US-Präsidenten schwer. Cohen bezichtigt Trump sogar direkt eines Verbrechens. 

Der US-Präsident befand sich im Flieger, als die Nachrichten über die beiden ehemaligen Trump-Vertrauten am Dienstagnachmittag einschlugen. Der 72-Jährige war auf dem Weg zu einem Auftritt West Virginia.

Über eine Stunde sprach Trump hier vor seinen Anhängern – Manafort oder Cohen erwähnte er kein einziges Mal.

Trump wütet gegen die Russland-Ermittlungen 

Stattdessen konzentrierte sich der Präsident auf seine Wahl 2016, lobte den republikanischen Gouverneur Jim Justice als den “größten, schönsten Mann” – und bestand natürlich darauf, dass es keine “Absprachen” zwischen seinem Wahlkampf-Team und Russland gegeben habe. 

“Sie suchen immer noch nach Absprachen. Wo sind die Absprachen?”, rief Trump in Charleston im Bundesstaat West Virginia in die Menge. “Findet Absprachen!”

Auf die wirklich entscheidenden Nachrichten des Tages aber ging Trump nicht ein.

Es war ein bemerkenswertes Schweigen – auch auf Twitter – eines US-Präsidenten, der kritische Meldungen zu seiner Person sonst mit einer Gegenattacke beantwortet. 

Nicht so in in West Virginia. Der US-Journalist Daniel Dale kommentierte die Rede des US-Präsident auf Twitter mit den Worten: “Trump spricht überhaupt nicht über die heutigen Verurteilungen. Stattdessen spricht er ausführlich über jedes andere mögliche Thema.”

Die Strategie, unliebsame Nachrichten zu ignorieren, ist nicht neu für Trump.

Ein Beispiel: Während seine Regierung im Juni in der Kritik stand, Migranten-Familien an der Grenze zu trennen, erwähnte er das Thema bei einem Auftritt in Minnesota kaum. 

Zwei Sätze zu Manafort sagt Trump 

Zwei Sätze sagte Trump am Dienstag dann aber doch zumindest zu Paul Manafort. Als der US-Präsident die Air Force One verließ, fragten ihn Reporter nach dem Urteil gegen seinen ehemaligen Wahlkampfmanager. 

Trumps Antwort: “Ich muss sagen, dass Paul ein guter Mensch ist.” Und: Das Urteil habe nichts mit ihm zu tun, aber es sei eine traurige Sache.

Dass der Manafort-Fall nur bedingt mit Trump zu tun hat, stimmt. Der 69-Jährige wurde wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrugs von der Jury für schuldig befunden. 

Zur Ironie dieses Dienstages gehörte auch, dass die Trump-Anhänger in West Virginia wieder “Sperrt sie ein!” riefen. Gemeint war damit aber die Rivalin im Wahlkampf, die Demokratin Hillary Clinton.

Dabei waren es zwei Trump-Vertraute, die an diesem Tag von der US-Justiz belangt wurde.  

(lp)