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08/12/2018 16:59 CET | Aktualisiert 10/12/2018 11:07 CET

Diese 8 Menschen haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für Frieden in ihrer Heimat zu kämpfen

Ende 2017 waren laut UNHCR 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Konflikt und Verfolgung. So viele wie niemals zuvor.

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Syrien, Somalia, Nepal, Mazedonien, Nigeria, Syrien. Die Liste ist endlos. Im Jahr 2017 herrschten 405 Kriege und Konflikte auf der Welt.

► Länder bekriegen sich, ethnische Gruppen massakrieren sich, Frauen werden unterdrückt.

► Ende 2017 waren laut UNHCR 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Konflikt und Verfolgung. So viele wie niemals zuvor.

► In mindestens drei von fünf Ländern auf der Welt werden Menschen gefoltert oder anderweitig misshandelt.

Um Hass, Gewalt und Krieg auf der Welt zu stoppen, braucht es Menschen, die dafür kämpfen.

Wir haben mit Friedensmachern aus aller Welt gesprochen, die es sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben für ein besseres Leben in ihrer Heimat und für ihre Mitmenschen zu kämpfen.

Hier sind ihre Geschichten.

Muhammad Ashafa und James Wuye, Nigeria

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Muhammad Ashafa und James Wuye

Imam Ashafa und Pastor Wuye, einst Führer bewaffneter Gruppen, vermitteln zwischen Christen und Muslimen in Nigeria, wo es immer wieder zu Massakern kommt.

In ihrem interreligiösen Zentrum arbeiten 14 Pastor-Imam-Teams und bauen Frühwarnsysteme gegen religiös motivierte Gewalt auf, vermitteln bei Konflikten und schulen religiöse Führer in gewaltfreier Konfliktlösung. Die beiden sagen:

“Wir müssen den Menschen ihre negativen Erinnerungen nehmen, sie dürfen sie nicht mit in die Zukunft nehmen. Wir glauben, Hass und Gewalt lassen sich überwinden, wenn wir Menschen dazu inspirieren, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn Jobs geschaffen werden und junge Menschen gerne in ihrer Heimat bleiben wollen.”

Die Korruption müsse aufhören, denn sie führe zum Raub von Ressourcen, zu Armut und Tod. Und die Europäer müssten aufhören, Waffen nach Nigeria zu liefern.

Imam Ashafa und Pastor Wuye sind der Ansicht, dass gemeinsamer Glaube, auch wenn man unterschiedlichen Religionen angehört, helfen kann, Hass und Gewalt zu stoppen.

“Und in Zukunft wird es das Wichtigste sein, ökologische Katastrophen zu verhindern bzw. zu stoppen. Wenn es keine Ressourcen mehr, keine Energie mehr gibt, endet das mit Krieg und Flucht.”

Ahmad Edilbi, Syrien

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Ahmad Edilbi

Ahmad Edilbi hat das “Dubarah Network” gegründet. Das Netzwerk verbindet Syrer auf der ganzen Welt, die ihre Heimat verlassen mussten und jetzt als Geflüchtete in einem anderen Land leben.

Im Frühjahr 2011 entwickelte sich aus Demonstrationen gegen die Regierung in Syrien ein Bürgerkrieg. Bislang hat der bewaffnete Konflikt Schätzungen zufolge mehr als 465.000 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 5 Millionen Syrer sind aus ihrer Heimat geflohen, 6,3 Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. 

Die Organisation hilft den Geflüchteten, in einem neuen Land anzukommen und Fuß zu fassen. Inzwischen ist das Netzwerk in 15 Ländern aktiv, hat 180.000 ehrenamtliche Mitarbeiter und seit der Gründung im Jahr 2013 mehr als 3 Millionen syrischen Flüchtlingen geholfen.

Auf der Website des Netzwerks gibt es Informationen über Arbeitsplätze, das Bildungssystem und Hilfen und Antworten auf Alltagsfragen für die verschiedensten Länder.

Edilbi sagt:

“Ich glaube, jeder von uns hat etwas, das er anderen geben kann. Und wir müssen einen Dialog zwischen allen Syrern schaffen, um gegenseitiges Verständnis zu bilden und gemeinsam zu helfen, die größten Probleme in Syrien zu lösen.”

Halima Adan, Somalia

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Halima Adan

Halima Adan ist Projektmanagerin von “Save Somali Women and Children” in Somalia. Die NGO wurde gegründet, um Frauen dabei zu helfen, aus der Spirale von Ausgrenzung, Gewalt und Armut auszubrechen und auf eigenen Beinen zu stehen.

Dazu zählt auch Adans Arbeit als Vorsitzender einer somalischen Arbeitsgruppe zum Thema geschlechterspezifische Gewalt.

Die Arbeitsgruppe hilft betroffenen Frauen, bessere Strukturen im Land zu schaffen, die Frauen schützen und in Notfällen unterstützen. 

In Somalia existierte nach dem Sturz der autoritären Regierung unter Siad Barre 1991 über 20 Jahre lang keine funktionierende Zentralregierung. Es herrschte jahrzehntelang Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land. Auf dem Staatsgebiet haben sich einige De-facto-Regimes gebildet. Seit 2012 ist eine neue Verfassung in Kraft, die die autonomen Teilstaaten als Mitglieder der neuen Bundesrepublik Somalia anerkennt.

Adan glaubt, dass es in Somalia noch mehr Friedens- und Entwicklungszentren für Frauen und Jugendliche und einen besseren Zugang zu Bildung für Frauen brauche. Die Rolle von Frauen sei wichtig, um zwischen verfeindeten Clans in Somalia Dialog und Versöhnung zu ermöglichen.

Auf die Frage, was ihrer Meinung nach das Wichtigste ist, um Hass und Gewalt in ihrer Heimat zu überwinden, sagt sie:

“Wir müssen Recht und Ordnung in unserem Land wiederherstellen, Armut bekämpfen, Gewalt gegen Frauen bekämpfen, Bildung fördern und vor allem müssen wir die Gesellschaft dafür sensibilisieren, auf religiöse Führer zu hören. Sie sind ein Symbol für den Frieden.”

Die Entwicklung von Clans müsse durchbrochen werden und sie glaubt, dass die Menschen von Medien und Radiosendern besser informiert werden müssen.

Boris Somé, Burkina Faso

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Boris Somé

Boris Somé arbeitet in Burkina Faso das West Africa Network for Peacebuilding, die führende regionale zivilgesellschaftliche Organisation für Friedenssicherung. Sie wurde 1998 als Reaktion auf die Bürgerkriege und humanitären Krisen in Westafrika offiziell ins Leben gerufen.

Burkina Faso ist seit 1960 unabhängig. Seitdem ist das westafrikanische Land politisch instabil. Die Hälfte der Bevölkerung zählt zur politisch dominierenden Ethnie der Mossi, aber es gibt zahlreiche weitere ethnische Gruppierungen. Im Land werden rund 60 verschiedenen Sprachen gesprochen. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, immer wieder leidet die Bevölkerung unter Dürreperioden. 

“Seit dem Volksaufstand im Oktober 2014, der zum Sturz von Präsident Blaise Compaoré geführt hat, hat Burkina Faso sein Image als Oase des Friedens in Westafrika verloren”, sagt Somé.

Das soziale Gefüge sei angeschlagen – und das nutzen extremistische Gruppen aus. Das Sicherheitsgefühl ist verloren gegangen, staatliche Autorität wird nicht länger respektiert. 

Er sagt:

“Aus der Sicht meiner Organisation ist es das Wichtigste, Gemeinschaften darin zu schulen, Frühwarnsysteme aufzubauen. Sie helfen, Extremismus vorzubeugen. Vor allem Frauen und junge Menschen, aber auch religiöse Führer wollen wir in Dialog und Vermittlung schulen. Außerdem wollen wir Gewaltprävention in Schulen fördern.”

Bal Kumari Gurung, Nepal

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Bal Kumari Gurung

Bal Kumari Gurung kämpft seit über 20 Jahren für ein friedlicheres Nepal. Als führende Friedensmacherin der “United Mission to Nepal” arbeitet sie mit armen, diskriminierten, gespaltenen Gemeinschaften zusammen und will Frieden und soziale Harmonie zwischen den Menschen schaffen.

Nepal ist ein von internen Konflikten und Ungerechtigkeiten zerrissenes und gespaltenes Land. In dem südasiatischen Binnenstadt leben Menschen 100 verschiedener ethnische Gruppen und Kasten, es werden 124 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen.

Gurung sagt, der Friedensprozess laufe grundsätzlich erfolgreich. “Aber ist gibt noch immer tief gesellschaftlich verwurzelte Gewalt, die wir bekämpfen müssen. Unsere Gesellschaft ist durch Klasse, Kaste, Religion, Politik und Macht geteilt.”

Sie glaubt, der einzige Weg, um Hass zu überwinden, seien Respekt und Akzeptanz füreinander.

“Die Menschen müssen verstehen, dass wir, auch wenn wir unterschiedlich sind, in Harmonie miteinander leben können.”

Goce Todoroski, Mazedonien

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Goce Todoroski

Der Mazedonier Goce Todoroski ist Leiter des “Zentrums für zivilgesellschaftliche Initiative“. Das Zentrum engagiert sich gegen innerethnische Konflikte in Mazedonien.

In Mazedonien gibt es zahlreiche multiethnische Konflikte. Die Balkanhalbinsel war ab 1946 offiziell südlichste Teilrepublik des sozialistischen Jugoslawien und rief 1991 seine Unabhängigkeit aus. Mazedonien zählt zu den schwächsten Volkswirtschaften und Europas, die Arbeitslosenzahlen sind hoch, die Infrastruktur ist schwach, Investitionen fehlen und das Land ist ethnisch stark gemischt. All das führt immer wieder zu ethnisch motivierten Konflikten, vor allem zwischen Mazedoniern und Albanern.

Todorskis Arbeit zielt besonders auf Konflikte zwischen Jugendlichen an weiterführenden Schulen ab. Dort gibt es viele Konflikte, manchmal äußert sich das darin, dass sich Jugendliche weigern mit Angehörigen anderer Ethnien auch nur zu sprechen, manchmal gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen. 

Für den Friedensstifter und seine Kollegen sind Dialog und geleitete Diskussion der beste Weg, damit die Jugendlichen lernen, die Gegenseite zu verstehen. Auch Lehrer werden in Konfliktlösung geschult.

Todorsoki sagt:

“Die Methode sollte an jeder Schule eingeführt werden, um Konflikte zu lösen – nicht nur ethnische, sondern alle möglichen Arten von Auseinandersetzungen. Um Hass und Gewalt in meiner Heimat zu überwinden, ist es am wichtigsten, dass die Jugendlichen der verschiedenen Ethnien, die es in unserem Land gibt, einander kennenlernen, zum Beispiel über gemeinsame Aktivitäten. Auch sollten die Medien weniger hasserfüllte Sprache in ihren Berichten verwenden, um Konflikte nicht anzustacheln.”

Mary Montague, Nordirland

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Mary Montague

Mary Montague ist Nordirin und arbeitet seit über 40 Jahren in Belfast für ein Konfliktlösungszentrum. 

Seit den 1960er Jahre herrschte ein Identitäts- und Machtkampf zwischen den Bevölkerungsgruppen der Republik Irland und Nordirlands. Im November 1985 haben die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der irische Ministerpräsident Garret FizzGerald ein Friedensabkommen unterzeichnet. Doch die Konflikte waren damit nicht beendet. Bis 1994 schwelten paramilitärische Auseinandersetzungen und auch heute noch sind die politischen und sozialen Einstellungen vieler Menschen durch den Konflikt geprägt. 

Friedensstifterin Montague wünscht sich eine bessere politische Führung und vor allem ein Ende der stark polarisierten Ansichten in der Region. Es dürfe durch den Brexit nicht wieder einer harten Grenze zwischen Nord- und Südirland kommen.

Aber sie sieht, dass ihre Arbeit Früchte trägt. “Ich merke wie sich durch meine Arbeit reduziert und die Beziehungen zwischen Menschen zu heilen beginnen.”

Es sei wichtig ist, dass langfristig Programme weitergeführt werden, die den Gemeinschaften helfen, ihre Beziehungen zueinander wieder aufzubauen und zu heilen. Sie sagt:

“Wir müssen ihre Forderungen nach einer Möglichkeit, die bestehenden Probleme anzugehen, unterstützen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie gehört und ihr Leiden anerkannt werden.”

Zahlreiche führende Friedensstifterinnen und Friedensmacher aus aller Welt treffen sich beim Global Peacebuilders Summit und beraten darüber, wie ihre Arbeit in Krisengebieten noch wirksamer werden kann. Die Organisation Culture Counts Foundation organisiert diesen Gipfel jährlich, um Friedensstifter zu unterstützen.

HuffPost

Dieser Beitrag ist Teil des HuffPost-Adventskalenders. Hier stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, der uns durch seine besondere Geschichte Mut macht. Alle Beiträge findet ihr hier. 

(jg)