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30/07/2018 16:54 CEST | Aktualisiert 30/07/2018 16:54 CEST

Digitale Bildungsrevolution: Wir brauchen beste Bildung für unsere Kinder

Die digitale Revolution wird Schule, wie wir sie heute kennen, grundlegend verändern.

yvonne gebauer
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat ehrgeizige Pläne.

Wir erleben gegenwärtig – nach vielen Jahrzehnten – wieder eine Revolution, die die Industrie und unsere Gesellschaft unaufhaltsam verändert. Die sogenannte “Digitale Revolution”.

Heute sind nicht Bodenschätze, sondern die Potenziale der Menschen, sind geistige Schöpferkraft und Innovationsfreude unsere wertvollsten Ressourcen.

Jetzt geht es darum, im Wettbewerb um die besten Ideen ganz vorne dabei zu sein. Es geht darum, unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Dabei spielt die Digitalisierung, die alle Bereiche unseres Lebens immer tiefer durchdringen wird, eine entscheidende Rolle.

Digitalisierungsstrategie Schule: Selbstbestimmt und erfolgreich im digitalen Wandel

Was ist hierbei die Aufgabe unserer Schulen? Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, auch in Zeiten des digitalen Wandels ihren Weg selbstbestimmt und erfolgreich zu gehen. Wir brauchen beste Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen, die dem internationalen Vergleich standhält.

Dafür haben wir haben uns als Landesregierung ehrgeizige Ziele gesetzt. Wir wollen Nordrhein-Westfalen an die internationale Spitze führen. Denn nur wer sich ehrgeizige Ziele setzt, wird etwas bewegen.

In fünf Regionalkonferenzen veranstaltet das Schulministerium gegenwärtig gemeinsam mit den Bezirksregierungen unter Beteiligung der Kommunen Konferenzen zur “Digitaloffensive Schule NRW”. Diese Regionalkonferenzen nutzen wir, um den kreativen Austausch zu ermöglichen und Anregungen mitzunehmen für die “Digitalstrategie Schule”, die wir im kommenden Schuljahr 2018/19 vorstellen.

Gerade und besonders in unseren Schulen entscheidet sich, ob wir künftig ein Chancenland sein werden. Die digitale Bildungsrevolution ist keine reine Bewältigungsaufgabe. Sie ist Gestaltungsaufgabe, die von Bund und Ländern gemeinsam verantwortet werden muss. Diese große Aufgabe erfordert Begeisterung und Fortschrittsoptimismus.

Individuelles Lernen mit digitalen Lernmitteln

In den letzten Jahren gab es meist leider nur zögerlichen Kleinmut. Jetzt geht es um einen wahren Aufbruch! Mit einer umfassenden Digitalstrategie, zu der alle Beteiligten ihren Beitrag leisten müssen. Eine solche Strategie erfordert auch eine Vision für die Digitale Schule im Jahre 2030.

Diese Schule hat eine überragend gute Ausstattung, moderne Gebäude, ist flexibel in der Raumnutzung, hat vernünftige Lehrerarbeitsplätze. Und ganz entscheidend: Diese Schule ermöglicht individuelles Lernen auch mit digitalen Lernmitteln, die vielfältige Aufgabentypen und Lernzugänge bieten.

Gute Beispiele für diese neuen digitalen Lernmittel sind die auf Initiative des Schulministeriums entwickelten beiden Prototypen multimedialer Schulbücher: das BioBook NRW für den Biologieunterricht der Klassen 5 und 6 und das mBook GL für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I.

Zu den zahlreichen Möglichkeiten dieser multimedialen Schulbücher, die normalerweise nicht zwischen zwei Buchdeckel passen, gehören Lehrvideos, Animationen, interaktive Übungsaufgaben und Audiodateien.

Das unterstützt nicht nur die Kompetenzentwicklung und die individuelle Förderung, sondern wirkt sich auch positiv auf die Motivation unserer Schülerinnen und Schüler aus.

Digitale Schulbücher: differenziertes Lernen am gemeinsamen Gegenstand

Der Grundgedanke des mBook GL ist das differenzierte Lernen am gemeinsamen Gegenstand. Das mBook GL ist das erste zugelassene digitale Schulbuch, das aufgrund der Differenzierungsmöglichkeiten eine große Hilfestellung ganz besonders für das inklusive Lernen darstellt.

Beide multimedialen Schulbücher stehen den Schulen in Nordrhein-Westfalen kostenfrei zur Verfügung. Die Tatsache, dass in den ersten Tagen bereits rund einhunderttausend Lizenzen für das mBook GL beantragt worden sind, ist ein großer Erfolg. Ein Erfolg, der unmissverständlich zeigt, dass unsere Schulen die digitale Herausforderung annehmen und die Chancen für das individuelle Lernen erkennen.

Die digitale Revolution wird Schule, wie wir sie heute kennen, grundlegend verändern. Die vor uns stehende komplexe Transformation erfordert ein systematisches Vorgehen Schritt für Schritt. Auf diesem Weg müssen alle mitgenommen werden. Es kommt darauf an, dass die verschiedenen Partner enger und besser miteinander kooperieren. Das heißt konkret:

  • Das Digitalministerium kümmert sich um den Anschluss von Schulen an ein leistungsfähiges Breitband.
  • Die Bundesregierung muss folgen: beim Breitband und mit dem Digitalpakt Deutschland.
  • Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Aufgabe, seine Lehrkräfte zu qualifizieren und Unterstützungsstrukturen bereitzustellen.
  • Die kommunalen Schulträger haben die Verantwortung für eine leistungsfähige Infrastruktur. Dafür erhalten sie zusätzliche Mittel.

Bei allem, was zu tun ist – eines ist sicher: Bei der Umsetzung der “Digitaloffensive Schule NRW“ müssen Land und Schulträger noch besser zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit umfasst drei große Handlungsfelder:

Medienkompetenz vermitteln

Zunächst geht es um die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen für die digitale Welt. Medienkompetenzen müssen im Unterricht systematisch vermittelt werden. Dazu gehören Anwendungskompetenzen, kritische Medienkompetenzen und eine informatische Grundbildung, die die Landesregierung als elementaren Bestandteil der digitalen Bildung betrachtet.

Allen Schülerinnen und Schülern sollen Grundfertigkeiten im Programmieren und im Umgang mit Algorithmen vermittelt werden. Denn wer Codes versteht, wird nicht abgehängt werden in einer Berufswelt, die zunehmend “digitales Denken und Handeln” erfordert. Aber es geht um mehr als “nur“ um Medienkompetenzen in der digitalen Welt.

Durch die Möglichkeit, im Fachunterricht digitale Medien einzusetzen, können sich neue Ziele ergeben – im Hinblick auf Inhalte und auf fachliche Kompetenzanforderungen. In allen Unterrichtsfächern muss daher das Lernen und Lehren von digitalen Inhalten und mit digitalen Instrumenten selbstverständlich werden.

Wir wollen motivierte Schülerinnen und Schüler, die ihre digitale Umwelt eigenverantwortlich und selbstbestimmt gestalten können. Wir wollen ihr schöpferisches und kreatives Potential wecken – sei es durch die Programmierung eines Roboters oder die Entwicklung einer Lösung für ein Smart-Home.

Grundlage für dieses Handlungsfeld ist der “Medienkompetenzrahmen NRW”. Der “Medienkompetenzrahmen NRW“ ist eine Dokumentation, die allen Schulen zur Verfügung steht und in der die notwendigen Kompetenzen, über die Schülerinnen und Schüler am Ende der Pflichtschulzeit verfügen sollen, beschrieben und definiert werden.

Qualifizierung der Lehrkräfte

Das zweite große Handlungsfeld ist die Qualifizierung unserer Lehrkräfte. Für eine erfolgreiche digitale Schule brauchen wir motivierte und qualifizierte Lehrkräfte. Deshalb müssen wir unsere Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich für die Nutzung der digitalen Möglichkeiten aus- aber auch fortbilden.

Wir werden eine Fortbildungsoffensive starten und das Thema “Lehren und Lernen mit digitalen Medien“ fest in der Lehrerausbildung verankern. Mit einem zusätzlichen “Medienkompetenzrahmen Lehrkräfte” schaffen wir die Grundlage für “Digitale Bildung” in der Lehreraus- und -fortbildung und auch in der Schulleitungsqualifizierung.

Darüber hinaus werden wir an allen Schulen ab dem Jahr 2019 mit der Qualifizierung von Medienkoordinatorinnen und –koordinatoren beginnen. Diese Damen und Herren sollen die “Motoren für digitale Bildung” an den einzelnen Schulen sein. Sie leisten pädagogischen Support vor Ort und sind erste Ansprechpartner für das Kollegium.

Digitale Infrastruktur schaffen

Das dritte Handlungsfeld ist das größte. Die Personalentwicklung läuft ins Leere, wenn es keinen systematischen Fortschritt bei der digitalen Infrastruktur der Schulen gibt, und zwar flächendeckend. Weltbeste Bildung gelingt nicht mit der Technik von gestern.

Wir werden gemeinsam mit den Kommunen die Schulen mit einer hervorragenden digitalen Infrastruktur ausstatten müssen: mit schneller Glasfaseranbindung, flächendeckendem WLAN, Zugang zum Internet und digitaler Präsentationstechnik in möglichst vielen Unterrichtsräumen.

Mit dem Wirtschafts- und Digitalministerium richten wir gegenwärtig fünf Geschäftsstellen Gigabit.NRW ein, mit denen wir in allen Bezirksregierungen eine unterstützende Beratungsstruktur aufbauen, damit die hohen Fördergelder auch zeitnah investiert werden können.

Das Land stellt den Kommunen in dieser Legislaturperiode mit der Schulpauschale, dem Kommunalinvestitionsfördergesetz des Bundes und dem Landesprogramm “Gute Schule 2020” rund sechs Milliarden Euro zur Verfügung, unter anderem für Investitionen in die digitale Infrastruktur und Ausstattung der Schulen.

Der bisher leider unbefriedigende Abfluss der Mittel aus “Gute Schule 2020” signalisiert in diesem Zusammenhang großen Handlungsbedarf. Ein besonderer Aufgabenschwerpunkt der Geschäftsstellen wird daher der Service “Digitale Infrastruktur für Schulen” sein: mit einem breiten Beratungsangebot zu den Themen “leistungsfähiger Breitbandanschluss” und “Netzinfrastruktur”.

Das Ministerium für Schule und Bildung arbeitet mit Hochdruck daran, ein umfassendes Unterstützungssystem für die digitale Bildung in NRW aufzustellen. Gemeinsam mit allen handelnden Akteuren wird uns der digitale Aufbruch gelingen.