POLITIK
27/01/2018 19:45 CET | Aktualisiert 28/01/2018 09:28 CET

Die Grünen haben neue Chefs – für die SPD ist das keine gute Nachricht

Beobachter vermuten, dass die Grünen die neue linke Volkspartei werden wollen.

  • Die Grünen haben eine Realo-Doppelspitze gewählt
  • Was das für die Partei und Deutschland bedeutet – 4 Fakten

Die Grünen haben am Wochenende ihre Parteichefs gewählt. Die wichtigsten Fragen und Antworten in Tweets:

1. Wer hat das Rennen gemacht?

Annalena Baerbock: 37 Jahre, promovierte Juristin, lebt in Brandenburg, stammt aus Niedersachsen, Mutter zweier Kinder.

Sie dankte ihrer Konkurrentin Anja Piel “für viel Frauenpower und fairen Wahlkampf”. 

Robert Habeck: 48 Jahre, promovierter Philosoph, aus Schleswig-Holstein, Vater von vier Kindern.

Er schrieb an seine Partei: “Was ich bin, bin ich durch euch.” 

2. Was ist das Besondere an der Wahl?

Die Grünen sind seit ihrer Gründung 1980 mit Flügelkämpfen beschäftigt. Realos gegen Linke (früher Fundis genannt). Also jene, die für eine Regierungsbeteiligung auch Kompromisse eingehen wollten, gegen sehr Prinzipientreue.

Normalerweise besteht die Parteiführung daher aus einer Doppelspitze: ein Mann, eine Frau (das steht auch in den Statuten), ein Realo, ein Linker.

Baerbock und Habeck sind aber beide Realos. Das gab es zuletzt 2000 bis 2001, als für kurze Zeit die Realos Fritz Kuhn und Renate Künast die Partei führten. 

3. Was bedeutet die Wahl für die Zukunft der Partei?

Die sonst oft zerstritten wirkenden Grünen scheinen so einig wie selten zuvor. So energiegeladen, dass es auffällt. 

Der parlamentarische Geschäftsführer der Linken im Bundestag, Jan Korte, geht davon aus, dass das linke Lager der Grünen endgültig abgemeldet ist. Und die Grünen versuchen werden, über eine Koalition mit der Union mehr Einfluss zu bekommen. 

Mit ihren Themen jedenfalls könnte es klappen: Baerbock und Habeck hatten in Hannover zwar auch den Umweltschutz thematisiert, das Kernthema der Grünen. 

Aber insbesondere Baerbock punktete mit ihrer kämpferischen Rede gegen die Armut in Deutschland. “Die größte Schande in unserer Gesellschaft ist die unsichtbare Armut”, sagte sie. 

Damit spricht sie jene Zielgruppe an, die auch die SPD so gerne für sich gewinnen würde. Die Grünen wollen weg von ihrem Image der Partei für Besserverdienende.

4. Was heißt das für die anderen Parteien?

Beobachter gehen davon aus, dass sich die von Misserfolg der Bundestagswahl und internen Streit arg gebeutelte SPD vor den Grünen in Acht nehmen sollte.

Die Nachwuchsorganisation Grüne Jugend twitterte, in die SPD könne man derzeit eintreten, um für oder gegen die Große Koalition zu stimmen. “Bei uns kann man eintreten, um erst Europa und dann die Welt zu retten.” 

Der Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht verweist auf eine Einschätzung der “Süddeutschen Zeitung”: Die Grünen kämen jetzt in Fahrt, da andere wie gelähmt wirken. 

Offenbar können sich die Grünen mit der Einschätzung des Journalisten anfreunden. Auch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae zitiert den Kommentar und seine Überschrift: “Das große Ziel: neue linke Volkspartei.” 

Der Ko-Vorsitzende der Grünen in Europa, Reinhard Bütikofer, widerspricht. Linke Volkspartei, das passe nicht. Die Grüne aber wollten die SPD als Orientierungspol in der politischen Landschaft ablösen.

Das klingt schon eher nach den Grünen, die Deutschland kennt. Für die SPD ist das aber trotzdem keine gute Nachricht.

SPD-Chef Martin Schulz gratulierte den neuen Grünen-Chefs trotzdem. Er freue sich auf eine gute Zusammenarbeit. Kampflos wird die SPD ihren Platz im Parteiengefüge jedenfalls nicht aufgeben.

(mf)