POLITIK
16/02/2018 22:40 CET

Die Aschermittwochs-Rede von AfD-Mann Poggenburg geht nun selbst Rechten zu weit

“Heil” klingt wie “Alle”.

PHILIPP VON DITFURTH via Getty Images
  • AfD-Politiker André Poggenburg hat in einer Rede am Aschermittwoch Türken mit “Kameltreibern” und “Kümmelhändlern” gleichgesetzt
  • Kritik daran kommt nun von gänzlich unerwarteter Seite 

Für die Rede des AfD-Sachsen-Anhalt-Chefs André Poggenburg zum politischen Aschermittwoch hagelt es nun reichlich Kritik – selbst aus der rechten Ecke.

Poggenburg hatte in seiner Ansprache von “Kameltreibern” und “Kümmelhändlern” gesprochen, die sich “hinter den Bosporus zu ihren Lehmhütten, Ziegen und vielen Weibern scheren” sollten. 

Die rassistischen Äußerungen verteidigte Poggenburg als “zugespitzte Politsatire”

► Auch AfD-Chef Alexander Gauland hatte mit der Wortwahl seines Parteikollegen kein Problem. “Es ist eine drastische Sprache, aber es war ja Aschermittwoch”, sagte Gauland der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.

► Dagegen übte der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen deutliche Kritik: “Die Wortwahl André Poggenburgs geht dessen ungeachtet deutlich zu weit und hätte nicht vorkommen sollen.”

Meuthen ist jedoch nicht der einzige Rechte, dem die die Rede zu rechts ist.

“Liebe AfD, warum macht Ihr es uns so schwer?”

Denn auch einer der einflussreichsten Vertreter der neurechten Szene schießt gegen Poggenburg.

Der Blogger und Theologe David Berger betreibt das Debattenmagazin “Philosophia Perennis”, indem er gegen den Islam, Migranten und Asylbewerber hetzt. Berger ist bekennender AfD-Wähler. Und für gewöhnlich lobt er die Politik der AfD – vor allem die Arbeit von Alice Weidel und Alexander Gauland.

► Doch in seinem Blogartikel “Liebe AfD, warum macht Ihr es uns so schwer?” macht er nun seinem Frust Luft.

Er betont seine “Achtung vor der AfD” und lobt die Auftritte und Reden der Bundestagsabgeordneten, die “viele Vorurteile gegen die AfD aus dem Weg räumen” konnten.

Poggenburg erfülle jedoch “gerade zu angestrengt” die Vorurteile der “Mainstreammedien”, indem er auf eine “ganze Menschengruppe” losgehe. Besonders “ekelhaft” sei der indirekte Vergleich des Genozids an den Armeniern und dem Holocaust.

“Heil” klingt wie “Alle”.

Der Höhepunkt, so Berger, komme erst am Schluss der Rede. Seine Interpretation eines Videos: Poggenburg habe den linken Arm so gehoben, dass es “zumindest als Hitlergruß interpretiert” werden könnte. Aber ob er dabei tatsächlich “Heil” gerufen haben soll, klinge für ihn wie “Alle”.

Berger äußerte die Sorge, dass die AfD durch die Rede Poggenburgs wichtige Wähler verlieren könnte. Die Äußerungen seien das “Haar in der Suppe”, die jedem bürgerlichen Wähler der rechten Mitte, “den Magen verderben” könnten.

Als Gegenbeispiel veröffentliche Berger einen Auszug aus der Aschermittwochsrede des hessischen AfD-Politikers Jan Nolte.

► Der soll nämlich gesagt haben: “Es gibt hier Türken und auch Menschen anderer Herkunft, von denen mancher Deutsche noch was lernen kann.”

Mit Material von dpa.

(mf)