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25/09/2018 11:24 CEST | Aktualisiert 27/09/2018 21:25 CEST

Die größte Herausforderung im Bundestag? Wie bediene ich ein Faxgerät

Zwei oder drei Faxe hatte ich in meinem Leben bereits versendet – dann kam ich in den Bundestag.

Xander Heinl via Getty Images
Auf neue Bundestagsabgeordnete warten viele Herausforderung. 

Die Digitalisierung ist als großes politisches Thema längst in aller Munde. In unzähligen Referaten kümmern sich noch mehr Beamte um das Thema innerhalb der einzelnen Ministerien. Im Bundeskanzleramt wurde das Thema zur Chefsache erklärt.

Und natürlich hat auch der Bundestag einen Digitalausschuss. Geredet wird also viel über die Digitalisierung im politischen Berlin.

Der Bundestag selbst ist allerdings noch immer eine ziemlich analoge Welt. Die Zukunft wird hier gewissermaßen mit der Technik der Vergangenheit gestaltet.

Vorab sei gesagt: Die Arbeitsbedingungen für mich und mein Team sind hervorragend. Das liegt nicht zuletzt an den großartigen Mitarbeitern des Bundestags, die uns immer und überall hilfsbereit zur Seite stehen und deren Arbeit leider nicht immer angemessen wertgeschätzt und gewürdigt wird.

Für das, was einige Kolleginnen und Kollegen als selbstverständlich erachten, bin ich wirklich dankbar. Und ich bitte die Leserinnen und Leser zu beachten, dass dieser Text zumindest mit einem kleinen Augenzwinkern verfasst wurde.

Die ersten Wochen im Bundestag 

In den ersten Wochen und Monaten nach dem Einzug ins Parlament prasselt allerlei Neues auf frisch gewählte Abgeordnete ein: Die neue Umgebung in Berlin, die viele bisher nur aus dem Fernseher kannten. Neue Kolleginnen und Kollegen, allerlei Strukturen, Regeln, Gepflogenheiten.

Kurzum: Man lernt in einer Art Crash-Kurs, Abgeordneter zu sein. Und dabei habe ich auch gelernt, wie man ein Faxgerät benutzt.

lukas koehler

Zugegeben: Zwei oder drei Faxe hatte ich in meinem Leben bereits zuvor versendet. Das war allerdings schon lange her. Regelmäßige Berührungspunkte hatte ich damit nie. Erst der Bundestag hat das geändert.

Denn der Großteil der schriftlichen Kommunikation mit der Verwaltung läuft hier über das Fax. Dazu gehört selbstverständlich auch die Kommunikation mit der IT-Abteilung. Und das nimmt bisweilen leicht skurrile Züge an.

Der lange Weg zum ersten Fax

So habe ich in meiner Anfangszeit beispielsweise ein Zertifikat bestellt, das notwendig ist, um mit dem Smartphone die E-Mails aus dem Bundestagsnetzwerk abrufen und das hauseigene Intranet nutzen zu können.

Der Antrag dafür wird selbstredend gefaxt, allerdings keineswegs direkt an den für mich und mein Büro zuständigen Mitarbeiter der IT-Abteilung, sondern an die IT-Zentrale.

Von dort aus nahm das Fax dann seinen Weg durch offenbar mehrere Instanzen, ehe es schließlich bei der für uns zuständigen Person landete.

Die wiederum meldete sich telefonisch und mit ehrlichem Bedauern in der Stimme: Der Antrag sei angekommen, aber mittlerweile an einigen Stellen unleserlich geworden sei.

Nun weiß ich, dass meine Handschrift nicht immer leicht zu entziffern ist, weshalb ich den Antrag vorsorglich von einem Mitarbeiter hatte ausfüllen lassen. Dass es am Schluss an schwarzen Flecken scheitern könnte, die durch Faxgeräte verursacht wurden, hatten wir nicht bedacht.

HuffPost-Straßenumfrage ein Jahr nach der Bundestagswahl:

Mehr Digitalisierung würde dem Bundestag guttun 

Und wenn der eigene Name, der bei hausinternen Telefonaten im Display des Gesprächspartners angezeigt wird, einen Rechtschreibfehler enthält? Dann reicht ein Anruf in der IT-Abteilung. Nicht, um den Fehler zu beheben, wie einer meiner Mitarbeiter feststellen musste.

In der IT-Abteilung lässt sich bei Gesprächen ein bisschen Frust deutlich raushören.

Aber immerhin um zu erfahren, wo sich das Formular befindet, das dann von mir unterschrieben an die zuständige Stelle geschickt zu werden hatte. Per Fax, versteht sich.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn man schnell per E-Mail auf den offensichtlichen und leicht nachprüfbaren Fehler hingewiesen hätte.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der IT-Abteilung jedenfalls würde es die Arbeit sicherlich erleichtern, wenn die Digitalisierung im Bundestag häufiger ihre segensreiche Wirkung entfalten könnte. Denn während ich diese überkommenen Strukturen nur in vergleichsweise seltenen Fällen zu spüren bekomme, müssen die ITler jeden Tag damit arbeiten.

Und aus so manchem Gespräch lässt sich ein bisschen Frust darüber deutlich raushören.

Es gibt auch Fortschritte … 

Aber auch in der originären politischen Arbeit geht’s nicht immer so einfach, wie man sich das manchmal wünscht. Eine schriftliche Frage, die Abgeordnete in Ausübung ihrer Kontrollfunktion an die Bundesregierung stellen können, muss natürlich per Fax eingereicht werden. Oder auf dem Postweg. Physisch, versteht sich. Elektronische Post ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Doch es gibt, das will ich gar nicht verhehlen, Fortschritte. Kürzlich wurde auch mein Büro eine kleine digitale Revolution erfasst, die sich seit Beginn des Jahres 2018 langsam im ganzen Haus ausgebreitet hat.

Was ist passiert? Wird in der Schlüsselstelle etwa nicht mehr mit der Schreibmaschine gearbeitet? Hat die Kasse in der Kantine die D-Mark endgültig überwunden und zeigt den Preis fortan nur noch in Euro an?

Nein, dafür ist die Zeit wohl noch nicht reif. Aber bereits jetzt ist es möglich, ohne Kabel im Internet zu surfen. W-Lan nennen sie diese neue Technologie.

Und ich bin ehrlich gespannt, ob die sich durchsetzen wird.

(jg)