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10/11/2018 12:49 CET | Aktualisiert 10/11/2018 12:52 CET

Donald Trump: 3 Gründe, warum viele Amerikaner ihn noch immer unterstützen

Aus deutscher Perspektive ist es oft schwer zu verstehen.

Getty / HuffPost

Ganz ehrlich, liebe amerikanischen Freunde: Warum?

Hat Donald Trump nicht genug wirre Tweets abgesetzt, Menschenrechte mit Füßen getreten und die USA auf internationaler Bühne blamiert, dass man ihm als konservativer Amerikaner bei den Midterms mal einen kleinen Denkzettel verpassen könnte?

Die Antwort kennen wir alle: Scheinbar nein. Zwar haben die Republikaner die Macht im Repräsentantenhaus verloren. Nicht aber im Senat. Und deshalb feiert der US-Präsident die Zwischenwahlen – typisch Trump – als “gewaltigen Erfolg“. Ein Denkzettel sieht anders aus. Und eine Kursänderung? Nicht in Sicht.

Aus deutscher Perspektive ist das oft schwer zu verstehen: Ein nicht unerheblicher Teil der amerikanischen Wähler findet Trumps Politik hervorragend. Nach wie vor. Und nicht alle von ihnen sind wütende weiße Männer. Nicht alle Sexisten und Rassisten.

► Laut einer aktuellen Umfrage des Nachrichtensenders NPR finden 84 Prozent aller republikanischen Frauen, dass Trump einen guten Job macht.

► 42 Prozent aller reichen Amerikaner (mit einem Einkommen über 50 000 Dollar im Jahr) halten Trump für einen geeigneten Präsidenten und immerhin 31 Prozent aller College-Absolventen in den USA finden Trump gut.

Warum ist das so? Warum finden so viele Amerikaner nach Trump wie vor gut?

Wir von “The Buzzard” sind in der amerikanischen Presselandschaft auf Spurensuche gegangen und haben drei Antworten gefunden:

The Buzzard

1. It’s the economy, stupid!

Glaubt man dem Wirtschatfsjournalisten Jeff Cox hat Trump, zumindest was die Wirtschaft betrifft, einen guten Job gemacht.

Ob Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigungsrate oder Aktienmarkt – die Zahlen in Amerika sind auf einem Rekordhoch, seit Trump Präsident ist. In einer Analyse auf der Webseite des Nachrichtensenders CNBC zitiert Cox beeindruckende Zahlen:

  • Das BIP der USA wächst zurzeit mit einer Rate von über drei Prozent.
  • Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig, wie seit 50 Jahren nicht mehr.
  • Seit Trump im Amt ist, haben rund 3 Millionen Arbeitslose Jobs bekommen; unter Afro-Amerikanern ist die Arbeitslosigkeit sogar so niedrig wie nie zuvor in der amerikanischen Geschichte.

Auch schon unter Obama lief die Wirtschaft gut. Aber jetzt läuft es eben noch besser: In Trumps zweitem Jahr ist die Wirtschaft um 1,4 Billionen Dollar gewachsen, in Obamas zweitem Jahr um 481 Milliarden, schreibt Cox.

Der Trend hat also schon unter Obama angefangen, aber jetzt geht der Höhenflug weiter und scheint alle Erwartungen zu übertreffen.

Mehr zum Thema: Warum ausgerechnet konservative Christen zu Trumps wichtigster Machtbasis zählen

Cox schreibt: Nicht nur die Zahlen haben sich verändert. Auch die Einstellung der Unternehmen. Viele seien davon überzeugt, “dass das Weiße Haus wieder auf ihrer Seite ist“, meint der Wirtschaftsjournalist.

Und tatsächlich: Aktuelle Umfragen zeigen, das Vertrauen von Firmen in die amerikanische Wirtschaftspolitik ist so hoch wie seit dreizehn Jahren nicht mehr. Das hat Trump vor allem erreicht, indem er Steuern gesenkt und mehr Geld für Infrastruktur ausgegeben hat.

Natürlich gibt es Kritiker. Ezra Klein, Gründer des renommierten News-Website “Vox”, gibt zu Bedenken, dass der aktuelle Boom vor allem auf politische Maßnahmen zurückzuführen sei, die Obama beschlossen hat, die aber erst jetzt greifen.

Die ehemalige Wall-Street-Bankerin Nomi Prins sieht die USA auf die nächste Wirtschaftskrise zurasen. Nicht zuletzt, weil die Regierung zurzeit sehr viel Schulden anhäuft. Der renommierte amerikanische Journalist David Cay Johnston warnt vor den verheerenden sozialen Folgen von Trumps Deregulierungspolitik.

Doch diese Argumente werden in den USA zurzeit von vielen nicht gehört. Wenn es boomt, dann boomt es und Trump lässt sich dafür feiern.

2. Die richtige Außenpolitik:

Trumps Gegner haben nach seinem Wahlsieg alles Mögliche prophezeit. Unter anderem verglichen sie die USA mit der Weimarer Republik in den 1930ern und sie werteten Trumps Sieg als Zeichen, dass sich so etwas wie das Dritte Reich wiederholen könnte.

Obama selbst warnte im Dezember 2017 bei einer Rede vor dem Economic Club in Chicago: “60 Millionen Menschen starben damals. Deshalb ist es so wichtig wählen zu gehen – und die Demokratie am Leben zu halten.“

Aber die Apokalypse ist bisher nicht eingetreten. Im Gegenteil: Konservative Beobachter, wie der Politologe Randall Schweller, betonen, dass sich seit Trumps Amtsantritt auf der internationalen Bühne einiges zum besseren gewendet habe:   

  • Der IS ist fast vollständig besiegt. Der Islamische Staat ist in Syrien so gut wie besiegt und hat sich aus allen Regionen im Irak zurückgezogen. Das sei Trumps Regierung zu verdanken, weil sie sich entschieden hat, kurdische Milizen mit Waffen auszustatten.
  • Trump hat Assad eine rote Linie aufgezeigt. Trump hat wie Obama auf große unbeliebte Kriege im Nahen Osten verzichtet und trotzdem das geschafft, was Obama misslungen ist: Assad beim Gebrauch von chemischen Waffen eine rote Linie aufzuzeigen.
  • Trump könnte als erster eine Annäherung zwischen Nord- und Südkorea möglich machen. Seine Verhandlungsstrategie mit Kim Jong Un, so fragwürdig man sie finden mag, habe dazu geführt, dass es erstmals wieder zu einer echten Annäherung zwischen Nord- und Südkorea kommen könnte.
  • Trumps Einstellung gegenüber der NATO ist aus Sicht seiner Wähler konsequent. Dass Trump ankündigt, weniger in die NATO zu investieren, sei im Interesse vieler amerikanischer Wähler. Sie verstehen nicht, warum die USA Jahr für Jahr Milliarden in ein Bündnis investieren sollen, wenn Europa nicht bereit ist, dasselbe zu tun.

Mehr zum Thema: Wie Politologen wie Randall Schweller die Welt sehen

Schweller meint: Donald Trump habe als erster Präsident die richtigen Schlüsse aus dem Wandel der Welt gezogen und den notwendigen politischen Umbau eingeleitet.

Sein außenpolitisches Auftreten sei Realismus in Reinform und keinesfalls wirr und impulsiv, sondern konsequent: Fokus auf die eigenen Interessen statt Inszenierung als Weltpolizei, Bi- statt Multilateralismus, klare Ansage statt rücksichtsvoller Dialog.

Schweller schreibt: “Mit dem Ende der Amerikanischen Ära braucht Washington einen neuen Masterplan. Trumps Idee von Realismus ist eine solche Strategie.”

So sehen konservative Amerikaner das. Was wir in Europa als Starrsinn und irre Selbstinszenierung interpretieren, begeistert Konservative als eine Reihe konsequenter und kluger Schachzüge. 

3. Stigmatisierung in den Medien:

And don’t forget: Trump und die Medien. Republikaner halten die Berichte gegen Trump oft nur für Meinungsmache. Trump bezichtigt etablierte Medien ja sehr regelmäßig der gezielten Falschinformation: “Fake News“, wie er es immer nennt.

Das führt dazu, große Zeitungen und Medienhäuser entsprechend politisierte Gegenmaßnahmen ergreifen.

Ein Beispiel ist der 16. August 2018. An diesem Tag folgten mehr als 300 amerikanische Zeitungen dem Protestaufruf des “Boston Globe” und veröffentlichten Artikel gegen Trump auf ihren Meinungsseiten. Mit dabei waren die größten Zeitungen des Landes, die “New York Times”, die “Denver Post”, die “Chicago Sun-Times”.

Viele Republikaner sehen sich durch solche Aktionen in ihrer Ansicht bestätigt, dass etablierte Medien längst nicht mehr neutral sind, dass sie eine politische Agenda verfolgen, nämlich den Präsidenten zu Fall zu bringen.

Auch gebildete Konservative lassen sich deshalb in ihrer Meinung nicht beirren, wenn sie negative Presse über Trump lesen. Im Gegenteil, sie fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt.

Der konservative schottische Journalist Gerald Warner drückt aus, was viele Republikaner insgeheim denken, wenn er schreibt: Trumps Auftreten sei zwischen all dem “Geschwafel von Heuchlern, die vor Unehrlichkeit triefen und Versprechungen machten, die sie ohnehin nicht halten” der lange erwartete “Stoß frischer Luft”. 

Mehr zum Thema: Warum konservative Amerikaner die etablierten Medien für verlogen halten

Das sind drei große Gründe, warum viele Millionen Amerikaner bei den Midterms ihr Kreuz bei den Republikanern gemacht haben und Donald Trump den Rücken stärken. Wie steht es mit euch? Haltet ihr diese Gründe für berechtigt? Für nachvollziehbar? Oder findet ihr es trotzdem unvorstellbar, dass man so jemanden wie Trump wählt

Die optimale Vorlage, um euch auf Trump-Diskussionen vorzubereiten findet ihr diese Woche auf TheBuzzard.org. Wir bieten einen kuratierten Debatten-Überblick mit den wichtigsten Pro- und Kontra-Positionen zu Trump von amerikanischen Journalisten. 

► Hier geht es zur aktuellen Debatte.

“The Buzzard” ist ein Nachrichten- und Debatten-Navigator mit Blick für die großen Fragen unserer Zeit. In der hektischen Nachrichtenwelt vermitteln wir unseren Leserinnen und Lesern den Überblick und empfehlen spannende, häufig überraschende Perspektiven, die den eigenen Horizont erweitern und die eigene Haltung immer wieder in Frage stellen.

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