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20/02/2018 17:27 CET | Aktualisiert 20/02/2018 17:27 CET

Warum US-Präsident Donald Trump Angst vor Frauen hat

Er hat dazu allen Grund.

Jonathan Ernst / Reuters
Donald Trump und sein ehemaliger Stabssekretär des Weißen Hauses, Rob Porter.

Kurt Bardella ist ein Kolumnist bei der HuffPost und ein Contributor bei“USA Today” und “NBC THINK”. Er ist der ehemalige Sprecher des Politikers Darrell Issa, der ehemaligen Senatorin Olympia Snowe und des ehemaligen Repräsentantenhaus-Mitglieds Brian Bilbray. Außerdem war er der Sprecher des “House Oversight and Government Reform Committee” und von Breitbart News.

Mehrere Frauen haben den ehemaligen Stabssekretär des Weißen Hauses, Rob Porter, mit Vorwürfen wegen häuslicher Gewalt konfrontiert.

Dieses Ereignis schien Donald Trump dazu bewegt zu haben, den folgenden Tweet abzufeuern:

“Das Leben mancher Menschen wird wegen eines reinen Vorwurfs zerstört. Manche dieser Anschuldigen stimmen, andere sind falsch. Einige davon sind alt, andere wiederum sind neu. Jemand, der zu Unrecht beschuldigt wurde, wird sich nie wieder ganz erholen – sein Leben und seine Karriere sind für immer zerstört. Gibt es denn das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren nicht mehr?” Donald Trump via Twitter

Für die mutmaßlichen Opfer hatte Trump keine unterstützenden Worte übrig. Er spendete ihnen keinen Trost dafür, dass ihr Leben aus den Fugen geraten ist oder sogar ganz zerstört worden ist.

Stattdessen stellte er sich auf Kosten der Frauen lieber auf die Seite des Beschuldigten.

Trump stellt die Opfer in Frage, nicht die Täter

Wir sind ein derartiges Verhalten von Trump ja mittlerweile gewohnt. Seine Antwort war kein Einzelfall.

Sie passte zu einem Mann, der den Grundsatz “im Zweifel für den Angeklagten” grundsätzlich zum Vorteil von mächtigen, weißen und republikanischen Männern auslegt.

► Nach Trumps Verständnis sind Frauen niemals unschuldig. Denn eigentlich wollen sie es ja genau so.

Als Bill O’Reilly, das Gesicht des amerikanischen TV-Senders Fox News, von mehreren Frauen wegen sexueller Belästigung beschuldigt wurde, verkündete Trump öffentlich: “Ich glaube nicht, dass Billy etwas Unrechtes getan hat.”

Und als Roger Ailes, der ehemalige Chef von Fox News, von dutzenden Frauen wegen sexueller Belästigung beschuldigt wurde, stellte Trump das Motiv der Opfer in Frage.

Im Politiktalk “Meet the Press” sagte er: “Ich kann Ihnen sagen, dass ich weiß, wie sehr er einigen der Frauen, die jetzt Vorwürfe erheben, geholfen hat. Auch in letzter Zeit noch. [...] Und jetzt behaupten sie auf einmal all diese schrecklichen Dinge über ihn. [...] Das ist wirklich traurig, denn er ist ein sehr guter Mensch.”

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Joe Skipper / Reuters
Trump hält 2016 eine Rede, an seiner Seite: sein Wahlkampfmanager Corey Lewandowski .

Er denkt, dass alle Frauen lügen

Als Trumps Wahlkampfmanager Corey Lewandowski der ehemaligen Breitbart-Reporterin Michelle Fields in einer körperlichen Auseinandersetzung einen blauen Fleck am Handgelenk verpasste, reagierte Trump mit den Worten: “Meiner Meinung nach ist das ein sehr, sehr trauriger Tag für dieses Land, wenn ein Mann wegen so etwas ruiniert werden kann.”

Als der Politiker Roy Moore während seiner Kandidatur um einen Senatorensitz in Alabama plötzlich von mehreren minderjährigen Opfern wegen sexueller Belästigung beschuldigt wurde, stellte der Präsident der Vereinigten Staaten sich auf die Seite des Politikers, indem er sagte: “Er bestreitet alles vehement. Er sagt, dass nichts passiert sei. Und man muss ihm schon auch zuhören.”

► Und nachdem mindestens 13 Frauen mit den glaubwürdigen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen waren, dass der Präsident sich ihnen auf unangemessene Weise körperlich angenähert habe, hat das Weiße Haus unvorstellbarer Weise verkündet, dass jede dieser 13 Frauen lügen würden.

All dies zeigt eindeutig, was Trump von Frauen hält und welchen Wert er ihnen beimisst. Wem das noch nicht reicht, der muss sich einfach nur anschauen, welchen Witz Trump aus dem Ehegelöbnis mit seiner aktuellen Frau Melania gemacht hat.

Stephanie Clifford, die auch unter dem Namen Stormy Daniels bekannt ist, behauptet, sie habe mit Trump eine Affäre gehabt. Und das nur wenige Monate, nachdem Melania den gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht habe.

Wie die Tageszeitung “The Wall Street Journal” in dieser Woche berichtete, habe Trumps Anwalt Michael Cohen bestätigt, dass der Porno-Star im Rahmen einer Geheimhaltungsvereinbarung zu der angeblichen Affäre eine Zahlung von 130.000 Dollar erhalten habe.

Danny Moloshok / Reuters
Stormy Daniels erzählte 2011 in einem Interview mit dem Magazin "In Touch", dass sie eine Affäre mit Donald Trump hatte.

Seiner Meinung nach, sind die Frauen an Allem schuld 

Nach Angaben eines explosiven Enthüllungsberichts des amerikanischen Magazins “The New Yorker” war Trump bereits öfter auf eine ähnliche Weise vorgegangen.

Wie das Magazin berichtet, habe Trump zu der Zeit, als er sich mit Daniels traf, auch noch eine weitere Affäre mit dem ehemaligen Playboy-Model Karen McDougal begonnen. Und ähnlich wie in Daniels Fall hatten Trumps Berater auch McDougal einen sechsstelligen Betrag angeboten, damit diese schweigt.

► Aufgrund dieser Vereinbarung könne das Model nach eigener Aussage nicht über ihr Verhältnis zu Trump sprechen.

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Für Trump sind Frauen Objekte, die einfach nur für sein Vergnügen existieren ― Gegenstände, die er mieten und für ihre Leistungen bezahlen kann.

Und als vergangenen November dutzende Frauen einflussreiche Männer öffentlich der sexuellen Belästigung bezichtigten, besaß Trump die Frechheit, Folgendes von sich zu geben:

Frauen sind etwas ganz Besonderes. Ich glaube, dass dies eine ganz besondere Zeit ist, in der viele Dinge ans Licht kommen. Und ich glaube, dass das gut für unsere Gesellschaft ist und dass es sehr, sehr gut für Frauen ist. Und ich bin sehr froh, dass viele dieser Dinge jetzt ans Licht kommen. Ich bin sehr froh, dass sie jetzt offengelegt werden. Donald Trump

Zwei Dinge fallen ganz besonders auf:

► Trump scheint sich mit vielen Menschen zu umgeben, die in der Vergangenheit selbst sexuelle Belästigungen oder Missbrauch begangen haben.

► Trump ist fest davon überzeugt, dass an derartigen Vorfällen immer die Frauen schuld sind.

THE WASHINGTON POST via GETTY IMAGES
Screenshot aus dem berüchtigten "Access Hollywood" Interview von 2005 bei dem Trump prahlte, er könne Frauen zwischen die Beine greifen ("grab them by the pussy") – denn er sei ein Star.

Die Frau muss etwas an der Situation ändern, nicht der Mann

Am Höhepunkt des Skandals um Roger Ailes wurde Trump von Kirsten Powers, einer Kolumnistin der amerikanischen Tageszeitung “USA Today”, gefragt: “Was wäre, wenn jemand (seine Tochter) Ivanka so behandelt hätte, wie Ailes es vermutlich getan hat?” 

Trumps Antwort lautete: “Ich gehe mal davon aus, dass sie sich dann bestimmt einen anderen Job oder eine neue Firma suchen würde, wenn so etwas passieren würde.”

Diese Antwort verrät uns alles, was wir über die Sichtweise des Präsidenten zur Rolle von Frauen in unserer Gesellschaft wissen müssen.

Selbst wenn es um seine eigene Tochter ginge, wäre Trump der Meinung, dass die Frau etwas an der Situation verändern muss. Und nicht der Mann, der sie belästigt hat.

Trump findet, dass es an der Frau liegt, sich einen neuen Job oder Beruf zu suchen. Und damit zeigt er, dass er grundsätzlich nicht der Meinung ist, dass Frauen und Männer im Berufsleben gleichgestellt werden sollten.

Der Präsident der Vereinigten Staaten beleidigt Frauen öffentlich

Und deshalb wagte er es auch, die amerikanische Fernsehmoderatorin Megyn Kelly anzugreifen, die ihn bei einer TV-Debatte wegen seiner permanenten frauenfeindlichen und sexistischen Äußerungen in die Mangel genommen hatte.

Seine Einstellung ist auch der Grund dafür, warum er Mika Brzezinski, die Moderatorin der amerikanischen Sendung “Morning Joe”, auf Twitter angegriffen hatte. Er hatte ihr dabei unter anderem einen “niedrigen IQ” unterstellt.

Ebenso versuchte der US-Präsident, die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand in einem Tweet mit Anschuldigungen in Verruf zu bringen.

► Gillibrand gilt als eine der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen sexuelle Belästigung.

Trump handelt aus Selbstschutz

Trump ist emotional instabil und wurde bereits selbst der sexuellen Belästigung bezichtigt. Aufgrund dieser Tatsache wird er sich immer auf die Seite der Männer stellen.

Denn eigentlich hat er Angst davor, Frauen zu bestärken. Gewalt gegen Frauen ist immer auf die massiven Unsicherheiten zurückzuführen, die in feigen Männern stecken.

► Diese Männer reden sich selbst ein, dass sie den Nachteil, den sie aufgrund ihrer Intelligenz, ihrer Fähigkeiten, ihrer persönlichen Umstände oder ihrer Position vermeintlich haben, nur ausgleichen können, indem sie Frauen angreifen.

Und das erklärt, warum Trump sich mit so erschreckend vielen Männern umgibt, die in der Vergangenheit schon einmal Frauen missbraucht haben.

In Männern wie Ailes, O’Reilly, Lewandowski und Porter erkennt Trump einen Teil von sich selbst wieder und dadurch, dass er sie immer sofort verteidigt, will er sich eigentlich nur selbst schützen.

► Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon, der bereits selbst wegen häuslicher Gewalt angezeigt wurde, gab in einem Interview mit dem Autor Joshua Green kürzlich an, dass die #MeToo-Bewegung Trump zu Fall bringen könnte.

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Ironie mal beiseite: Trump scheint Bannons Meinung zu teilen. Bei Auseinandersetzungen mit Frauen weicht Trump keinen Millimeter.

Denn er hat Angst, dass dies der Anfang von seinem Ende sein könnte.

Pech für ihn, denn Frauen sind mittlerweile vermutlich selbst in der Lage, sich in solchen Auseinandersetzungen durchzusetzen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.