LIFE
04/03/2019 14:16 CET

Dieser Mann kämpft dafür, dass der Mörder seines Sohnes freigelassen wird

Azim Khamisa setzt sich dafür ein, dass der Mörder seines Sohnes aus dem Gefängnis kommt.

Der Schmerz darüber, sein Kind zu verlieren, muss unvorstellbar groß sein. Vor allem, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn ermordet werden, kann sich dieser Schmerz schnell in Wut und Hass gegen den Täter wandeln – was auf den ersten Blick nachvollziehbar scheint. 

Azim Khamisa jedoch hat dem damals 14-jährigen Mörder seines Sohnes verziehen – denn er meint: “Die Opfer befinden sich an beiden Enden der Pistole.”

Auch der Mörder war “ein Opfer der amerikanischen Gesellschaft”

Azims Sohn Tariq wurde am 21. Januar 1995 vom Mitglied einer Jugendbande, Tony Hicks, erschossen. Der damals 20-jährige Tariq jobbte neben seinem Studium als Pizzalieferant, wurde eines Freitagabends jedoch zu einer falschen Adresse gelockt und dort von vier Jugendlichen umzingelt. Der Anführer der Gruppe, selbst gerade einmal 18 Jahre alt, wies Tony an, auf Tariq zu schießen. Nur wenige Minuten später starb der Student an der Schusswunde.

Kurz darauf erhielt Azim einen Anruf von der Mordkommission: Sei Sohn sei soeben erschossen worden. “Noch nie in meinem Leben habe ich so einen Schmerz gespürt”, sagt Azim im Gespräch mit der HuffPost (siehe Video oben). ”Es fühlte sich an, als wäre eine Atombombe in meinem Herzen explodiert.”

In seinem Schmerz jedoch hatte Azim eine wichtige Erkenntnis: Auch der jugendliche Tony sei ein Opfer – ein “Opfer der amerikanischen Gesellschaft”, wie Azim sagt.

Damit begann seine “Reise der Vergebung”, die ihn zu Tonys Großvater und schließlich zu Tony selbst führen sollte. 

Waffengewalt unter Kindern und Jugendlichen in den USA

► Jährlich sterben etwa vier von 100.000 Kindern in den USA aufgrund von Schussverletzungen.

► Damit ist Waffengewalt neben Verkehrsunfällen eine der Haupttodesursachen für unter 18-Jährige in Amerika.

► In Europäischen Ländern liegt die Todesrate durch Schusswaffen bei unter 18-Jährigen bei weniger als 1 pro 100.000. 

Dass Azim schon bald nach der schrecklichen Tat Tonys Großvater treffen wollte, hatte nichts mit Rachegedanken zu tun – das betont er im Gespräch mit der HuffPost: “Ich bin hier aus Mitgefühl und Vergebung.” Schließlich haben beide ein geliebtes Familienmitglied verloren.

Tonys Großvater nahm Azims Versöhnungsgeste dankbar an – um allerdings endgültig vergeben zu können, musste Azim auch Tony selbst treffen, der mittlerweile im Gefängnis saß. 

“Ich versuchte, in Tonys Augen einen Mörder zu finden”

Beim ersten Besuch, rund fünf Jahre nach der Tat, saßen Azim und Tony eineinhalb Stunden zusammen – dabei versuchte Azim, zu verstehen, wie Tony zum Täter werden, wie er einem anderen Menschen das Leben nehmen konnte: 

“Ich blickte in seine Augen, er in meine. Gefühlt dauerte dieser Moment eine Ewigkeit. Ich versuchte, in seinen Augen einen Mörder zu finden – doch konnte ich es nicht.”

Mittlerweile, Jahrzehnte später, verbindet Azim und Tony mehr als eine tiefe Freundschaft – Azim ist wie ein Vater für Tony geworden.  

Heute betreiben Azim und Tonys Großvater gemeinsam die Tariq Khamisa Foundation, bei der sie sich gegen Gewalt unter Kindern und Jugendlichen einsetzen. 

Gleichzeitig setzt sich Tariqs Familie für die Entlassung Tonys ein – scheinbar erfolgreich: Es wird erwartet, dass Tonys noch in diesem Jahr das Gefängnis auf Bewährung verlassen darf.

Seht die ganze Geschichte im Video oben.

Dieses Video erschien ursprünglich in der HuffPost US. Die Untertitel wurden übersetzt von Agatha Kremplewski.

(ll)