POLITIK
27/01/2018 07:48 CET | Aktualisiert 27/01/2018 14:23 CET

"Egoismus First": Trump tritt gemäßigt auf - Medien warnen dennoch vor ihm

In Davos zeigt sich der US-Präsident überraschend zurückhaltend.

GETTY / HUFFPOST
Der Fremde: Donald Trump
  • US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Auftritt in Davos mit einer moderaten Rede überrascht
  • Deutsche Medien warnen allerdings davor, nun einen weniger egoistischen Präsidenten zu erwarten

Es war vor allem ein Satz, der am Freitag die Schlagzeigen bestimmte: ”‘America First” bedeutet nicht ‘America Alone’.”

Gesagt hatte diesen Satz US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Seine knallharte “Amerika zuerst”-Doktrin solle nicht als purer Egoismus verstanden werden, wollte Trump damit mitteilen.

Deutsche Medien schenken diesen überraschend gemäßigten Worten des Präsidenten allerdings keinen Glauben. 

3 Lehren aus dem Auftritt des Präsidenten in Davos.

1. Der Dealmaker

In einem sind sich alle Kommentatoren einig: Trump hat seinen Besuch in der Schweiz vor allem zur Eigenwerbung genutzt. 

Trump habe den “world leaders” sein “Amerika zuerst”-Programm schmackhaft machen wollen, kommentiert die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”.

► “Denn was er vor allem tat, war, Werbung zu machen: für den Wirtschaftsstandort Amerika; dafür, dort zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen, Geld zu verdienen.”

Vermutlich sogar mit Erfolg. Einige Unternehmer schienen ganz angetan zu sein.

Auch die “Welt” schreibt: “Die Rede des US-Präsidenten in Davos war nicht die eines Staatsmanns, der auch die Weltbelange im Blick behält.”

► Sondern der Immobilienmogul habe als eben jener Geschäftsmann gesprochen, “der er immer war und der er immer bleiben wird”.

2. Kaum verhüllter Egoismus

Einige Besucher mochten von dem handzahmen Präsidenten zunächst überrascht gewesen sein. 

► Aber, gibt die “Welt” zu bedenken: “Amerika zuerst, aber nicht allein – das hört sich gut an, heißt aber eben auch: die anderen immer an zweiter Stelle.”

Die ARD-“Tagesschau” zitiert einen Schweizer Unternehmer, der Trumps Rede einfach nur “schlimm” fand. Denn Trump fördere den globalen Egoismus.

Trump habe nicht verstanden, dass es in Davos um Dialog, nicht um Alleingänge gehe, kommentiert die “Tagesschau”.

► Und spitzt seinen Besuch zu auf die Formel: “Egoismus first.”

3. Der wahre Trump zeigt sich, wenn der Teleprompter aus ist

Dass die Rede von Trump so zahm ausfiel, habe auch am Redenschreiber gelegen, berichtet “Spiegel Online”. Nach dem Abgang des nationalistischen Beraters Steve Bannon sorgt normalerweise Stephen Miller, ebenfalls ein Hardliner, für Trumps Knallhart-Ansagen.

Doch Miller habe keine Zeit gehabt. “Darum hatte Gary Cohn, nationaler Wirtschaftsberater, die Davoser Rede verfasst”, heißt es auf “Spiegel Online”.

► Cohn wisse, was die Unternehmer in Davos hören wollen, denn er war einst bei der Investmentbank Goldman Sachs.

Der wahre Trump habe sich dann ohnehin erst nach der Rede, die er vom Manuskript abgelesen hatte, gezeigt, kommentiert die “Welt”.

► “Nur Minuten dauerte es, bis der alte, der gewohnte Trump wieder unverkennbar durchschien”, heißt es in dem Bericht.

Dann attackierte Trump nicht nur mit haltlosen Vorwürfen seine einstige Konkurrentin im Wahlkampf, Hillary Clinton, sondern beschimpfte einmal mehr die in seinen Augen verlogenen Medien. 

Es setzte Buhrufe aus dem Publikum.