BLOG
19/04/2018 13:59 CEST | Aktualisiert 19/04/2018 13:59 CEST

Digitale Bildung: Wie ein junger Gründer Schule macht

 Interview mit Rubin Lind, Gründer und Geschäftsführer der Skills4School GmbH

Rubin Lind, geboren 1999 in Hamm, ist Gründer und Geschäftsführer der Skills4School GmbH, mit der er die gleichnamige e-learning Plattform und Lernapp noch während seiner Schulzeit ins Leben gerufen hat. Im Frühjahr 2017 machte er sein Abitur. Beim Gründer-Wettbewerb STARTUP TEENS gewann er mit seiner innovativen Lernapplikation „Skills4School“ 10.000 Euro. Mit 17 gründete er sein erstes Unternehmen, in dem er heute immer noch Geschäftsführer ist. Nebenbei reist er durch Deutschland und hält Vorträge zur Digitalisierung und dem Denken der Generation Y und Z. Er beschäftigt inzwischen zwölf Mitarbeiter und wächst nachhaltig weiter. 2017 hat ihn die Initiative Connect Limburg als jüngstes “Young European Talent“ ausgezeichnet.

Rubin Lind

Wie entstand die Idee zu Deiner App Skills4School, die im Februar 2018 auf den Markt kam?

„Sei Du selbst, dann wirst Du alles schaffen!“ Das ist einer von etlichen Motivationssprüchen, die mir in den vergangenen Jahren auf Facebook, Instagram und Co. begegnet sind. Überall sind die angeblichen ultimativen Lebensweisheiten. Doch was ist, wenn ich noch nicht weiß, was ich eigentlich möchte? Die ersten 17 Jahre meines Lebens liegen hinter. Statistisch gesehen folgen im Durchschnitt noch 63 weitere Lebensjahre. Blöd nur, wenn man noch gar nicht weiß, was man aus seinem Leben machen möchte. Was den eigenen Lebensfluss stört, ist die ständige Frage, was man nach der Schule machen möchte, und wie man sich seine Zukunft vorstellt. So soll man in jungen Jahren schon wissen, wie genau es nach der Schule weitergeht. Diese Frage konnte ich mir damals als Schüler nicht beantworten, aber ich dachte immer, ich brauche darauf eine Antwort. Dabei war das Abitur erstmal der Punkt, mit dem ich mich beschäftigen wollte, bevor ich die Zukunft bis 2079 durchplane.

Welche Frage stand für Dich vorrangig im Fokus?

Wie ich mich vernünftig auf meine Klausuren vorbereiten kann – auch wenn ich unterwegs bin und mal nicht wie sonst unglaublich gerne drei Stunden Mathe lernend vor dem Schreibtisch sitze. Einfach und unkomplizierte Vorbereitung von den Inhalten, die ich für meine Schullaufbahn und das spätere Leben benötigte. Die Idee für die App kam mir, als ich in der Matheklausur saß. Ich war verzweifelt, weil ich nicht wusste, welche Themen geprüft werden. Ich fragte mich, warum es keinen Weg gibt, sich so optimal vorzubereiten, wie es der Lehrer erwartet - und zwar so, dass niemand am Thema vorbei lernt. Und weil es nichts gab, was meinen Vorstellungen entsprach, habe ich es einfach selbst gemacht. Und es ärgerte mich, dass ich mein Handy nicht einfach zum Lernen nutzen konnte. Alles kann man heute damit machen, aber einfach mal zwischendurch Zeit zum gezielten Lernen nutzen, war nicht. Deshalb kam mir die Idee zu "Skills4School".

Wie bist Du bei der Entwicklung der App vorgegangen?

Ich setzte mich hin und begann, ein einfaches Konzept für die App zu schreiben: Was muss sie können, wie muss sie aussehen etc. Woher die Inhalte kamen und wer das programmierte war mir damals noch nicht bewusst. Ich fand die Vorstellung von solch einem Produkt einfach genial und wollte es umsetzen. Ich nahm an mehreren Wettbewerben teil, erzählte Mitschülern, erfolgreichen Unternehmern und der Presse davon, und das Feedback das ich erhielt, half mir, mich zu verbessern und weiter zu machen.

Wie funktioniert Deine App?

Es ist eine Lern-App für Schüler und Lehrer, die Schülern helfen soll, sich besser für Klausuren vorzubereiten. Sie sehen ihren Lernfortschritt, eine Übersicht über die noch zu lernenden Inhalte und die geschätzte Dauer, um sich den Stoff anzueignen. Die Lehrer können sich einloggen und je nach Bundesland, Schulform, Fach, Schulbuchverlag und Klassenstufe den Stoff festlegen, Aufgaben und Inhalte, die klausurrelevant sind. Die Fragen werden von eigenen Redakteuren geschrieben, sind aber auf den Lehrplan abgestimmt und jeweils nach Bundesländern, Schulformen und Fächern getrennt. Wenn man diese nicht beantworten kann, gibt es Tipps.

Der Lehrer muss dann nur noch die Jahrgangsstufe, den Schulbuchverlag und das Bundesland auswählen und kriegt anschließend zutreffende Themen ausgespuckt. Unter diesen wählt er dann die passenden für die Klausur. Und bei Bedarf kann er eigene Fragen hinzufügen. Anschließend sind die Fragen über einen Code für die Schüler zu finden. Im Schüler-Profil sieht der Nutzer, wie weit er schon gelernt hat, was noch bearbeitet werden muss, und wo besondere Schwachstellen liegen.

Was ist der Unterschied zu bereits vorhandenen Apps?

Er liege in der Festlegung der Themen durch den Pädagogen. Wie bereits gesagt, können sich die Schüler über einen Code einloggen und mit dem erstellten „Fragenkatalog“ der Lehrer lernen. Zudem passt sich die Lernapp individuell auf den Schüler und sein Lernverhalten an. Die Inhalte sind durch unseren Algorithmus auf jeden einzelnen Schüler passend zugeschnitten.

Wie reagierten die Lehrer?

Mit Erstaunen konnten wir feststellen das immer mehr Lehrer der Thematik des digitalen Lernens aufgeschlossen entgegenschauen und versuchen neue Methoden in den Unterricht bringen. Unser Ziel ist es deshalb, auch die älteren Lehrer für die Plattform zu gewinnen, indem wir mit niedrigen technischen Hürden arbeiten, also viel mit nur wenigen Klicks umsetzbar ist. Knackpunkt beim digitalen Lernen sind übrigens nicht die Lehrer, sondern vor allem die Ministerien und einzelnen Bundesländer.

Was sagten Deine Mitschüler zu Deiner Entwicklung?

Von ihnen erhielt ich viel ehrliches und positives Feedback. Ich habe die Beta-Version der App auf dem Handy und habe somit immer direkt testen können welche Features gut ankommen und welche zunächst nicht gebraucht werden . Dadurch konnten wir ein Produkt entwickeln das wirklich nah an der Zielgruppe ist. Das wird bei Produkten für die junge Zielgruppe im allgemeinen viel zu selten beachtet.

Was macht Skills4School zu einem nachhaltigen Projekt?

Es ist kein Projekt für ein bis zwei Jahre. Es soll nachhaltig sein und sich weiterentwickeln. Zunächst geht es um das reine Abfragen der Schüler und das Überprüfen des Lernfortschritts. Künftig soll die Plattform Lernmöglichkeiten für alle didaktischen Lernmethoden bieten. Nutzer werden mit anderen Schülern kommunizieren und sich austauschen können, Zeichnungen zu Aufgaben anfertigen und somit motorisch lernen. Auch Videos und Audiodateien sollen beim Lernen helfen.

Weiterführende Informationen:

"In der Schule sollte auch Vertragsrecht drankommen"

Eine Lern-App für Schüler – gebaut von einem Schüler