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19/10/2018 11:16 CEST | Aktualisiert 19/10/2018 11:16 CEST

Die Macht der Algorithmen

Unsere moderne Gesellschaft wäre heute ohne Algorithmen nicht mehr denkbar. Sowohl unser Konsumverhalten, unsere Wege im Web, aber vor allem auch wichtige Prozesse werden heute durch die Technologie gesteuert. Dadurch nehmen sie großen Einfluss auf unser Leben.

Blickt man auf die Anfänge der Suchmaschinen zurück, gab es einzelne Anbieter, die ihre Ergebnisse noch von Mitarbeitern erstellen ließen. Eigene Teams waren damit beschäftigt, Webseiten für die häufigsten Suchanfragen manuell zu prüfen und dann aufzulisten.

Heute bestimmen im Hintergrund geschätzt etwa 200 unterschiedliche Algorithmen auf Basis unzähliger Faktoren in weniger als einer Sekunde, was wir angezeigt bekommen. Dabei ist die Qualität der Treffer weitaus besser, als noch in den oben beschriebenen Zeiten.

Gleiches gilt für die Timelines auf sozialen Netzwerken oder die Angebote bei Streamingdiensten. Warum ist das entscheidend: Wir schauen, lesen, hören und kaufen das, was uns angeboten wird.

Dies sind jedoch nur die Werkzeuge, die wir tatsächlich in unserem Alltag wahrnehmen. Tatsächlich würden ohne die geheimen Formeln die meisten elektronischen Produkte oder digitalen Dienstleistungennicht mehr funktionieren.

Was macht der Algorithmus?

Ermöglicht haben diesen Siegeszug in den vergangenen Jahren die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz und eine enorme Steigerung der Rechenleistung. Vereinfacht lassen sie sich als Verfahren bezeichnen, die komplexe Aufgaben und Zusammenhänge in klar definierten Schritten lösen bzw. erkennen.

Die Berechnungen haben mittlerweile eine derartige Qualität erreicht, dass die Software fast schon nach Vorbild des Menschen Entscheidungen durch Erfahrung verbessern kann. Dazu nutzt die dahinterstehende Künstliche Intelligenz eine Vielzahl an Daten, kann diese miteinander verknüpfen, Rückschlüsse ziehen und Vorhersagen treffen.

Weitreichende Folgen

Bei vielen Nutzern fehlt dafür vollständig das Bewusstsein: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung kann fast die Hälfte der Deutschen mit dem Begriff Algorithmus nichts anfangen.

Doch dies ist riskant. Im Zuge der digitalen Transformation einer Vielzahl unserer Lebensbereiche werden immer größere Datenmengen produziert. Und durch die Algorithmen werden diese konkret nutzbar gemacht.

Das bedeutet, dass schon kleinste Änderungen beim Suchmaschinen-Algorithmus Veränderungen bei den Ergebnissen bewirken, die wiederum große Auswirkungen auf unser Handeln haben, beispielsweise unser Wahlverhalten. Für die Verteilung von Interaktionen auf sozialen Medien gilt dasselbe Prinzip.

Nicht mehr nachvollziehbare Entscheidungswege

Doch genau in diesen weitreichenden Kompetenzen liegen auch die Gefahren. Denn die Formeln im Hintergrund und Änderungen an diesen sind vollständig intransparent. Durch die Entscheidungsgewalt von Algorithmen und der Übernahme von verantwortungsvollen menschlichen Aufgaben stellen sich viele rechtliche und moralische Fragen über Verantwortlichkeiten und Haftung.

Gleichzeitig geht bei den selbständig lernenden Algorithmen nicht hervor, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen und welche Regeln sie dazu anwenden. Gerade die Fähigkeit zu lernen macht die Software anfällig für Fehlentscheidungen. Denn wie ein Mensch kann die Technologie auf Basis unvollständiger oder fehlerhafter Daten auch die falschen Schlüsse ziehen. Durch die schiere Menge an den zugrundeliegenden Daten sind die Entscheidungssysteme zudem undurchsichtig und für den Mensch nicht mehr nachvollziehbar – ein Problem hinsichtlich der Nutzbarkeit der maschinellen Entscheidungen.

Fazit

Es ist unbestreitbar, dass Algorithmen in unserer heutigen Gesellschaft viel Macht innehaben. Dies ist zwar unverzichtbar, birgt aber auch Gefahren. Eine rein von Software gesteuerte Welt wird es so allerdings nicht geben. Entscheidend wird es sein, dass sich Nutzer ihr Verhalten im Web bewusst machen und sich über die Operationen im Hintergrund bewusst sind.