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12/02/2019 11:55 CET

Diese Menschen leben zwischen meterhohen Müllbergen – wir haben sie besucht

"Hier kommen die Ratten", sagen Menschen in Jakarta, wenn sie kommen, um im Müll zu stöbern.

Elisabetta Zavoli
In Indonesien gibt es keine Infrastruktur für Recycling.

Als Sairoh die ersten Wehen bekam, ließ sie schnell die Hebamme rufen.

Sairoh, die wie viele Indonesier nur einen Namen trägt, war 18, und es war ihr erstes Baby. Während sie auf Hilfe wartete, verscheuchte sie herumschwirrende Fliegen und dachte darüber nach, wie sich die Lungen ihres Babys bald mit dem Gestank der Mülldeponie füllen würden, die ihr Haus umgibt.

Eines der ersten Geräusche, das ihr Säugling zu Ohren bekommt, würde das Grollen von Muldenkippern sein, die an ihrer Hütte vorbeifahren. Die ersten Schritte würde ihr Baby auf schlammigem Grund machen, der mit silbern glitzernden Plastikverpackungen übersäht ist.

Schließlich kam die Hebamme mit ihrer einfachen medizinischen Ausrüstung, ihrem Können und ihrer Erfahrung, die Ruhe ausstrahlt. Alles war in Ordnung, solange sie da war.

Das Baby war ein Junge. Sie nannten ihn Reza. “Die Geburt ging schnell“, erinnert sich die Hebamme.

Der Müll stapelt sich 24 Meter hoch

Reza ist jetzt 9 Jahre alt. Jeden Morgen geht er in eine Schule am Rande der Deponie, während seine Mutter und sein Vater vor ihrer Hütte hocken und schmutzige Kunststoffe sortieren. Aufgelesen von Nachbarn, die mit überdimensional großen Körbe auf dem Rücken 24 Meter hohen, zusammengestampften Müll neben dem Slum erklimmen.

Müllsucher, die über die Deponie wandern, verbringen ihre Tage in tropischer Hitze und durchkämmen Glasscherben, medizinische Abfälle, verrottendes Essen und verblichene Plastiktüten. Sie suchen nach Verwertbarem, Rohstoffen und Wertstoffen, die sie gegen Bargeld eintauschen können.

Wenn die Hebamme nicht gerade Babys zur Welt bringt, kann man auch sie sehen, wie sie Plastik auf dem Müllplatz sammelt oder ihre Funde vor ihrem Haus im Nachbarslum sortiert.

Elisabetta Zavoli
Der 9-jährige Reza lebt mit seiner Familie auf der Mülldeponie.

Ein Leben auf der Mülldeponie

Das ist das Leben in Bantar Gebang, einer der größten Mülldeponien in Asien und Hauptdeponie der Megacity Jakarta. Einheimische nennen diesen Ort “den Berg“.

Seit der Eröffnung in den späten 1980er-Jahren kommen Migranten zur Mülldeponie, um zu arbeiten. Sie verkleinern die Müllmenge nur geringfügig. Heute stehen ihre Ansiedlungen eng gedrängt an die Berge von Müll, der die Straßen füllt und Innenhöfe verschlingt.

Indonesien befindet sich in einer Müllkrise. Das Land produziert schneller, als es entsorgen kann – und je mehr Müll nach Bantar Gebang transportiert wird, desto länger werden diese Deponiesiedlungen mit Läden, Imbissbuden und dem Bedarf an medizinischer Hilfe wie Geburtshilfe Bestand haben.

Die meisten Familien verdienen ihren Lebensunterhalt mit Müll

Wie viele schwangere Frauen hier leben, ist unbekannt. Ebenso, wie viele Kinder in diese Welt des Verfalls hineingeboren werden. Aber da sich die Krise in Indonesien verschlimmert, sind die Menschen offensichtlich hier, um zu bleiben.

Nicht weniger als 3000 Familien leben auf dem Gelände der 32 Hektar großen Müllhalde und am Rande ihrer Abfallberge. Viele von ihnen verdienen ihren Lebensunterhalt mit den 7000 Tonnen Müll, die täglich ein schier endloser Strom von Lastwagen entlädt, der aus der Stadt kommt.

Auf eine Deponie zu steigen – geschweige denn dort zu leben – und Wertstoffe aufzusammeln ist nicht wirklich legal. Aber in Indonesien ist es gängige Praxis. Die Behörden schauen weg.

Müllsammler leisten zermürbende, schmutzige, gefährliche Arbeit. Sie schließen ein klaffendes Loch im Müllentsorgungssystem des Landes, das chronisch schlecht verwaltet wird. In Jakarta, der Heimat von 10 Millionen Menschen, kommt die städtische Müllabfuhr unregelmäßig – wenn es gut läuft.

Recycling gibt es praktisch nicht.

In Indonesien wird die eine Hälfte der Kunststoffabfälle mit dem übrigen Abfall vermischt, während die andere Hälfte verbrannt oder in Flüssen entsorgt wird. Das Land ist eine der weltweit größten Quellen für die Verschmutzung durch Plastik.

Es geht nicht um die Umwelt – sondern ums Überleben

Vor diesem Hintergrund sortieren und transportieren mehrere Millionen Menschen in Indonesien inoffiziell Müll, schätzt Novrizal Tahar, Leiter der staatlichen Abfallwirtschaft.

Sie gehen von Haus zu Haus, um nach Wertstoffen zu fragen oder Brauchbares aus Mülltonnen, von Wegrändern und Deponien wie Bantar Gebang aufzusammeln und ihre Funde dann an Zwischenhändler und Recyclinganlagen zu verkaufen.

Das ist wenig effizient. Aber es geht ihnen nicht um Effizienz: Sie wollen sich selbst ernähren oder die Ausbildung ihrer Kinder finanzieren, nicht die Umwelt säubern oder das Müllproblem der Regierung lösen.

Kinder fliegen Drachen aus Müll

Diese Art von Arbeit gibt es nicht nur in Indonesien. Müllsammler sind auf der ganzen Welt zu finden, von Schanghai bis New York, von Nairobi bis Paris. Deponie-Slums, in denen Abfall als Wirtschaftsgrundlage dient, sind etwa in Indien, Äthiopien und Brasilien dokumentiert, um nur ein paar Länder zu nennen.

Im Jahr 2016 produzierte die Welt mehr als zwei Milliarden Tonnen Müll. Nach einem Bericht der Weltbank, der im September veröffentlicht wurde, werden 70 Prozent der Abfallberge bis zum Jahr 2050 extrem wachsen. Jakarta hat bereits ein unkontrolliertes Abfallproblem, und Bantar Gebang wird binnen zehn Jahren voll sein. Während sich die Lage verschärft, nimmt die Zahl der Müllsammler wahrscheinlich zu.

Die Hebamme von Reza hat seit ihrem Umzug vor 13 Jahren bei etwa 300 Geburten in Bantar Gebang geholfen.

“Die erste Frau, der ich beistand, konnte nicht einmal laufen. Aber, inshallah [So Gott will], sie hatte eine normale Geburt“, sagt die Frau, 55, die Mak Muji genannt wird. Das bedeutet “Mutter von Muji“ (so heißt ihre älteste Tochter).

Schwangere trauen sich nicht zur medizinischen Versorgung aus der Deponie

Schwanger zu sein geht in Bantar Gebang mit wenig gesundheitlicher Versorgung und enormen sozialen Stigmata einher. Viele der hier lebenden Frauen haben keine Geburtsurkunde oder andere offizielle Dokumente, das beschränkt den Zugang zu Sozialleistungen.

Ehemänner verbieten ihren schwangeren Frauen teils, die Deponie zu verlassen, um ein öffentliches Krankenhaus zu besuchen. Sie fürchten, dass sie von anderen Männern angegafft werden.

Manche Frauen wollen ihren Insel-Slum vielleicht auch gar nicht verlassen, das rasante Treiben der Stadt oder die Verachtung von Außenstehenden fürchtend, die den Müllgeruch bemerken.

Außerdem kann die Geburt im Krankenhaus rund 100 Dollar (umgerechnet rund 88 Euro) kosten – die Hälfte des Monatslohns eines Müllsammlers in Bantar Gebang.

“Die Frauen hier gehen nicht ins Krankenhaus, weil sie kein Geld haben“, sagt Mak Muji. “Manchmal sind Hebammen im Krankenhaus wenig nachsichtig mit Menschen wie uns. Ihre Fragen können uns in Verlegenheit bringen.“

Elisabetta Zavoli
Etwa 300 Kinder hat Hebamme Mak Muji auf der Deponie schon zur Welt gebracht.

Mak Muji ist ein Rettungsanker, die einzige Hebamme in den Slums von Bantar Gebang, die ihre Dienste kostenlos anbietet. Nur wenige verstehen die Bedürfnisse der Frauen hier, wie sie es tut, eine verheiratete Mutter mit fünf Kindern, die ihre Familie mit Müllsammeln unterstützt.

Die Hebamme und ihr Mann, ein Schreiner, kamen von einer anderen indonesischen Insel hierher, nachdem er bei einem Unfall verletzt wurde und seine Arbeit verloren hatte. Die Familie hat mitbekommen, wie die Deponiedörfer um sie herum im Laufe der Zeit wuchsen.

In der Nähe ihres Hauses gibt es eine Moschee, die gut instand gehalten ist, und einen Spielplatz mit Spielzeug von der Deponie. Kinder fliegen Drachen aus Müll in der Nähe eines Kiosks am Straßenrand, der frische Seife, Coca-Cola, halb geschmolzene Schokoladenriegel und Küchenartikel verkauft.

Überall schwirren Fliegen

Mak Mujis Blockhaus aus Schlacke hebt sich von den Nachbarhütten aus Bambus, geflochtenen Pflanzenfasern und Kunststoffen ab, die mit Wellblech oder wasserdichten Gegenständen von der Müllhalde bedeckt sind, damit sie vor dem Monsunregen schützen.

Sie und ihr Mann arbeiteten mehr als ein Jahrzehnt auf der Müllhalde, bevor sie ihr robustes Haus bauen konnten, in dem Mak Muji ihre provisorische Geburtshilfeklinik eingerichtet hat. 

Im Hof vor ihrem Haus, nur wenige Minuten von der Deponie entfernt, haben sie und ihr Mann gut sortiertes Plastik säckeweise gestapelt, um es zu verkaufen. Magere Hühner stehen auf den Taschen oder kratzen am Boden nach Küchenabfällen. Überall schwirren Fliegen.  

“Ich kann 12 Arten von Kunststoffen allein durch Berührung unterscheiden“, sagt sie und zeigt ihre Handflächen, schmutzig von der Tagesarbeit.

Die Klinik in ihrem Haus ist nichts anderes als eine Ecke in einem großen Raum, der durch einen Holzschrank unterteilt wird. Abends sitzen sie und ihr Mann auf der einen Seite des Schranks und sehen beim Abendessen fern.

Die Menschen sind kaum gebildet und haben nur wenige Fähigkeiten, für ein Leben in der Stadt

Auf der anderen Seite liegt eine Matratze auf dem Boden, auf der Mak Muji ihre Patientinnen untersucht. Sie kommen fast jeden Tag zu ihr für Rat, Trost oder Bauchmassagen.

Die meisten der von Mak Muji für die Geburt verwendeten Geräte passen in einen Schuhkarton: Schere und Garn, sterile Gaze und Alkohol, Massageöl und Shampoo zur Reinigung der Säuglinge, Talkum zum Pudern der Haut vor dem Wickeln. Außerdem gibt es eine Waage zum Wiegen der Babys.

Elisabetta Zavoli

Die Hebamme redet den Eltern ins Gewissen, ihre Neugeborenen bei der Regierung anzumelden und zur Schule zu schicken, damit sie der Deponie entkommen können. Die Gemeinschaft vertraut ihr, schätzt ihren Rat.

Aber wie so viele Frauen, die hier eine Familie gründen, ist Mak Muji praktisch gefangen.

Die Menschen, die im Schatten von Bantar Gebang leben, kommen vom Land. Sie sind kaum gebildet und haben nur wenige Fähigkeiten, die sie für das Leben in der Stadt brauchen können. Mak Muji sagt, dass es bei ihr nicht anders sei – sie gibt zu, nicht zur Hebamme ausgebildet worden zu sein.

“Es ist ein Geschenk Gottes an meine Großmutter“, sagt sie. „Ich habe dieses Talent von ihr geerbt.“

Die Menschen sind gefangen

Ein Ort wie Bantar Gebang verspricht Geringqualifizierten schnelles Geld. Wenngleich Indonesien wohlhabender wird – es zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt –, klaffen riesige Unterschiede beim Einkommen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Ungleichheit noch schneller gestiegen als in den meisten Nachbarländern.

Mehr als 28 Millionen Indonesier, fast 10 Prozent der Bevölkerung, leben nach Angaben der Weltbank in Armut. Die Resteverwerter von Bantar Gebang können etwa so viel verdienen, wie sie es bei einem Niedriglohnjob in Jakarta würden.

“Ich bin dankbar und glücklich, weil ich arbeiten kann“, betont Mak Muji.

Ein einzelner Haushalt in Bantar Gebang sammelt nach einer 2014 veröffentlichten Studie mehr als 90 Kilo Müll pro Tag. Die körperliche Belastung dieser Arbeit ist enorm. Ständig passieren Verletzungen, sagt Heru Prasadja, Sozialwissenschaftler an der Atma Jaya Catholic University of Indonesia in Jakarta. Er hat eine Studie über die Lebensbedingungen auf der Deponie mitverfasst.

Das Leben auf der Deponie ist gefährlich

Einige der Abfallberge sind nicht stabil – ein falscher Schritt kann dazu führen, dass die Seite eines Hügels einstürzt und die Arbeiter mit sich reißt.

Unsichtbare Gefahren lauern auch unter der Erde. Die Deponie hat das Grundwasser vergiftet, wie Prasadjas Forschung ergab. Die Müllsammler reinigen zwar ihr Trink- und Kochwasser, zum Waschen von Lebensmitteln und zum Baden nutzen sie allerdings das verschmutzte Wasser.

Menschen essen Pilze und Gemüse, das bei Bantar Gebang angebaut wird. Man kann auch sehen, wie die Bewohner in stinkenden Wasserlachen in der Nähe des Geländes fischen.

Prasadja zufolge leiden viele Kinder, die auf der Müllhalde leben, an Hautausschlägen, Atemwegserkrankungen und Durchfall.

Elisabetta Zavoli
Von der Außenwelt werden die Müllsammler oft abgestempelt.

“Hier kommen die Ratten”

Bantar Gebang sollte ursprünglich anders aussehen. Der Abfall sollte sauber geschichtet und mit Erde bedeckt werden. Stattdessen ist er meist unbedeckt und uneben. Täglich kommt fast doppelt so viel Müll dazu wie vorgesehen, und das laufende Budget wird nie eingehalten.

Bisher hat die indonesische Regierung es nicht geschafft, langfristige Alternativen zur Bewältigung ihrer Abfallprobleme umzusetzen. Schlimmer noch, sie erlaubt damit indirekt den Menschen, die Mülldeponien zu durchsuchen, ohne sich um ausreichenden Schutz für sie zu kümmern.

Die Arbeit von Müllsammlern ist in keiner Weise reguliert, sagt Annisa Paramita, Leiterin der Kommunikation bei Waste4Change, einem Recyclingunternehmen mit Sitz in Jakarta. “Sie zahlen keine Steuern und erhalten keine Sozialbeiträge, sie haben keinerlei wirtschaftliche oder gesundheitliche Sicherheit“, fügt sie hinzu.

Beamte mögen sie öffentlich loben – Novrizal Tahar nennt sie “Helden“ – aber sie stehen in der sozialen Ordnung auf einer der niedrigsten Stufen. ”‘Hier kommen die Ratten‘, sagen Menschen in Jakarta, wenn sie kommen, um im Müll zu stöbern“, erläutert Prasadja.

Forscher schätzen, dass trotz der Arbeit von Müllsammlern jährlich tausende Tonnen Plastikmüll aus Indonesien in den Ozean fließen. Nur China schwemmt mehr Plastik in die Ökosysteme der Meere.

Im April hatte der indonesische Präsident die Armee angewiesen, riesige Mengen Plastikabfälle zu zerstören, die einen Fluss in Bandung, einer der größten Städte des Landes, verstopften. Die BBC nannte die Anstrengung eine “offenbar sinnlose Aufgabe, weil immer mehr Plastik von weiter stromaufwärts nachfloss.“

Viele Nahrungsmittel in Indonesien sind immer noch in traditionelle biologisch abbaubare Materialien wie Bananenblätter verpackt. Sie werden normalerweise in einen Graben oder Fluss geworfen, wo Regen sie aufweicht und wegspült. Immer häufiger aber wird Plastik verwendet, und alte Gewohnheiten sterben langsam.

Weggeworfene Plastikverpackungen, die jahrelang herumliegen können, bevor sie abgebaut sind, türmen sich auf und verstopfen Wasserstraßen oder vermüllen Strände.

Allmählich arbeitet die Regierung daran, das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen und anderes Verhalten zu fördern. Da das Land hat zugesichert, seinen Meeres-Plastikmüll bis 2025 um 70 Prozent zu reduzieren, soll nun das Recycling verbessert und Städte und Menschen dazu gebracht werden, Müll zu trennen.

Die jüngsten Bemühungen zur Eindämmung der Umweltverschmutzung sind jedoch unzureichend. So ist etwa der Plan der Regierung, eine Steuer auf Plastiktüten erheben, Anfang dieses Jahres ins Stocken geraten.

Es braucht ein geordnetes Recycling-System

Jakarta hat kürzlich kleine, lokale Recyclingzentren gegründet, Abfallbänke genannt, zu denen die Leute Papier, Plastik, Flaschen und Metall bringen können und im Gegenzug ein bisschen Geld erhalten.

Allerdings funktionieren nur 30 der 200 Abfallbänke der Stadt. Grund seien Personalmangel und zu wenig Maschinen, die Kunststoffe schreddern oder zerstampfen, sagt Paramita.

Die Regierung plant auch den Bau von Müllheizkraftwerken, die einen Teil des Abfalls von Bantar Gebang in Strom umwandeln sollen. Der Baubeginn ist noch für dieses Jahr geplant. In Bantar Gebang gibt es bereits eine kleine Pilotfabrik, deren Wirkung auf die tägliche Menge an Müll jedoch kaum zu spüren ist.

Manche Experten sagen, dass die Regierung die Netzwerke unregistrierter Müllsammler ins offizielle Abfallssystem integrieren und mit den vorhandenen Arbeitskräften arbeiten solle, bevor sie nach anderen Lösungen sucht.  

“Anstatt neue Deponien oder Recyclingzentren zu bauen, sollte man das Vorhandene aufwerten“, sagte Paramita. “Ohne ein geordnetes System dahinter funktioniert die Infrastruktur nicht.“

Nach ihrer Einschätzung wird es lange dauern, bis die Würde der Müllsammler wiederhergestellt ist, auch wenn die Regierung den Müllsammlern Gesundheitsleistungen und einen sauberen, sicheren Arbeitsplatz anbieten sollte.

Das Wichtigste ist Wissen

Brasilien hat die Abfallsammler bereits auf nationaler Ebene in den Dienst aufgenommen, und auch in Kolumbien und auf den Philippinen werden nach Angaben der Weltbank lokal entsprechende Anstrengungen unternommen.

Bis das in Indonesien passiert, wird das Leben in Bantar Gebang so weitergehen wie bisher.

Mak Mujis Ehemann erweitert das Haus mit Hilfe eines der Söhne um ein zweites Stockwerk. Er möchte, dass seine Frau ein größeres, helleres Areal hat, um Gebärenden zu helfen.

Elisabetta Zavoli
Ob dieses Kind es besser haben wird als seine Eltern?

Maj Muji ist stolz auf ihre Rolle in der Gemeinde und sagt, ihr Ziel sei es gewesen, ihren Kindern bessere Möglichkeiten zu bieten. Zwei von ihnen konnte sie mit ihrem Müllsammel-Einkommen aufs College schicken. Das ist einzigartig in Bantar Gebang. Vielen Müllsammlern erscheint Bildung als Geldverschwendung. Aber Mak Muji glaubt, dass es der einzige Ausweg aus diesem Leben ist.

“Ich hoffe, dass meine Kinder verstehen, wie wichtig es ist, zur Schule zu gehen und im Studium beharrlich zu bleiben“, sagte sie. “Ich kann ihnen kein materielles Erbe geben, aber das Wichtigste ist Wissen.“

Manchmal kommt Mak Muji vorbei, um nach Sairoh und ihrer Familie zu sehen. Sie sagt der jungen Mutter, dass der 9-jährige Reza weiter zur Schule gehen soll. Er ist ein begabter Schüler und möchte Arzt werden.

“Halten Sie ihn von der Mülldeponie fern”, warnt Mak Muji Sairoh, die selbst die weiterführende Schule abgebrochen hat, um den Jungen großzuziehen.

Während sich die Hebamme weiterhin in den Slums um die Deponie abrackert, sieht sie, wie immer mehr Familien Wurzeln schlagen. Überall in Bantar Gebang entstehen Ziegel- und Betonhäuser.

Einer von Mak Mujis Nachbarn hat auf seinem winzigen Grundstück einen Bonsaibaum gepflanzt; er sagt, die Arbeit in seinem Garten gebe ihm Frieden. Andere Nachbarn schmücken ihre Türen mit Singvogelkäfigen.

Manche der Müllsammler träumen davon, zu gehen; andere ziehen es vor, in vertrauter Gegend zu bleiben. Im Moment nennen sie alle diesen Ort ihr Zuhause.

Diese Recherche wurde von SC Johnson gesponsert. Der Inhalt ist redaktionell unabhängig, das Unternehmens hat keinerlei Einfluss genommen.

Dieser Test ist zuerst bei der HuffPost UK erschienen und wurde von Sandra Tjong aus dem Englischen übersetzt.