POLITIK
06/11/2018 23:18 CET | Aktualisiert 07/11/2018 14:02 CET

Dieser Amerikaner lebt in London – für die Midterms kam er zurück in die USA

“Ich bin sehr besorgt darüber, was in Amerika passiert."

Leonhard Landes
Will Lashley lebt in London – für die Midterms kam er in seine Heimat zurück. 

Nur wenige Anhänger der Demokraten rufen an diesem Abend lauter als Will Lashley.

Der 65-Jährige besucht zusammen mit Hunderten anderen am Montag die letzte Wahlkampfveranstaltung im Wahlbezirk von Richmond im US-Bundesstaat Virginia vor den Kongresswahlen. 

Immer wieder jubelt Lashley laut und hält sein Wahlkampfposter mit dem Namen der demokratischen Kandidatin Abigail Spanberger in die Höhe. 

Im Gegensatz zu den anderen Zuschauern musste Lashley nicht nur einige Minuten mit dem Auto zur Turnhalle der John R. Tucker Highschool fahren, um hier zu sein – sondern einen ganzen Ozean überqueren. Lashely stammt aus Virginia, seit 13 Jahren lebt der Filmproduzent jedoch in London. Für die Zwischenwahlen ist er zurückgekommen. 

► “Ich bin sehr besorgt darüber, was in Amerika passiert”, sagt Lashley der HuffPost nach der Veranstaltung. “Die Demokraten brauchen ein festes Fundament, um es mit Trump und dem Trumpismus aufzunehmen.”

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“Trump ist ein Albtraum” 

Was treibt einen 65-Jährigen dazu, mehrere Wochen seinem Zuhause fernzubleiben und Wahlkampf für eine Kandidatin zu machen, die er bis vor kurzer Zeit noch gar nicht kannte?

Bereits 2016 kam Lashley in seine Heimat zurück. Damals machte er Wahlkampf für Hillary Clinton. Die Wahl von Donald Trump nennt er “einen Albtraum” und fügt hinzu: “Seitdem wurde es nur schlimmer und schlimmer.”

Lashley hat vor rund einem Monat beschlossen, die junge Demokratin Spanberger zu unterstützen, sagt er. Er sei beeindruckt von ihrem Wahlkampf und den Sieg in den Vorwahlen gewesen. 

Die 39-jährige Spanberger tritt in einem Wahlbezirk an, in dem die Menschen bis auf wenige Ausnahmen stets Republikaner gewählt haben. Sollte sie den Bezirk gewinnen, wäre es ein Signal für die Demokraten, die politischen Verhältnisse in den USA auf den Kopf stellen zu können. 

Und laut Lashley muss sich dringend etwas ändern. Donald Trump sei ein Narzisst, sagt er. “Er interessiert sich nicht für Multilateralismus. Es scheint, als ob er will, dass unsere Verbündeten nicht mehr Großbritannien, Deutschland oder Japan sind. Sondern Saudi-Arabien und Russland.” 

Lashley sieht die Führungsrolle der USA bei multilateralen Absprachen in Gefahr. Das hat ihn dazu bewegt, in ein Flugzeug zu steigen, den Atlantik zu überqueren und hier in Virginia mit dem Auto Häuser von möglichen Wählern abzuklappern. 

Es geht um mehr als nur die USA, glaubt der Wahlhelfer

Lashley, ein groß gewachsener Mann in Weste und Hut, steht unter Spannung. Das merkt man im Gespräch mit ihm.

Für ihn sind die Zwischenwahlen ein erster Schritt, wollen die Demokraten wieder die Politik der USA vom Weißen Haus aus bestimmen. Aber für Lashley geht es noch um weit mehr. 

“Trump und der Trumpismus sind Teil eines globalen Phänomens”, sagt Lashley. Er zählt die Wahl des Rechtsextremisten Jair Bolsonaro in Brasilien auf oder den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der einen autokratischen Kurs verfolgt. 

Trump habe das Potential, zu einem autoritären Anführer zu werden, befürchtet Lashley. Daher steht er an diesem Abend in der Turnhalle einer Schule, tausende Kilometer von seiner neuen Heimat entfernt. 

(ben)