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13/03/2018 20:15 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:15 CET

Digitalisierung in Industrie und Handel: Warum ein effizientes und effektives Leckagemanagement unverzichtbar ist

Die Digitalisierung der Industrie birgt zahlreiche Chancen für den Bereich Druckluft. Hier besteht die Herausforderung darin, Dienstleistungen zu entwickeln, die Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit verbinden. So hat der schwäbische Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader seinen Service digitalisiert. Auch für das Leckage-Management wurde eine digitale Anwendung entwickelt, die 2015 mit dem App-Award in der Kategorie Produktion ausgezeichnet wurde.

Das Einsparpotenzial im Bereich Druckluftleckagen liegt bei etwa 30 Prozent. Dennoch werden Leckagen in Unternehmen häufig nicht oder nicht zeitnah beseitigt und Energie verschwendet. Ein Grund hierfür ist die fehlende Dokumentation sowie die fehlende Transparenz über das Einsparpotenzial oder der zeitlichen Kapazitäten. Um die Hemmnisse abzubauen und ein effizientes und effektives Leckagemanagement zu gewährleisten, wurde diese digitale Lösung entwickelt.

Die Kunden erhalten eine wirtschaftliche und ökologische Bewertung für jede einzelne Leckage. Alle Informationen werden digital erfasst und sind live über das Leckage-Online-Portal oder per Leckage-App abrufbar. So haben sie jederzeit eine Übersicht darüber, wie viel Druckluft bzw. Energie durch jede einzelne Leckage verloren geht, aber auch über die CO2-Menge, die dadurch anfällt. Eine Priorisierung der Leckagen mit Hilfe eines leicht verständlichen „Ampel-Systems“ zeigt außerdem auf, an welcher Stelle schnell gehandelt werden müsse. Durch die Digitalisierung des Servicebereichs und Entwicklung der Leckage-App wird eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung der Prozesse erreicht.

Im Sammelband „CSR und Digitalisierung“ beschreiben Stefanie Kästle und Werner Landhäußer aus der Mader-Geschäftsführung u.a. das modular aufgebaute, individuelle Dienstleistungspaket MADER AirXpert, das eine Methode zur Analyse, Bewertung und energetischen Optimierung von Druckluftsystemen mit klaren, belastbaren Messergebnissen darstellt.

Mader GmbH & Co. KG

Das Digital-Manometer kann herkömmliche Axial-Manometer direkt ersetzen. Das beleuchtete LC-Display lässt sich auch in dunkler Umgebung gut ablesen.

Seit Mai 2014 ist das Mader Mitglied der Klimaschutz- und Energie-Effizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft (Klimaschutz-Unternehmen e.V.), einer unternehmerischen Exzellenzinitiative für Klimaschutz und Energieeffizienz. Im Dezember 2014 wurde das Unternehmen mit dem Umweltpreis für Unternehmen Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Unternehmen, für die das Thema Nachhaltigkeit fester Bestandteil des Kerngeschäfts ist, nehmen auch das Thema Druckluft in den Blick. Beim Babynahrungshersteller HiPP liegt ein besonderes Einsparpotenzial in der Produktion: Hier wurden in den vergangenen Jahren Optimierungen an den Wasserkreisläufen und den zirkulären Durchläufen bei der CIP-Reinigung (Cleaningin-Place-Kreisläufe) vorgenommen. Die Mehrfachnutzung des Wassers in CIP-Kreisläufen bedeutet, dass sauberes Nachspülwasser auch zum Vorspülen für den nächsten Reinigungslauf verwendet wird. Zusätzlich werden die produktführenden Leitungen zunächst mit Druckluft (!) gereinigt, um die verbliebenen verarbeiteten Rohstoffe zu entfernen. Erst im Anschluss daran wird mit Wasser gründlich nachgespült. 2014 erhöhte sich der Bedarf an Kältemitteln sprunghaft: Leckagen machten einen kompletten Austausch von Rohren erforderlich. In den Nachhaltigkeitszielen ist der Aspekt „Optimierung Druckluft“ separat vermerkt: Druckabsenkung, Leckageortung, Bedarfsanpassung und Abwärmenutzung (Quelle: HiPP Nachhaltigkeitsbericht).

Olaf Schulze, der seit 2018 das Energiemanagement bei der METRO AG verantwortet, widmet sich in seinem Fachbeitrag im CSR-Sammelband ebenfalls dieser Thematik: Zu den METRO-Klimaschutzzielen 2030 gehören Energieeinsparung, durch Reduktion der Klimawirkungen aus Leckagen der Kälteanlagen sowie ein deutlicher Ausbau von Photovoltaikanlagen auf oder an den Großmärkten sowie Ausbau anderer emissionsarmer Erzeugungstechnologien. Innerhalb der METRO gibt es gegenwärtig zwei, monatlich auf Standort- und Landesebene zentral ermittelte und berichtete Energie-KPIs:

a) den Stromverbrauch je m2 Verkaufsfläche und

b) die Leckagerate aus Kältemitteln jeweils mit Zielerreichungsabweichung.

Das LOCS dient hier als Auswertungs- und Analysetool, um die Leckagen festzustellen und zu bewerten, aber auch, um den Anlagenzustand der Kälteanlagen zu beobachten. Es ist so konzipiert, dass jeder Nutzer (z. B. auch externe Dienstleister) Nachfüllmengen oder Stammdaten in das System eintragen kann. „Mittlerweile wurden mit LOCS 2.0 schon 18 Monate nach Inbetriebnahme das erste Release entwickelt und implementiert, auf Wunsch und nach Tipps zur Verbesserung der Fungibilität durch die Nutzer.

Die Beispiele über Mader (Mittelstand) und METRO (Konzern) zeigen, dass die Aufzeichnung und Analyse von Daten für Unternehmen enorm wichtig ist, damit Einsparpotenziale und Veränderungen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen abgeleitet werden können.

Weiterführende Informationen:

Stefanie Kästle und Werner Landhäußer: Druckluft 4.0 goes green: Herausforderungen, Chancen und innovative Lösungen am Beispiel der Mader GmbH & Co. KG.

Olaf Schulze: Das METRO-ENERGY-MANAGEMENT-SYSTEM MEMS.

Beide in: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.