POLITIK
09/02/2018 17:12 CET | Aktualisiert 09/02/2018 21:09 CET

Wie die GroKo die Politikverdrossenheit der Jugend verschlimmert hat

Erschreckend viele junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht repräsentiert.

Fabrizio Bensch / Reuters
So nah und doch so fern: Kanzlerin Angela Merkel mit einer Gruppe Schülerinnen
  • Die deutsche Politik wird von Alten für Alte gemacht – und die GroKo macht alles nur noch schlimmer
  • Das scheint zumindest die Auffassung der jungen Generation, wie eine exklusive Umfrage für die HuffPost zeigt

Seit fast 140 Tagen werkeln die Parteien nun schon an einer neuen Regierung.

Seit Mittwoch steht fest: Am Ende werden wohl wieder Union und SPD die Bundesrepublik regieren – bereits zum dritten Mal in der vierten Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel.  

Vor allem die junge Generation scheint die Dauer-GroKo zunehmend zu frustrieren. Das legt eine repräsentative Civey-Umfrage nahe, die der HuffPost exklusiv vorliegt. Die Befragung fand zwischen dem 2. und 9. Februar statt. Demnach...

► … denken 86,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, dass ihre Generation gar nicht oder eher nicht in der Politik repräsentiert wird.

► … denken fast 80 Prozent der 30- bis 39-Jährigen, dass ihre Generation gar nicht oder eher nicht in der Politik repräsentiert wird.

► Nur 1,6 Prozent der jungen Befragten sehen sich “auf jeden Fall” repräsentiert.

Es sind dramatische Zahlen, zeigen sie doch eine massive Enttäuschung der jungen Menschen mit der Politik. 

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Resignierte Jugend

Vergleicht man die Daten mit denen aus einem Befragungszeitraum, der vor dem Abschluss der Koalitionsgespräche zwischen CDU, CSU und SPD liegt, wird zudem klar: Die Jugend ist nach dem erfolgreichen GroKo-Kompromiss noch resignierter.

Zum Vergleich: Im Befragungszeitraum 19. November 2017 bis zum 6. Februar 2018 fanden knapp 76 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, dass sie gar nicht oder eher nicht von der Politik repräsentiert werden – in den vergangenen  Tagen hat sich diese Zahl noch einmal dramatisch verschlechtert. 

Im Befragungszeitraum vom 01.02. bis 08.02.2018 (also im Zeitraum der Koalitionsverhandlungen und kurz danach) finden 88 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, dass sie gar nicht oder eher nicht von der Politik repräsentiert werden.

Civey
Civey-Umfage unter 18 bis 29-Jährigen – Befragungszeitraum 19.11.2017 bis 06.02.2018
Civey
Civey-Umfage unter 18 bis 29-Jährigen – Befragungszeitraum 01.02. bis 08.02.2018

Mehr zum Thema: Warum Deutschland eine Revolte der jungen Generation braucht – und wie sie aussehen muss

Im Vergleich zu anderen Altersgruppen zeigt sich, wie desillusioniert die Jungen in Bezug auf die Politik sind. 

Laut den aktuellsten Civey-Daten vom 9. Februar sagen ...

► … 86,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 79,9 Prozent der 30 bis 39-Jährigen, dass ihre jeweilige Generation in der Politik gar nicht oder eher nicht in der Politik repräsentiert wird.

Die entsprechenden Werte der anderen Generationen liegen deutlich darunter:

► 51,7 Prozent bei den 40- bis 49-Jährigen

► 37,5 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen 

► 39,8 Prozent bei den Über-65-Jährigen.

35 bis 50 Prozent der Befragten in diesen Altersgruppen fühlen sich dagegen gut oder sehr gut von der Politik repräsentiert. Bei den Jungen sind es dagegen nur rund 10 Prozent. 

Civey
Übersicht Civey-Umfage – Stand: 9. Februar 2018

Politik ist jugendverdrossen

Es ist ein ernüchterndes Ergebnis: Bereits bei der Bundestagswahl war die Wahlbeteiligung unter den Jung-Wählern deutlich niedriger als die der anderen Altersgruppen (63,4 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen; 71,6 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen).

Die Zahlen von Civey zeigen: Es ist wahrscheinlich, dass die GroKo das Politikinteresse der Jungen eher nicht steigern wird und noch mehr junge Menschen nicht mehr zur Wahl gehen.

Dass die jungen Menschen sich nicht von der Politik im Allgemeinen und der GroKo im Besonderen repräsentiert fühlen, hat wohl noch einen weiteren Grund: Im neuen Kabinett sitzen kaum frische Gesichter – der Altersschnitt wird wohl deutlich über 50 Jahren liegen. 

Mit Dorothee Bär (CSU) wird wohl nur ein Ressort von einer Unter-40-Jährigen geführt – aber auch nur, wenn die Regierung bis Mitte April steht. Denn dann wird Bär 40. 

Vielleicht ist es Zeit, ein altes Vorurteil zu revidieren: Nicht die Jungen sind politikverdrossen, sondern die Politik ist jugendverdrossen. 

Mehr zum Thema: Wo bleibt die Jugend? Wie die GroKo die Chance auf einen Aufbruch vergibt

Wie die Befragungsergebnisse von Civey zustandekommen, könnt ihr hier nachlesen

(ben)