POLITIK
15/09/2018 19:58 CEST

Die CSU poltert jetzt gegen die AfD: Doch das kommt wohl zu spät

Es ist ein Strategiewechsel, der krampfhaft wirkt.

dpa

Die CSU ist eine Wahlkampf-Maschine. Das geben mitunter auch Experten zu, die sich politisch weder im deutschen Süden, noch im Spektrum rechts der Mitte verorten lassen. Keine Partei verstand es über Jahre so wie die Christsozialen, der Debatte ihren Stempel aufzudrücken.

Dieses Jahr jedoch läuft die Strategie der Bayern bislang ins Leere. 35 Prozent im jüngsten “Bayerntrend”: Der Partei droht bei den Wahlen in vier Wochen ein historisches Debakel.

Spätestens an diesem Samstag auf dem Parteitag in München hat die CSU daher ihre neue Taktik durchblicken lassen. Zum ersten Mal will die Partei auch nach Rechts austeilen.

Oder besser gesagt: Sie hat endlich erkannt, dass sie das muss.

Neuer Lieblingsgegner: AfD

Ministerpräsident Markus Söder schoss sich in München vor allem auf die AfD ein. Der mit Standing Ovations begrüßte Spitzenkandidat rief: “Höcke ist die neue Nr.1.“ Und: Die AfD stehe “Seit‘ an Seit‘ mit NPD, Pegida und Hooligans“.

Sein Höhepunkt: “Wenn diese Typen plakatieren ,Strauß würde AfD wählen‘, sage ich: Franz Josef Strauß würde diese AfD bekämpfen‘!”

Der Gegner steht nicht länger links, er steht nun auch rechts. Die CSU ist umzingelt – und ruft gart zum Kampf um die Demokratie auf. Mit Worten, die zuletzt eher aus dem Lager moderater CDUler, von der FDP oder den Grünen zu erwarten gewesen wären.

“Wir befinden uns in einer ernsten Situation, nicht nur für uns, sondern für die Demokratie in unserem Land”, mahnte Söder auch mit Blick auf die AfD.

Eine “klare Abgrenzung” von Rechtsaußen, beschwor CSU-Chef Horst Seehofer.

Seehofer war monatelang auf AfD-Kurs

Das kommt reichlich spät.

In Berlin war Seehofer in der Rolle des Innenministers monatelang damit beschäftigt, die Forderungen von AfD-Anhängern ins Regierungsprogramm zu prügeln. Sein Kampf für die Zurückweisung einiger dutzend Migranten an der deutsch-österreichischen Grenze hatte fast die GroKo gesprengt.

In der Diskussion um rechtsextremistische Ausschreitungen stellte sich Seehofer klar auf die Seite der Demonstranten – und gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU). 

Der “Spiegel” resümierte gerade treffend: “Zuletzt nannte er den braunen Mob auf den Straßen von Chemnitz ‘unschön’, ganz so, als hätten die Männer nicht ‘Ausländer raus’ gegrölt, sondern nur vergessen, ihre Bierdosen ordentlich zu entsorgen.”

“Welt am Sonntag”-Chefredakteur Peter Huth beschrieb die bisherige CSU-Strategie im Umgang mit den Rechten heute so: “Gibt es Erkenntnisse, dass es in Ostdeutschland eine besondere Herausforderung in Sachen Rechtsextremismus gibt: Nur nicht ansprechen, könnte der AfD helfen.”

Ein krampfhafter Seitenwechsel

Der CSU half das allerdings auch nicht, im Gegenteil.

In der Landtagsfraktion der Christsozialen beäugten viele das Seehofer-Theater in Berlin mit Ungeduld, manche mit Argwohn. Der CSU-Chef ist sich seit dem Asylstreit in Umfragen zwar der Unterstützung der AfD-Wähler sicher, zurückgewinnen konnte er sie für seine Partei allerdings nicht.  

Nun wollen Söder und die bayerischen Wahlkämpfer eine Partei als gefährlich diskreditieren, die sie so lang aus Angst vor einem weiteren Wähler-Exodus ignoriert haben.

Es ist ein Strategiewechsel, der krampfhaft wirkt. 

Und so wundert es nicht, dass Seehofers schärfste Attacken sich am Samstag gegen andere richteten. Etwa gegen Aktivisten, die gegen Abschiebungen von Gefährdern nach Afghanistan demonstrieren.

Oder gegen den eigenen Koalitionspartner in Berlin. Die SPD nannte der CSU-Chef “schäbig”.