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12/06/2018 17:03 CEST | Aktualisiert 12/06/2018 17:03 CEST

Ich hatte Spaß auf einer Dildo-Party – bis ein Mann den Abend versaute

Meine Freundin hatte im Rausch die Idee, so eine Party zu veranstalten.

Franzi Kiefl
Die Party war lustig – doch am Ende wurde der Abend eher traurig. 

Wir saßen auf dem Boden einer Zwei-Zimmer Studentenbude mitten in München. Acht junge Frauen – Vibratoren, Analplugs, Liebeskugeln oder Gleitgel in der Hand. In unserer Mitte: eine Schale Chips, mehrere Flaschen Sekt – und die Dildofrau.

So nannten wir die Sexshop-Vertreterin, die mit einem Rollkoffer voller Spielsachen an diesem Abend die Treppen zur Wohnung meiner Freundin hochgestolpert kam wie ein Weihnachtsmann am Nikolaus-Tag.

Es wurde einer der lustigsten Abende meines Lebens – doch er wurde getrübt

“Rechts riechen, links lecken” – mit diesen Worten begrüßte sie uns. Auf dieser Toyparty würden wir nämlich allerhand Gleitgele, Rasiergele und Massageöle testen, teilweise sogar essbare – oder besser “leckbare”.

Die Idee, eine solche Party auszurichten, kam meiner Freundin im Rausch. Nach einem Mojito zu viel beschloss sie kurzerhand, online ihre persönliche Toy-Party zu buchen.

Einen Monat später war es soweit.

Wir Studentinnen waren scharf darauf, die neuesten Gadgets aus der Sexspielzeug-Welt kennenzulernen. Es war anfangs einer der lustigsten Abende meines Lebens – doch er wurde getrübt. Denn dem Partner meiner Freundin, der Gastgeberin, gefiel unsere Dildoparty gar nicht.

“Mit diesem komme ich innerhalb von zwanzig Sekunden zum Orgasmus”

Dabei hatte die Sexshop-Vertreterin nicht nur Spielzeug für Frauen im Koffer: Neben Vibratoren jeglicher Form und Vibrationsstärken, stellte sie uns Penisringe, Paarvibratoren, Masturbations-Eier und Analdildos vor.

Sie zeigte uns, wie wir unseren Partner am besten massieren, erzählte, wie sie die Spielzeuge mit ihrem Mann gerne benutzt und welche Toys sie lieber für sich allein hat. 

“Mit diesem hier komme ich wirklich innerhalb von zwanzig Sekunden zum Orgasmus”, sagte sie und hielt einen Ufo-förmigen Auflegevibrator in die Luft.

“Der hier ist genau so geformt, dass er unseren G-Punkt stimuliert”, erzählte sie danach über einen gebogenen lilafarbenen Dildo in ihrer Hand. “Viele Experten sind sich sicher, dass dieser etwa vier Zentimeter tief in der Scheide liegt, deshalb hat der Vibrator dort einen Knick.”

► Ihren Job mochte die Expertin offensichtlich – und sie erklärte uns auch, warum:  “Selbstbefriedigung ist ja sehr wichtig für uns Frauen, damit wir selbst lernen, was uns gefällt. Das können wir dann ja auch unserem Partner sagen”, sagte die Dildofrau.

Und dass guter Sex für eine Beziehung nur förderlich ist, wissen wir Mädels aus eigener Erfahrung. Gut die Hälfte von uns hat einen festen Freund.

“Mein Freund spricht schon den ganzen Tag nicht mit mir”

“Ich bin erst seit kurzem mit meinem Freund zusammen”, erzählte mir eine von ihnen. “Ich weiß aber gar nicht, ob ich schon mit Sexspielzeug ankommen soll.”

Vielleicht hatte sie Angst, als “schmutzig” abgestempelt zu werden, wenn sie plötzliche einen vibrierenden Penisring oder Dildo auspackt.

► Womöglich war ihre Sorge auch aus einem anderen Grund berechtigt. Denn wie ich an diesem Abend lernen musste, lässt sich so mancher Mann beim Anblick eines Penis-Imitats mit 35 verschiedenen Vibrationsstufen einschüchtern.

“Mein Freund spricht schon den ganzen Tag nicht mit mir”, erzählte die Gastgeberin in der Runde, “er ist eifersüchtig”.

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Ich brauchte ein wenig, bis ich den Grund seiner Stummheit verstand. Mein Freund war nämlich sogar neidisch auf unsere Abendbeschäftigung. Er beschwerte sich darüber, dass Männer nicht eingeladen wurden.

Der Freund meiner Freundin jedoch hatte vor der Party nur die Angst um seine Männlichkeit ausgedrückt. Nach einem kurzen Streit hatte er dann nicht mehr mit ihr gesprochen. Er befürchtete wohl, irgendwann nutze sie lieber ihr neues Spielzeug statt seines Penis’, um zum Orgasmus kommen.

Er verhielt sich, als habe er einen Anspruch auf Sex mit ihr

Als meine Freundin von seinem Verhalten erzählte, sagte ich ihr, er meine es sicher nicht ernst. Doch ich lag falsch. Er brauchte einige Tage, um wieder zur Normalität zurück zu kehren.

Auf dem Heimweg dachte ich über diesen Mann nach. Statt seiner Freundin einen schönen Abend zu wünschen und sich darüber zu freuen, dass sie ihre Sexualität genießt, hatte er sich und seine Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt.

► Er verhielt sich, als habe er einen Anspruch auf Sex mit ihr.

Mir fiel auf, dass dieser Mann ein ganz schön geringes Selbstbewusstsein haben musste, wenn er einen pinken Plastikpenis für ernsthafte Konkurrenz hält. Und dass das eigentlich ziemlich unattraktiv ist.

Dass die Party für mich mit dieser Erkenntnis endete, war etwas traurig. 

Also stieg ich in die U-Bahn, freute mich stattdessen über meinen kleine Geschenktasche voller Kondome und Mini-Tic-Tacs und auf meinen Freund, der zuhause schon darauf brannte, dass ich ihm von meinem Abend erzähle.

(ks)