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06/04/2018 19:48 CEST | Aktualisiert 06/04/2018 23:03 CEST

Digitale Technologien können tausende Menschenleben retten – wenn wir sie richtig anwenden

Die größte Chance liegt darin, Technologien zu kombinieren.

Noor Khamis / Reuters
Smartphones und Apps können helfen, eine bessere Gesundheitsversorgung in Afrika zu ermöglichen

Der Mensch zähmt Tiere, der Mensch züchtet Tiere. So greifen wir schon seit über 14.000 Jahren in den Verlauf der Natur ein. Und inzwischen ermöglicht es uns Technologie, dass wir genetische Modifizierungen durchführen können. Auf diese Weise können wir DNA entschlüsseln und Gene verändern.

Unsere Möglichkeiten, in die Natur einzugreifen, sie zu verändern, werden immer größer und nehmen immer schneller zu.

► Wir nutzen diese Technologien, um Lösungen für die größten gesundheitlichen Herausforderungen der Menschheit zu finden.

Krebs heilen, psychische Erkrankungen optimal behandeln, Pflanzen entwickeln, die gegen Dürre ankommen, Malaria ausrotten.

In Afrika werden Innovationen in der Biotechnologie dafür verwendet, um die Gesundheitsversorgung auf dem Kontinent zu verbessern.

Laut einer Studie des ”African Forum for Research and Education in Health” treten 24 Prozent aller Krankheiten, die es auf der Welt gibt, in Afrika auf.

Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika hängt nicht vom Erfolg einer einzelnen Technologie ab

Demgegenüber beträgt der Anteil am weltweit verfügbaren medizinischem Fachpersonal lediglich 3 Prozent. Und nur 1,5 Prozent der weltweiten Finanzmittel, die für Gesundheit ausgegeben werden, werden in Afrika ausgegeben.

► Doch Digitalisierung könnte helfen, diesen Missstand zu verringern.

Immer mehr Menschen in Afrika haben ein Smartphone. Sie könnten beispielsweise Wunden und Hautverletzungen fotografieren, die Fotos in einer zentralen Cloud-Datenbank hochladen und eine Ferndiagnose erhalten. Augen-Scanner könnten helfen, Diabetes früh zu erkennen. Drohnen könnten helfen, dringend benötigte Medikamente in abgelegene Gebiete zu bringen.

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Doch die größte Chance liegt darin, Technologien zu kombinieren. Eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika hängt nicht vom Erfolg einer einzigen Idee oder Technologie ab.

► Vielmehr kommt es darauf an, wie wir verschiedenen Elemente kombinieren, um Lösungen zu finden, die für Afrika relevant, erschwinglich und effektiv sind.

Es ist wichtig, die Risiken nicht aus den Augen zu verlieren

Doch all das birgt auch Risiken mit. Indem wir in die Natur eingreifen, erhöht sich die Gefahr, dass wir bislang unvorstellbare Naturkatastrophen auslösen. Es ist wichtig, dass wir das nicht aus den Augen verlieren.

Denn selbst bei etwas so einfachem wie der Entwicklung von Antibiotika hat der Mensch unabsichtlich möglicherweise sogar noch größere Probleme erschaffen, wie beispielsweise medikamentenresistente Super-Keime.

Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr 700.000 Menschen an den Folgen von Antibiotika-Resistenz sterben. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf zehn Millionen Todesfälle ansteigen und die Weltwirtschaft bis zu 100 Billionen US-Dollar kosten.

Brian Snyder / Reuters
Es werden immer neue Antibiotika entwickelt – doch das birgt auch große Gefahren

Deshalb warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Welt in die Zeit vor der Entdeckung von Antiobiotika zurückfallen könnten – sollten verschiedene Interessenvertreter auf der ganzen Welt nicht sofort und koordiniert etwas dagegen unternehmen.

Ganz normale Infektionen und kleinere Verletzungen könnten dann nicht mehr behandelt werden und könnten schließlich sogar zum Tod führen.

Keine Art sollte komplett ausgerottet werden

In Südamerika sind hunderte Menschen am Zika-Virus gestorben, die Malaria-Gefahr ist in vielen Regionen auf der Welt seit Jahren akut. Deshalb haben Wissenschaftler radikale Schritte vorgeschlagen, um die Menschheit vor relevanten Moskito-Arten – insgesamt gibt es mehr als 3500 – zu schützen.

Ueslei Marcelino / Reuters
Ein Mann in Brasilien wird gegen Dengue-Fieber geimpft

Moskitos sind Überträger von Parasiten, die beim Menschen Krankheiten auslösen können. Mehr als eine Million Menschen, vorwiegend in Entwicklungsländern, sterben jedes Jahr an von Moskitos übertragenen Krankheiten wie Malaria, Dengue- oder Gelbfieber.

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Wäre es denn dann am besten dieses Insekt komplett auszurotten? Dazu gibt es äußerst wichtige Bedenken. Denn eine solche Aktion könnte gravierende Auswirkungen auf die Umwelt haben:

Welche Art von Organismus würde beispielsweise die Lücke füllen, die die Moskitos hinterlassen? Würde das ein geringeres, ein gleiches oder sogar ein größeres Risiko für unsere Gesundheit bedeuten? Darüber hinaus müssten wir über die ethischen Bedenken eines solch drastischen Schrittes nachdenken.

Genetisch veränderte Moskito-Stämme, tragbare Detektoren als Frühwarnsysteme

► Erfreulicherweise nehmen Wissenschaftler diese Risiken und Bedenken ernst.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat einen Stamm von genetisch veränderten Moskitos entwickelt, die den Bestand der Moskito-Art, die das Zika-Virus übertragen, verringern soll.

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Der genetisch veränderte Moskito-Stamm soll den Nachkommen der krankheitsübertragenden Moskitos tödliche Gene weitergeben, um dadurch auf natürliche Weise das Risiko der Ausbreitung der Krankheit zu minimieren.

Mike Segar / Reuters
Wissenschaftler arbeiten an Ideen im Kampf gegen das Zika-Virus

In Australien verwenden Wissenschaftler natürlich vorkommende Bakterien, um die Fähigkeit von Moskitos zu verringern, das Dengue-Fieber von Mensch zu Mensch zu übertragen.

Außerdem entwickeln Wissenschaftler in London gerade einen Sensor, der jede einzelne Moskito-Art an ihrem unverwechselbaren Flügelschlag erkennen kann.

Biologie ist wie Informatik – wir müssen die Codes verstehen

Ihr Plan ist es, die Dorfbewohner in ländlichen Gebieten Südostasiens mit tragbaren Detektoren auszustatten, damit sie die krankheitserregenden Moskitos erkennen können. Das kann den Bewohnern helfen, Krankheitsausbrüche zu vermeiden.

Biologie ist im Grunde genommen wie Informatik. Indem wir den Code der Natur immer mehr in einen Strom von Signalen umwandeln, der die Bits und Bytes von Genen, DNA, Proteinen und vielem mehr enthält, haben wir die Möglichkeit, diese Daten zu analysieren und zu verarbeiten.

Dadurch können wir Muster erkennen und verstehen, wie diese Muster in verschiedenen Umgebungen funktionieren.

Technologie-Unternehmen könnten Plattformen schaffen, um Daten schneller und auf unterschiedliche Arten zu verarbeiten und zu analysieren kann. Das kann medizinischen Fachkräften helfen, unsere größten Herausforderungen zu lösen.

Wir müssen Nutzen aus den immensen Vorteilen dieser digitalen Zukunft zu ziehen.

Dieser Blog erschien ursprünglich in der HuffPost Südafrika und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt und redaktionell bearbeitet.

(ujo)