POLITIK
15/03/2018 16:35 CET

Lehrer an Berliner Schulen müssen erst jetzt gut Deutsch können

Das hätte man auch vorher regeln können.

Florian Gaertner via Getty Images
Schulklasse in Görlitz. (Symbolbild)
  • Berliner Lehrer müssen künftig besser Deutsch sprechen können.
  • Das Bundesland hatte zuvor niedrigere Anforderungen an das Personal.

Dass Schüler ihre Lehrer oft nicht verstehen, dürfte allgemein bekannt sein. In der Regel liegt das aber nicht an deren sprachlichen Fähigkeiten. Denn man sollte annehmen, dass Lehrkräfte die Landes- und Unterrichtssprache einwandfrei beherrschen.

Doch das ist offensichtlich nicht überall so. Jedenfalls nicht in der deutschen Hauptstadt. Wie die “Berliner Zeitung” (“BZ”) berichtet, waren perfekte Deutschkenntnisse ausgerechnet dort für Lehrer offenbar bislang nicht notwendig, was vielleicht schon wieder ein bisschen weniger überraschend ist.

Verschärfte Anforderungen an Lehrer-Bewerber

Laut “BZ” hat die Bildungsverwaltung des Landes auf Druck der Personalvertreter die Anforderungen für Quereinsteiger in den Lehrberuf verschärft:

► Erstmals müssen alle Bewerber einen Test auf der Niveau-Stufe C2 erfolgreich absolvieren. 

► Wie Dieter Haase vom Gesamtpersonalrat in der Bildungsverwaltung sagte, waren bisher nur Kenntnisse auf dem Niveau C1 gefordert.

Auf dieser Ebene müssen sich Kandidaten zwar fließend ausdrücken können, ein müheloses Verstehen wird allerdings erst in der höchsten Stufe, also C2, gefordert.

Mehr zum Thema: Wie eine Schule in Berlin eines der größten Bildungsprobleme lösen will

Das Beherrschen der deutschen Sprache auf C2-Niveau sollte bisher erst bei Ende des berufsbegleitenden Referendariats überprüft werden. Das sei aber laut Haase in der Praxis nur selten geschehen.

Die Verschärfung will Haase nicht als fremdenfeindlich verstanden wissen. Doch wer an Schulen unterrichte, müsse auch als sprachliches Vorbild taugen, sagte er der “BZ”.

Mehr zum Thema: Berlin: Jeder sechste Schüler mit Migrationshintergrund bricht die Schule ab

Lehrermangel durch Quereinsteiger ausgleichen

Dass es überhaupt so viele Quereinsteiger in Berlin gibt, liegt an dem eklatanten Lehrermangel, der dort herrscht. 

Wie die Zeitung “die Welt” berichtet, konnten kurz vor Anfang des aktuellen Schuljahres 3000 Stellen geraden noch rechtzeitig besetzt werden.

Mehr zum Thema: Berlin: Grundschule macht peinlichen Zeugnisfehler

40 Prozent davon sind allerdings Quereinsteiger ohne abgeschlossene pädagogische Ausbildung – und wie es scheint, nicht immer mit hinreichenden Deutschkenntnissen.

Laut Personalrat Dieter Haase würden die Quereinsteiger häufig an Grundschulen eingesetzt. Dort ist der Bedarf offensichtlich besonders hoch.

► Wie die “BZ” unter Berufung auf Berliner Regierungsangaben schreibt, ist dort der Unterrichtsausfall im vergangenen Schuljahr von 1,7 auf 2,1 Prozent gestiegen.

Mehr zum Thema: In Berlin zeigt sich, warum unser Schulsystem bald zusammen brechen könnte

► 9 Prozent des Unterrichts sei vertreten worden, wobei die Qualität der Vertretungsstunden oft fraglich sei.

Höhere Anforderungen beseitigen Lehrermangel nicht

Ob eine Anhebung der sprachlichen Anforderungen die Qualität des Unterrichts an Berliner Schulen verbessern wird, ist unklar. Denn die Verschärfung beseitigt das eigentliche Problem nicht – den Lehrermangel. 

Schon mit den geringeren Anforderungen seien viele Bewerber durch die Prüfungen gefallen – oder sie seien trotz hörbarer Defizite eingestellt wurden, wie Dieter Haase der “BZ” sagte.

Offenbar ist in Berlin der Bedarf an Lehrkräften so hoch, dass sogar Bewerber mit noch niedrigeren Qualifikationen akzeptiert wurden. Die Maßnahme könnte also am Ende nur auf dem Papier gut aussehen.

(tb)