POLITIK
20/03/2018 22:36 CET | Aktualisiert 20/03/2018 22:38 CET

Diese Rede Erdogans zeigt, dass er in seinem Hass auf Kurden keine Grenzen kennt

Auf den Punkt gebracht.

Umit Bektas / Reuters

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan führt in Syrien einen blutigen Krieg gegen die Kurden. Jetzt hat er klargemacht, dass er ihn sogar noch ausweiten will. 

Die türkische Offensive im Nahen Osten auf den Punkt gebracht

Was Erdogan plant:

► Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Montagabend angekündigt, die Militäroffensive im Nahen Osten noch weiter auszuweiten, in Nordsyrien und sogar in der Sindschar-Region im Nordirak. In groben Zügen hatte Erdogan den Schritt bereits vor einer knappen Woche angekündigt.

► Seine Truppen und verbündete syrische Kräfte würden nun weiter nach Osten vorrücken, Richtung der Stadt Manbidsch, etwa 145 Kilometer östlich von Afrin, und den Gegenden östlich des Flusses Euphrat, wo auch die Stadt Kobane (arabisch Ain al-Arab) liegt. 

► Die Gebiete werden von syrisch-kurdischen Kräften gehalten, die von den USA unterstützt werden. Auch US-Truppen sind dort stationiert.

Warum Erdogan die Offensive so wichtig ist:

► Seit 1984 kämpft die PKK – eine kurdische Arbeiterpartei und nach EU-Sicht auch Terrororganisation – gegen die türkische Regierung, mit dem Ziel der Autonomie. Die türkische Regierung unterdrückt umgekehrt die Kurden im Land.

► Erdogan fürchtet, dass sich die Kurden im Südosten der Türkei, in Nordsyrien und im Nordirak zu einem Staat zusammenschließen könnten. Er will um jeden Preis verhindern, dass ein kurdischer Staat an der Grenze zur Türkei entsteht.

► Im Juli 2015 griff die türkische Armee erstmals in großem Stil in den Syrien-Krieg ein und beschoss unter anderem ein Hauptquartier der PKK im Nordirak. Viele weitere Angriffe auf die kurdischen YPG-Milizen folgten seitdem.

► Die PKK erklärte daher im Juli 2015 den seit 2013 bestehenden Waffenstillstand mit der Türkei für beendet. Auch Erdogan erklärte den Friedensprozess für gescheitert. 

► Im August 2016 rückte die Türkei auch mit Bodentruppen nach Nordsyrien vor, um dort gegen Kurden zu kämpfen.

Am 20. Januar 2018 startete Erdogan eine große Bodenoffensive gegen Kurden in Syrien, im Visier stand die Stadt Afrin, die türkische Truppen am Sonntag eingenommen haben.

bpb
Die Kurdengebiete im Nahen Osten

Welche Risiken die Offensive birgt:

Für die Bevölkerung ist die türkische Offensive auf Afrin fatal. Zehntausende wurden nach UN-Angaben vertrieben. Am Freitag sollen türkische Truppen auch ein Krankenhaus getroffen haben, die Türkei dementierte. Dazu kommen zahlreiche Berichte von Plünderungen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass die Türkei bei ihrem weiteren Vordringen humaner agiert.

► Erdogans Pläne befeuern zudem die Spannungen mit den USA. Nicht nur, weil im Gebiet, das er zu erobern plant, US-Truppen stationiert sind. Sondern auch, weil die YPG-Truppen die wichtigsten Verbündeten der von den USA geführten Koalition gegen die Terrormiliz IS sind. Er warf den USA am Dienstag erneut Zusammenarbeit mit einer “Terrororganisation” vor.

► Erdogan bringt damit auch die Nato in eine noch verzwicktere Lage – schließlich sind sowohl die USA als auch die Türkei Mitglieder des Militärbündnisses.

► Nicht ganz klar ist, wie die irakische Regierung reagieren wird. Vor etwa zwei Wochen hatte die Türkei noch eine gemeinsame Militäroffensive gegen militante Kurden erwogen. In seiner neuen Rede klang Erdogan allerdings barscher. Er sagte, seine Truppen würden die kurdischen Milizen aus der Sindschar-Region vertreiben, wenn sich die irakische Regierung weigere.

► Die türkische Offensive hat auch jetzt schon Aufruhr unter Kurden im Ausland ausgelöst. In Deutschland protestierten am Wochenende mehr als 10.000 Kurden. Das Bundesinnenministerium führt eine Welle von Angriffen auf türkische Einrichtungen – bislang wohl ohne Beweise – auf kurdische Aktivisten zurück. Die Proteste dürften sich nun eher verstärkten als abschwächen.

Erdogans Pläne auf den Punkt gebracht:

Erdogan will die Kurden mit allen Mitteln bekämpfen. Humanitäre Grenzen, das haben die vergangenen Monate gezeigt, erkennt er genauso wenig an wie Landesgrenzen. Das sagt er ganz offen.

Mit Material von dpa und AP. 

(mf)