BLOG
29/07/2018 15:50 CEST | Aktualisiert 29/07/2018 15:50 CEST

Donald der Deal-Maker – und warum die Politik Donald Trump nicht verstehen kann.

Bloomberg via Getty Images

Ist er ein psychopathischer Narzisst? Höchstwahrscheinlich. Ist er einfach nur dumm? Nicht so wirklich. Donald Trump, der 45. und erste Präsident, der eigentlich gar keiner werden wollte. Von seinem Wahlsieg wahrscheinlich am meisten überrascht macht Trump das was er vermeintlich kann – Deals.

Donald Trump war und wird nie ein Politiker. Er war nie in politischen Strukturen eingebunden. Gerade das hat seinen Wahltriumph ausgemacht. Jetzt, völlig überraschend, in der Rolle des Politikers macht er da weiter, wo er aufgehört hat – eben Deals zu machen. Macht er die gut? Wenn man einem amerikanischen Autor Glauben schenken mag wohl eher nicht. Nach seinen Analysen hätte Donald Trump heute mehr Geld auf seinem Konto, wenn er die geerbten Millionen von Daddy einfach auf dem Konto hätte liegen lassen.

Die überlieferten Aussagen von Weggefährten zeichnen ein ziemlich eindeutiges Bild. Donald Trump setzt auf einen längst überholten Verhandlungsstil. Die Taktik besteht darin „den Brotkorb ziemlich hoch zu hängen“. Fordere überzogene Konditionen und schaue, wie dein Gegenüber reagiert. Zur Not zurück rudern, oder einfach das Gegenteil früherer Aussagen zu behaupten, gehört dann auch zu dieser Taktik. So und nicht andres verhält sich der amerikanische Präsident. Es ist die älteste und Heute zugleich dümmste Verhandlungsstrategie, die man im Geschäftsleben nutzen kann. Nur: Die Politiker, allen voran die westeuropäischen, die immer in der Politikwelt gelebt und dort groß geworden sind, können mit dieser Verhandlungsart nichts anfangen, weil sie eine solche Taktik gar nicht kennen. In der Politik und damit der Diplomatie gilt seit Generationen von Politikern das langsame herantasten, abwägen und Ausarbeiten von Kompromissen als der goldene Weg, um Ergebnisse zu erreichen. Zumal man sich in der Politik immer wieder sieht. Heute geht es um Freihandel, Morgen um militärische Fragestellungen. Alles hängt irgendwie zusammen, so dass es gilt Rücksicht zu nehmen. Gebe ich heute hier ein wenig nach, so erarbeite ich mit eine Vertrauens- und Mitstreiterbasis für die nächsten Themen. Also bloß niemals einem Verhandlungspartner zu stark brüskieren. Der einzige westliche Politiker, der das Spiel von Donald Trump erkennt mag der französische Präsident Macron sein, der auch in der Privatwirtschaft gearbeitet hat. Verschärfend kommt hinzu: Donald Trump ist ein Immobilienhai. Hier geht es im Grunde immer nur um einen abgegrenzten Deal. Ein Grundstück für eine Immobilie. Selbst ein Manager eines Produktionsunternehmens mit zahlreichen Standorten muss da ausgleichender Denken und Handeln. So ist die Welt des Immobiliendealers und die eines heutigen Politikers maximal weit von einender entfernt. Wenn man aber auf einen Immobilienhai, mit der ältesten aller Verhandlungstaktiken zurück greifenden Menschen, stößt, dann kommt man mit eloquentem Verhandlungsgeschick nicht weiter. Das hat auch der geschasste Außenminister Tillerson und ehemaliger Exxon-Chef erfahren müssen.

In Verhandlungen mit solch Vorgestrigen gibt es nur einen adäquaten Verhandlungsweg: Lass ihn kommen und seine Positionen hervorbringen. Darauf äußere deine Vorstellung, die sinnigerweise den gleichen Grad der Übertriebeinheit darstellt, um im Anschluss, wie auf dem Wochenmarkt in Bagdad, „step by step“ eine Übereinkunft zu erzielen. Dabei muss man sich von Anfang an seine eigene „Deadline“ definieren, die niemals überschritten werden darf. Wer auf seine eigene Forderungen wachsweich hinterher schiebt, dass man ansonsten ja noch mal drüber reden könnte hat schon verloren. Das ist die Verhandlungsart des kleinen und eben auch oft unerfolgreichen Immobilienhais. Leider liebt wohl gerade der arbeitslose, weiße Arbeiter im „rust-belt“ diese prollige Art.

Liebe Politiker lernt schnell zu verhandeln wie ein kleiner Immobilienheini und ihr könnt Donald Trump über den Tisch ziehen, wohin ihr ihn auch immer haben mögt. Der russische Präsident, der auch nicht aus dem Politikkader kommt, hat das begriffen und führt es hervorragend vor. Es geht nicht um jeweils einen abgekapselten Deal, es geht in der Außenpolitik um alle Verflechtungen in dieser Welt. Darum sind die Populisten zwar erfolgreich, weil sie der „Normalbürger“ versteht und weil sie augenscheinlich die einfachen Wahrheiten parat haben. Aber die einfachen Wahrheiten gibt es in diesem Geflecht der Interessen nicht und die Antworten sind darum nicht gut für unsere Welt.

Gottlob hat die europäische Union, gleichwohl wie China, direkt mit Gegenmaßnahmen reagiert. Auch wenn die Gegenzölle lächerliche 30. Mrd Euro Produktwerte umfasst. Es geht dabei immer nur um Warenlieferungen. Und ja: Hier hat der deutsche Überschuss gegenüber Amerika im 2015 mit 60,2 Mrd. Euro Importen und 113,7 Mrd. Euro Exporten fast beim Doppelten gelegen. Aber diese Handelsbilanz ist eben auch nur die halbe Wahrheit. Denn beim Export von Dienstleistungen liegt Amerika in Europa vorne. Sogar so weit, dass der Saldo seit zehn Jahren einen leichten Vorteil für Amerika aufweist. Es wird Zeit, dass Europa das selbst- und verhandlungssicher den Amerikanern klar macht. Das Ziel muss es sein, alle Zölle auf „Null“ zu stellen. Wobei dann Amerika einen echten Verhandlungserfolg hätte, denn zur Zeit liegen die Zölle für Autos, die von uns nach Amerika exportiert werden bei 2,5%, für Autos, die nach Europa kommen bei 10%. Wie ich darauf komme? Diesen Vorschlag hatte Donald Trump auf dem G7-Gipfel in Kanada selbst, wenn auch mehr zum Spaß, geäußert. Ein gewiefter „Deal-Maker“ hätte sofort eingeschlagen, die europäischen Politiker waren dazu viel zu verdutzt. Ob sie es im Nachgang schaffen? Es bleibt spannend.