POLITIK
08/05/2018 10:24 CEST | Aktualisiert 08/05/2018 11:23 CEST

"Ungleichland": Szene zeigt, wie realitätsfern das Leben der Reichen ist

“Kann der Wachmann von dem, was er bei mir verdient, leben? Das ist die einzige Frage, die sich stellt."

Blend Images - Ronnie Kaufman via Getty Images
Christoph Gröner ist superreich. (Symbolbild).
  • Die ARD-Doku “Ungleichland” begleitet einen deutschen Multimillionär.
  • Als die Reporter mit seinem Angestellten sprechen, zeigt sich, dass der Unternehmer den Bezug zur Realität verloren hat. 

80 Millionen Euro plus Firmenanteile besitzt der Unternehmer Christoph Gröner. Sein Bauunternehmen, die CG-Gruppe, ist eines der größten Deutschlands.

Sein größtes Problem: “Wenn Sie 215 Millionen haben und Sie schmeißen das Geld zum Fenster raus, dann kommt es zur Tür wieder rein. Sie kriegen es nicht kaputt. Sie können es durch Konsum nicht mehr zerstören.”

Schließlich bekämen Autos und Immobilien nach dem Kauf mit der Zeit einen Mehrwert. 

In der ARD-Dokumentation“Ungleichland” begleiten Reporter den Unternehmer bei seiner Arbeit. Eigentlich soll der Film die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland beleuchten. 

Sein Wachmann verdient 2000 Euro brutto

Als die Journalisten jedoch mit seinem Wachmann sprechen, zeigt sich vielmehr, wie sehr Gröner den Bezug zur Realität verloren hat. 

Mario Lauterbach bewacht die Türe eines von Gröners Bauprojekten in Berlin. 

“Ich bin seinerzeit 14 Jahre zu Schule gegangen, ich spreche zwei, drei Fremdsprachen. Wenn ich nochmal die Möglichkeit hätte, könnte ich mir gut vorstellen, Rechtsanwalt zu werden”, sagt Lauterbach in der Doku. 

Als Wachmann verdient er heute 2000 Euro brutto im Monat. Einen winzigen Bruchteil vom Einkommen seines Arbeitgebers. 

Die ARD-Reporter wollen Gröners Meinung dazu wissen. Doch der Multimillionär hat eine vernichtende Antwort parat. 

“Kann der Wachmann von dem, was er bei mir verdient, leben?”, fragte Gröner. “Das ist die einzige Frage, die sich stellt. Und wenn er es kann, dann hab ich als Unternehmer ordentlich gearbeitet.” 

Der Vergleich des Wachmanns mit ihm sei deshalb Unsinn. 

“Er will ja gar keinen Pool”

“Wird er sich jemals ein Haus mit Pool leisten können?”, fragt ihn einer der Journalisten. 

“Wird er nicht, aber das will er auch gar nicht”, sagt der Millionär. “Ich kenne ja meine Wachleute.”

Die Szene zeigt, dass Gröner sich vom alltäglichen Leben eines Normalverdienenden schon weit entfernt hat. Und das, obwohl er sich einst vom Bauhelfer zum erfolgreichen Unternehmer alleine hoch gearbeitet hat. Mehr noch: zum superreichen Multimillionär mit 500 Angestellten. 

Doch die kennt er offenbar nicht so gut, wie er glaubt.

“Würden Sie gerne mit Herrn Gröner tauschen?”

“Würden Sie gerne mit Herrn Gröner tauschen?”, fragt ein Reporter den Wachmann. 

“Da ich jetzt nicht spontan ‘ja’ sage, wäre die erste Antwort wohl ‘nein’. Und ich glaube, wenn ich länger darüber nachdenken würde, auch nicht”, sagt Lauterbach. “Was weniger an seiner Person liegt oder an dem, was er tut, sondern einfach an meiner Einstellung, dass ich nicht ganz so viel Verantwortung haben möchte”.

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“Hätten Sie gern ein Haus mit Pool?”, wird er weiter gefragt.

 Ja”, antwortet der Wachmann. “Aber nicht hier in Deutschland – in Griechenland.”

Nun, vielleicht sollte sich der erfolgreiche Unternehmer doch ein wenig öfter mit seinen Angestellten unterhalten. 

Vielleicht versteht er ja dann, dass es Menschen ohne Privatjet, Immobilien und Millionen auf dem Konto im Leben manchmal etwas schwerer haben. 

(cho)