BLOG
06/04/2018 19:27 CEST | Aktualisiert 06/04/2018 19:27 CEST

Die verDAMMte Wahrheit: Warum die letzten natürlichen Flussläufe in Europa geschützt werden müssen

Auf der Balkanhalbinsel zwischen Slowenien und Albanien drohen Wasserkraftprojekte die Kultur, Geschichte und Ökologie der Region („Das Blaue Herz Europas“) zu zerstören. Lokale Aktivisten, die an den Ufern dieser Flüsse leben, kämpfen für den Schutz der Flüsse und Landschaften ihrer Heimat. Frauen aus dem Dorf Kruščica in Bosnien und Herzegowina wachten fast ein Jahr lang in einem friedlichen Protest, um die Flüsse ihrer Gemeinden und zugleich ihre einzige Trinkwasserquelle zu schützen. Dabei waren sie auch körperlicher Gewalt ausgesetzt, die von staatlichen Behörden angewendet wurde. Europäische und lokale NGOs stellen sich unter der Leitung von RiverWatch und EuroNatur der Regierungskorruption und ausländischen Investoren entgegen, die den Wasserkraft-Goldrausch anheizen.

Die Blue Heart Website macht auf das Problem dieser bedrohten Region aufmerksam und erläutert, warum Wasserkraftwerke nicht umweltfreundlich sind und damit nicht zu den erneuerbaren Energien gehören. Gemeinsam mit NGO-Partnern ruft Patagonia Bürger weltweit dazu auf, die Petition zu unterzeichnen, um die Finanzierung dieser Staudämme zu stoppen und dadurch für den Schutz der letzten natürlichen Flussläufe in Europa zu sorgen.

Gemäß des Bankwatch-Berichts, der am 16. März 2018 veröffentlicht wurde, pumpen die Banken mehr als 700 Millionen Euro in die Finanzierung von Staudamm-Projekten. Ein Drittel der Staudämme und Wasserumleitungen sind innerhalb geschützter Gebiete geplant, davon 118 sogar in Nationalparks. Sollte dieser Widerstand vor Ort erfolglos bleiben, werden die letzten staudammlosen Wasserläufe des Kontinents irreversibel geschädigt.

Andrew Burr

„Wir müssen diese einmalige Naturlandschaft schützen, davon bin ich überzeugt“, sagt Yvon Chouinard, Gründer der Patagonia, Inc. sowie Produktionsleiter von „DamNation“ und dem Dokumentarfilm „Blue Heart“. „Dass die weltweit größten Banken diese überholte und ausbeuterische Technologie unterstützen und neue Staudämme in den letzten unberührten Regionen Europas finanzieren, ist nicht nur eine Geldverschwendung, sondern vor allem eine moralische Schande. Dieser Kampf ist viel zu wichtig, als dass er ignoriert werden könnte.“

Er beabsichtigte nie, ein Geschäftsmann zu werden. Nun aber, wo er einer ist, ist er fest entschlossen, sein Unternehmen und seine Stimme einzusetzen, um dabei zu helfen, die größten Umweltherausforderungen dieser Welt zu lösen. Während die Bewegung zur Stilllegung maroder Staudämme und der Übergang zu wirklich umweltfreundlichen Energien weltweit immer stärker wird, hat sich auf dem Balkan die Zahl der geplanten Wasserkraftprojekte seit 2015 verdoppelt. 91 Prozent der geplanten Staudämme und Wasserumleitungen werden nur sehr wenig Strom erzeugen, ihre Errichtung und Unterhaltung ist sehr teuer. Aufgrund ihrer Größe ist noch nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben.

In seinem Beitrag „Die verDAMMte Wahrheit“ beschreibt Chouinard die große Gefahr für Europas letzte natürliche Flussläufe, die von den Staudämmen zur Energieerzeugung kommt, die vielfach als Quelle für saubere, umweltfreundliche und erneuerbare Energie gepriesen werden. Alle Staudämme sind schmutzig, und der Strom, den sie erzeugen, kann seiner Meinung nach heutzutage „auch viel effektiver aus anderen Quellen gewonnen werden, die keine Flussläufe stören, die keine Lebensräume zerstören und die keine Menschen vertreiben. Falls diese unsinnigen Projekte nicht gestoppt werden, werden die ökologischen Schäden und die Auswirkungen auf die Gemeinschaften vor Ort verheerend sein.“

Von den Schäden, die Staudämme verursachen, erfuhr Chouinard erstmals aufgrund seines Interesses an Flüssen als begeisterter Fliegenfischer. „Flüsse sind nicht nur schön anzuschauen. Sie sind die Arterien des Planeten, sie bewegen Nährstoffe und lebensnotwendige Sedimente vom Land in die Weltmeere und ernähren so Plankton und Fische. Sie versorgen Millionen von Menschen mit sauberem Trinkwasser.“

Gesunde Flüsse und ihre Auen schützen vor Überschwemmungen und Trockenheit, deren Auswirkungen aufgrund des Klimawandels immer gravierender werden. Staudämme stellen eine enorme Bedrohung dafür dar. Anders als die Solar- oder Windenergie führt Wasserkraft dazu, dass Arten aussterben, Menschen vertrieben werden und der Klimawandel verschärft wird. Außerhalb von Russland ist die Balkanhalbinsel die Heimat der meisten frei fließenden Flüsse in Europa sowie kristallklarer Bäche, extensiver Kiesbänke und unberührter Auenwälder. Sie versorgten Generationen von Menschen mit Trinkwasser und dienten der Bewässerung von Gärten und kleinen Feldern.

Um sie zu schützen, schlägt Chouinard folgende Maßnahmen vor:

• Die Aktivisten und Gemeinschaften sollten in ihrem Kampf gegen die Staudämme unterstützt werden.

• Die internationalen Entwicklungsbanken sollten dazu aufgerufen werden, Projekte dieser Art nicht mehr zu finanzieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die internationale Entwicklungsbank Internationale Finanz-Corporation (IFC) haben mehr als 700 Millionen Euro in die Finanzierung von Staudamm-Projekten auf dem Balkan gepumpt. Die Banken müssen überzeugt werden, dass die Finanzierung solcher Projekte eingestellt werden muss.

• In ganz Europa und weltweit muss dafür gesorgt werden, dass die Implementierung sauberer und kostengünstigerer Energiealternativen schneller vorangetrieben wird.

Ich danke Heinrike Helm für die zur Verfügung gestellten Informationen.

Weiterführende Literatur:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut in Mode: Wissenswertes über nachhaltige Bekleidung und Textilien. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.