WIRTSCHAFT
25/01/2018 21:10 CET | Aktualisiert 26/01/2018 08:44 CET

Handelskrieg: Nach China nimmt Trump nun Europa ins Visier

Handelskriege gebe es schließlich jeden Tag, sagt der US-Handelsminister.

NICHOLAS KAMM via Getty Images
Donald Trump sucht die Eskalation.
  • Der US-Präsident und sein Team drohen wieder einmal mit einem Handelskrieg 
  • Die Maßnahmen könnten auch Europa schwer treffen

Donald Trump ist da. Mit einem Rumms.

Als der US-Präsident am Donnerstag zum Weltwirtschaftsforum in Davos reist, rammt ein Auto aus seinem Konvoi einen Polizisten. Der Wagen fährt einfach weiter.

Die kleine Szene steht symbolisch für einen US-Präsidenten, der die Welt mit seinen Ansagen und seiner Rücksichtslosigkeit überrollt hat. 

Schon vor der Abreise hat Trump wieder einmal China mit einem Handelskrieg gedroht. Demnächst könnte auch Europa das Ziel von Strafzöllen sein.

Trumps Waschmaschinen-Krieg

Es war sicher kein Zufall, dass Trump bereits Anfang der Woche zum Start der Konferenz in Davos öffentlichkeitswirksam Strafzölle verhängte, unter anderem auf die Einfuhr von Waschmaschinen aus Asien.

In den Medien wurde die Entscheidung als Schlag gegen China gewertet. Sie ist wohl der Auftakt zu weiteren Maßnahmen, wie auch Trumps Handelsminister Wilbur Ross mit seiner Rede in der Schweiz am Mittwoch andeutete.

“Jetzt besetzen die US-Truppen ihre Verteidigungsmauern”, sagte der 80-jährige Minister. Und schickte hinterher: Handelskriege gebe es schließlich jeden Tag.

Einige der Handelsinitiativen werde die US-Regierung noch 2018 verwirklichen.

Donald, der Außenseiter

Der Protektionist Trump ist in Davos ein Außenseiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten am Mittwoch für Freihandel und Zusammenarbeit geworben und Abschottung einzelner abgelehnt.

Das Weiße Haus hatte angekündigt, Trump wolle in Davos vor allem um Investoren werben und den Wirtschaftsstandort USA anpreisen. Mit Spannung wird erwartet, ob sich der US-Präsident zum internationalen Streit um Stahl-Überkapazitäten äußert.

Handelsminister Ross hat vor Kurzem seinen Abschlussbericht zu der Frage vorgelegt. Sein Ministerium hatte untersucht, ob billige Importe von Stahl und Aluminium die Sicherheitsinteressen der USA gefährden würden.

In den kommenden drei Monaten muss Trump entscheiden, ob die USA Strafmaßnahmen verhängen wollen.

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Ökonomen finden die Strafzölle “schlecht, schlecht, schlecht”

Das würde auch Europa treffen. Laut den jüngsten Zahlen des US-Zensusbüros stammen insgesamt 14 Prozent der Stahlimporte der USA aus der EU. Aus Deutschland sind es 4 Prozent.

Ross wollte in Davos nicht sagen, ob er dem US-Präsidenten Strafzölle empfohlen habe. Aber auch US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte in einem Interview mit der “Financial Times” kürzlich: Er rechne “absolut” damit, dass es 2018 noch weitere Handelsmaßnahmen geben werde.

Die Wirtschaftselite in Davos ist von dieser Aussicht alles andere als erfreut. Der renommierte US-Ökonom Joseph Stiglitz schimpfte über Trumps Strafzölle: “Es ist schlecht für die Umwelt, es ist schlecht für die amerikanische Wirtschaft, es ist schlecht für Jobs.”

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Mit Material der dpa.

(sk)