POLITIK
10/02/2018 20:59 CET | Aktualisiert 11/02/2018 16:08 CET

Wie eine Escort-Dame für einen entscheidenden Beleg in Trumps Russland-Affäre sorgte

Die russischen Behörden wollen das Video nun verbieten.

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Nastja Rybka in Dubai
  • Bisher hat eine direkte Verbindung von US-Präsident Donald Trump zum Kreml gefehlt
  • Nun könnte ausgerechnet eine russische Escort-Dame den Beweis geliefert haben – unfreiwillig

Es sind die Zutaten eines klassischen Agententhrillers: teure Yachten, schwerreiche Männer und leichte Mädchen – dazu Verbindungen zur US- und zur russischen Politik.

Die Zusammenhänge zwischen diesen Zutaten hat nun der russische Oppositionspolitiker und Anti-Korruptionsaktivist Alexej Nawalny in einem Video und einem dazugehörigen Blogbeitrag nachgezeichnet. Mit einer extrem brisanten Beweiskette – und einer fantastisch anmutenden Behauptung: 

Ein russisches Escort-Mädchen könnte den Nachweis für die bisher fehlende direkte Verbindung zwischen Donald Trumps Ex-Wahlkampfchef und dem Kreml geliefert haben.

1. Um was geht es in Nawalnys Video? 

Im Mittelpunkt der gut 25-minütigen Dokumentation steht Nastja Rybka. Das selbsternannte junge Model arbeitet als Escortdame.

Rybka scheint viel auf der Welt herumzukommen, wie sie freimütig auf ihrem Instagram-Profil zeigt. Dort hat Nawalny auch die zentrale Entdeckung gemacht. 

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Nastja Rybka im Ferrari

Denn einer der Männer, die Rybka begleitet hatte, war der Oligarch Oleg Deripaska.

Der russische Aluminium-König war vor der Wirtschafts- und Finanzkrise der reichste Mann Russlands. Nun schätzt das US-Wirtschaftsmagazin “Forbes” sein Vermögen noch immer auf 5,1 Milliarden US-Dollar. 

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Nastja Rybka mit dem Oligarchen Oleg Deripaska

Das Brisante: Laut einem Bericht der US-Nachrichtenagentur AP soll Deripaska Paul Manafort, Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager, angestellt haben – um die Interessen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu vertreten. 

Im Dezember war Deripaska gegen diese Behauptung gerichtlich vorgegangen. Gegenüber CNN hatte er die Gerüchte zuvor bereits als “Fake-News” zurückgewiesen. 

► Fakt ist jedoch: Manafort und Deripaska waren Geschäftspartner.

► Deripaska konnte bisher nicht seine Unschuld beweisen.

► Und Manafort gilt als Person von besonderem Interesse in den Ermittlungen von Robert Mueller. Er steht im Zentrum der Russland-Untersuchungen des FBI-Sonderermittlers. Auch diverse US-Untersuchungsausschüsse befassen sich mit dem 68-Jährigen.

Es gibt den Verdacht, dass es Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland hinsichtlich einer Wahlbeeinflussung gegeben haben könnte. Trump hatte sich noch im Wahlkampf von Manafort auf öffentlichen Druck hin getrennt.

Mehr zum Thema: Wie Trump die Russland-Ermittlungen sabotiert – und damit durchkommt

2. Wie ist die Verbindung zwischen dem Kreml und Trumps Wahlkampfmanager?

Bereits im September hatte die “Washington Post” berichtet, dass Manafort im Juli 2016 – während er Trumps Wahlkampf managte – einen Mitarbeiter dazu drängte, ein Treffen mit Deripaska zu organisieren.

Wie sich herausstellte, sollte es wohl ein Angebot sein, Geld zu sammeln. Geld, welches Manafort dem Oligarchen noch schuldete. Unklar ist bis jetzt, ob Deripaska die Nachricht erhielt. 

► Zudem fehlte bislang der entscheidende Nachweis, dass Deripaska Zugang zum russischen Machtzentrum hatte – obwohl sein riesiges Vermögen dies nahelegt. 

Nawalny behauptet nun, er habe den Beweis für die Verbindung Deripaskas zum Kreml gefunden: Aufnahmen vom August 2016, einen Monat nach Manaforts Angebot.

Denn auf der gleichen Jacht – wie Rybkas private Fotos und Videos zeigen –, befand sich auch Russlands Vize-Premier Sergei Prikhodko.

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Nawalnys Beweis: Oleg Deripaska und Sergei Prikhodko zusammen auf einer Jacht. Rybka hat die Aufnahmen erst im Juni 2017 auf Instagram veröffentlicht, entstanden sind sie jedoch im August 2016, wie Nawalny nachweisen konnte. 

Prikhodko ist im Kabinett von Premier Dimitri Medwedew für internationale Beziehungen zuständig – und gilt als einer der gewichtigsten Funktionäre in der russischen Außenpolitik.

Auch deshalb ist eine Nähe zu Putin höchst wahrscheinlich – schließlich diente der 61-Jährige bereits allen bisherigen russischen Präsidenten seit Boris Jelzin und war auch jahrelang außenpolitischer Berater Putins. 

Mehr zum Thema:  Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

3. Warum ist die Enthüllung so heikel? 

Aus zwei Gründen:

► Zum einen könnte es tatsächlich das Puzzleteil sein, das bisher in der Kette zwischen Trump über dessen zahlreiche Kontakte bis hin zum Kreml gefehlt hat. 

Eine direkte Verbindung zwischen Multi-Milliardär Deripaska, der nachweislich mit Manafort in Kontakt stand, und dem Kreml, in der Person von Prikhodko, scheint nun bewiesen.

Offen bleibt allerdings nach wie vor, inwiefern diese Gruppe auch im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 mitgemischt hat.

► Zum anderen steht auch Korruption im Raum: Nawalny wirft Vize-Premier  Prikhodko vor, er habe sich mit dem tagelangen Jacht-Ausflug in norwegischen Gewässern schmieren lassen.

Hinzu kommt, wie der Oppositionspolitiker ebenfalls im Detail ausführt: Prikhodko besitzt trotz seines begrenzten staatlichen Gehalts eine fast 1600 Quadratmeter große Villa bei Moskau und mehrere Eigentumswohnungen in der russischen Hauptstadt.  

4. Welche Reaktionen gibt es? 

Das Video von Nawalny wurde bisher fast drei Millionen mal angeschaut – obwohl es erst seit Donnerstag online ist. Und zumindest in Russland schlägt es derzeit hohe Wellen:

► Nach der Veröffentlichung von Nawalnys Video meldete sich Rybka als Erste zu Wort. Was auf der Jacht passiert sei, war “in Wahrheit eine Gruppenvergewaltigung”. Sie forderte Deripaska auf, sie zu heiraten, sonst würde sie ins Fernsehen gehen.

► Der Oligarch reagierte erbost. Auf Instagram erklärte er, dass er Nawalny aufgrund der “unwahren Behauptungen” verklagen wolle, “die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben”. 

► Zudem haben die russischen Behörden die Webseite mit der von Nawalny veröffentlichten Recherche und das dazugehörige Youtube-Video auf eine Liste von Seiten gesetzt, deren Informationen in Russland nicht verbreitet werden dürfen.

Die Webseiten-Betreiber haben nun drei Tage Zeit, das Material zu entfernen, bevor sie blockiert werden.

Mehr zum Thema: Die 5 wichtigsten Enthüllungen in der Russland-Affäre - und warum sie für Trump so gefährlich sind

Mit Material von dpa.

(sk)