BLOG
10/01/2019 11:51 CET | Aktualisiert 10/01/2019 11:51 CET

Digitalisierung und Mobilität in der dritten Dimension: Die wichtigsten Fragen zum Thema Flugtaxi

„Die nächsten zehn Jahre stellen die Menschheit auf ihre härteste Probe. Ich freue mich sehr auf die unglaublichen Möglichkeiten, habe aber auch großen Respekt vor der Geschwindigkeit und Tiefe der Veränderungen.“

Frank Thelen

Was Visionäre von anderen Menschen unterscheidet, ist das ständige Hinterfragen, wie das Leben und die Welt verbessert werden können. Für sie bleibt nichts unerreichbar, weil sie Dinge wagen und einfach „ans Werk“ gehen. Der Begriff setzt sich etymologisch mit „wirken“ (auch mit „Wirklichkeit“) zusammen. Im Sammelband „Visionäre von heute – Gestalter von morgen“, den ich gemeinsam mit dem Diplomingenieur und Unternehmer Werner Neumüller herausgegeben habe, spielt der italienische Maler und Ingenieur Leonardo da Vinci (1452–1519) eine besondere Rolle, weil er die Realität verstehen wollte, indem er ihre Gesetzmäßigkeiten zu entschlüsseln versuchte. Als Erster erkannte er auch, dass zeichnerische Entwürfe von Maschinen das perfekte Werkzeug und Hilfsmittel für Forschung und Analyse sind. 1483 skizzierte er ein Flugzeug mit Luftschraube (eine Wendelschraube mit senkrechter Welle und einer Plattform als Nabe). Eine darauf stehende Person sollte die Luftschraube antreiben. Sein Fluggefährt gilt als ein Vorläufer des modernen Helikopters, auch wenn da Vinci seine Erfindung seinerzeit nicht umsetzen konnte.

Seine Visionen wurden Jahrhunderte später „Wirklichkeit“: Im Jahr 1901 hob der erste Hubschrauber in Berlin ab, und die vertikale Mobilität nahm ihren Anfang. Das erste Patent für ein fliegendes Auto meldete Dr. Trajan Vuia am 17. August 1903 an. Wirklich funktionsfähig war der Flugapparat allerdings nicht, doch die Idee, mit einem Auto fliegen zu können, war nun endgültig geboren. Auch der Entwurf eines "Autoplane" von Glenn Curtiss aus dem Jahr 1917 konnte nicht in Serie gehen, denn sein größtes Problem war, dass es nicht einmal vom Boden abhob. Es vergingen knapp 20 Jahre, bis in den USA das Pitcairn Autogyro AC-35 in die Luft ging. Das erste fliegende Auto kam 1937, als der über sechs Meter lange Waterman Arrowbile mit gut elfeinhalb Meter breiten Flügeln abhob. Nach nur drei Exemplaren wurde der Serienbau gestoppt, insgesamt entstanden sechs Arrowbiles. Das letzte wurde 1957 hergestellt.

Mario Hommen weist in seinem ZEIT-Beitrag „Der Traum vom Zwittern“ nach, dass es sich bei allen historischen Flugautos um „hochtrabende Pläne“ handelte, die nie zu mehr als ein paar Einzelstücken reichten. „Umso erstaunlicher ist es, dass in der jüngeren Vergangenheit an mehreren Serienmodellen gearbeitet wird, die bereits zeitnah auf den Markt kommen sollen.“

Heute stehen „Drehflügler“ besonders im Fokus der Öffentlichkeit: Sie könnten ein wichtiges Bindeglied in der Vernetzung von Verkehrsmitteln werden – als Material- und Warentransporter für Inspektionsaufgaben, aber auch als Lufttaxis, die Anfang 2018 öffentlich noch belächelt wurden: Nach einem Interview im heute-journal erntete Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) damals Häme. Heute sind für den Bundesverkehrsminister Flugtaxis längst keine Vision mehr. Fast jeder zweite Deutsche (41 Prozent) würde schon bald in ein Flugtaxi steigen oder mit einem autonomen Auto fahren. Insbesondere junge Menschen sind offen für Innovationen in der Mobilität. Das ergab eine Umfrage der forsa Politik- und Sozialforschung GmbH im Auftrag der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen": 65 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich Flugtaxis und unbemannte Drohnen für kurze Strecken und 60 Prozent autonom fahrende Autos.

Weltweit gilt das Thema Flugtaxis als das nächste „große Ding“. Bayern spielt darin eine besondere Rolle: Schon im Weltraumilm „(T)Raumschiff Surprise“ von 2004 rund um „Mr. Spuck“, „Käpt’n Jürgen T. Kork“ und Co. von Michael Bully Herbig gibt es ein Spacetaxi. Sogar Tesla-Gründer Elon Musk verkündete trotz seiner unternehmerischen Erfolge mit E-Autos sehr häufig, dass er auch Pläne für elektrische Flugzeuge habe: 2020 soll mit dem Probebetrieb in Städten wie Dubai, Los Angeles, Dallas und Singapur gestartet werden. Experten schätzen, dass ab 2023 der kommerzielle Betrieb startet. Drohnen könnten von 2025 an autonom über den Dächern der Metropolen schweben. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert, dass dann etwa 3.000 Flugtaxis zu diesem Zeitpunkt weltweit im Einsatz sein werden.

ADAC

Als weltweit erste Luftrettungsorganisation prüft die ADAC Luftrettung den Einsatz von bemannten Multikoptern im Rettungsdienst. Der Volocopter soll zum gelben Engel gemacht werden.

Je stärker Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung verändert werden, desto wichtiger ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Denn mit ihnen beginnt die Zukunft, die wir nur begreifen, wenn wir uns ihr stellen. Es ist also besser, vorbereitet zu sein und die grundlegenden Fragen so gut wie möglich geklärt zu haben.

Die wichtigsten Fragen zum Thema Flugtaxi von A bis Z

Werden die Flugtaxis AUTONOM fliegen?

Wer sind die BETREIBER von Flugtaxis?

Wie kann gewährleistet werden, dass Flugtaxis langfristig für die Allgemeinheit FINANZIELL erschwinglich sind und nicht nur eine luxuriöse Beförderungsmethode für eine gut betuchte Klientel darstellen?

Weshalb sollte beim FLIEGEN gelingen, was beim Fahren mit autonomen Autos offenbar doch nicht ganz so einfach ist?

Wer müsste den FLUGBETRIEB in Zukunft regeln?

Wie können schnellstmöglich die GESETZLICHEN GRUNDLAGEN für den Drohneneinsatz geschaffen werden?

Wie ist die HAFTUNGSFRAGE?

Wie funktioniert die ORGANISATION für das Taxifliegen für Kundinnen und Kunden?

Welche REGELN braucht es für die Instandhaltung oder den Betrieb der Fluggeräte?

Wie kann es gelingen, dass die REGULIERUNG mit dem technischem Wandel Schritt hält?

Werden Menschen überhaupt bereit sein, ihr SCHICKSAL einem Computer als Piloten anzuvertrauen?

Welche Rolle spielen die STÄDTE, mit denen künftig kooperiert werden müsste?

Was sind die Anforderungen an eine START-UND LANDESTELLE?

Wie UMWELTFREUNDLICH sind Flugtaxis?

Wie gelingt es, dass alle Flug-Vehikel in der Luft miteinander kommunizieren, um unfallfrei VERNETZT fliegen zu können?

Weitere Informationen:

Alexandra Hildebrandt: Meisterjahre. Die Welt verstehen und selbst gestalten. In: Visionäre von heute – Gestalter von morgen. Inspirationen und Impulse für Unternehmer. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Neumüller. Verlag SpringerGabler, Heidelberg, Berlin 2018, S. 15-30.

Frank Thelen: Startup-DNA - Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern. Murmann Verlag, Hamburg 2018.