WIRTSCHAFT
02/06/2018 16:27 CEST

Diese 3 Zahlen müsst ihr kennen, um die Krise in Italien zu verstehen

Auf den Punkt gebracht.

Antonio Masiello via Getty Images

Bildet sich eine neue Regierung nach langem Pokern und Zerren, ist häufig von einem “Aufatmen” die Rede.

Das “Aufatmen” in Europa blieb allerdings weitestgehend aus, als die italienischen Parteien 5-Sterne und Lega am Freitag Vollzug meldeten.

Das neue Regierungsbündnis in Rom versetzt die EU schon in tiefe Sorge, bevor es überhaupt begonnen hat, Politik zu machen.

Die regierenden Populisten in Italien stehen für einen anti-europäischen Kurs, eine Politik der Mehrausgaben – und eine womöglich unabwendbare neue Krise.

Drei Zahlen zeigen, wie alarmierend die Lage in Italien ist. 

132 Prozent

Italien ist hoch verschuldet. Die Staatsverschuldung des Landes beläuft sich auf mehr als 2.000 Milliarden Euro. Es ist eine Zahl von zweitrangiger Bedeutung.

Viel wichtiger, viel besorgniserregender: Italien ist bereits mit knapp 132 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet. 

60 Prozent schreiben die Maastricht-Kriterien als Regelwert vor. Nach dem griechischen ist der italienische der zweithöchste Wert in Europa.

Es geht dabei gleichwohl um ganz andere Dimensionen als in Griechenland. Italien hat einen Anteil von 15,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone, der griechische Anteil lag zu Beginn der Krise 2009 weit unter vier Prozent.

Hinzu kommt: Rund 200 Milliarden Euro muss das Land pro Jahr allein für Zinszahlungen und für die Erneuerung von auslaufenden Krediten ausgeben.

Die Antwort der neuen Regierung auf diese Misere sind jedoch nicht Sparmaßnahmen, sondern Steuersenkungen und Mehrausgaben. Das bringt uns zu...

125 Milliarden Euro

So viel Geld will die Regierung zusätzlich in die Hand nehmen, um ihre Wahlkampfversprechen wahr zu machen. Das zumindest hat der er Finanzexperte Carlo Cottarelli errechnet.

Das “Handelsblatt” analysierte am Donnerstag: “Das sind Dimensionen, die Märkte abstürzen lassen.” Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen schossen zu Wochenbeginn in die Höhe, erholten sich nur langsam.

Es droht eine gefährliche Abwärtsspirale: Rating-Agenturen drohen aufgrund der offenkundigen Spendier-Freude der Populisten, die Kreditwürdigkeit Italiens schlechter zu bewerten.

Fällt das Land auf Ramschniveau dürfen Banken italienische Anleihen irgendwann wegen der Regularien nicht mehr kaufen. Dem Land würde das Geld ausgehen – die populistischen Versprechen wären vom Tisch. Die Zukunft vieler Italiener womöglich auch.

Die “Zeit” nannte das Land wegen dieses drohenden Szenarios zuletzt “zu groß, um gerettet zu werden”.

25,5 Prozent

Wenn doch wenigstens der Blick in die Zukunft Hoffnung gäbe: Doch der italienischen Jugend droht eine beispiellos kollektive Perspektivlosigkeit.

25,5 Prozent der Italiener zwischen 18 und 34 Jahren sind ohne Arbeit oder Ausbildung. Auch das sichert dem Land einen Treppchen-Platz im Worst-Case-Kabinett der EU.

Nicht nur wird das auf Dauer die Wirtschaftsleistung drücken.

DIW-Chef Marcel Fratzscher warnt vor einer starken sozialen Polarisierung zwischen Jungen und Alten.

Die älteren Menschen profitieren von Jobsicherheit, guten Löhnen und einem frühen Renteneintritt (kein westliches Land hat eine kürzere Lebensarbeitszeit) — die jungen Menschen zahlen den Preis dafür.”

Es ist Zündstoff für weitere Polit-Krisen.