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20/08/2018 19:50 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 19:50 CEST

Deutsche Redewendungen sind oft rassistisch: Was man noch sagen kann

Wir benutzen ganz schön viele Redewendungen, von denen wir nicht wissen, woher sie stammen – ist das okay?

Nada Assaad

Einen Polnischen machen, etwas türken oder hinter schwedischen Gardinen sitzen: In unserer Alltagssprache verwenden wir viele Redewendungen oder Floskeln, von denen wir nicht klar sagen können, woher sie stammen.

Wenn wir einen wortlosen und damit eigentlich unhöflichen Abschied den Polen unterstellen, ist das, bei näherer Betrachtung, allerdings vielleicht gar nicht so witzig – genauso wenig Täuschungsversuche mit Türken zu verbinden oder rätselhafte Sprache mit den Spaniern. 

Im Zweifelsfall sind es immer die anderen, die etwas Komisches machen – das lassen solche Redewendungen, wie die oben genannten zumindest vermuten. So stellt Nada in unserer neuen Podcast-Folge “Spargelstecher&Ölauge” auch fest: “Viele schlechte Dinge sind immer dem Nachbarn angedichtet worden – die haben all das Schlechte, wir nicht, wir sind super.”

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Unsere Sprache lässt Rückschlüsse auf unser Denken ziehen

Das lässt natürlich auch eine bestimmte Denkweise hinter dieserart Redewendungen vermuten – denn Sprache beeinflusst und Denken, genauso, wie Denken unsere Sprache

Sprüche wie “Dann ist Polen offen” oder “Das kommt mir aber spanisch vor” sind in unserer Sprache nach wie vor alltäglich und werden nicht bewusst genutzt, um eine andere Kultur hasserfüllt und herablassend auszugrenzen – selbst wenn sie das Fremdartige der anderen Kultur markieren.

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Schwieriger ist es mit Begriffen wie Neger oder Bimbo, die glücklicherweise aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch nahezu ausgerottet sind – obwohl man in manchen Gegenden Bayerns heutzutage noch einen “Neger”, also Bier mit Cola bestellen kann. Auch ist Agatha noch mit den lustigen Abenteuergeschichten des “Negerkindes Bimbo” aufgewachsen – dass sie dieses Kinderbuch in den Händen hielt, ist noch gar nicht so lange her.  

Sagt man “dunkelhäutig” oder “schwarz”?

Sprache ist ein sensibles Thema – das beweist zum Beispiel allein die Diskussion vor einigen Jahren, ob in Astrid-Lindgren-Büchern das Wort “Negerkönig” stehen darf oder die Ratlosigkeit mancher Mitbürger, ob sie zu Menschen mit dunkler Hautfarbe nun “dunkelhäutig” oder “schwarz” sagen sollen. 

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Das Unwohlsein zeigt: Wir sind vorsichtiger geworden, was unsere Sprache angeht. Wir wollen eigentlich niemanden ausgrenzen oder verletzen – und tun es manchmal eben dennoch, weil sich bestimmte Begriffe eingebürgert haben und uns normal erscheinen. Dass wir damit eine ausgrenzende Realität kreieren können, ist uns oftmals nicht bewusst.

Wo kommen rassistische Redewendungen her?

In der aktuellen Podcast-Folge überlegen wir, was man noch sagen darf und wo rassistische oder ausgrenzende Redewendungen ihren Ursprung haben. Denn wenn wir verstehen, was wir überhaupt sagen und warum, können wir auch unsere Gedanken und Intentionen aufdecken und gezielter steuern.

Falls euch das Spanisch vorkommt, hört hier rein in unsere neue Folge:

Spargelstecher und Ölauge – ein Podcast der HuffPost

Zwischen Hummus und Gurkensuppe, Mittelmeer und Ostsee treffen sich ein Spargelstecher und ein Ölauge, um über Deutschland und die Welt zu plaudern. Agatha Kremplewski (Deutsch-Polin) und Nada Assaad (Deutsch-Syrerin) dröseln in ihrem Podcast Stereotype auf und fragen sich, was es eigentlich bedeutet, hierzulande mit Migrationshintergrund aufzuwachsen.

Der Spargelstecher 
Agatha Kremplewski, Jahrgang 1987, studierte Literatur, Spanisch und Soziologie. Agatha liebt ihren Hund Bolle, hat sich als Übersetzerin ihre Weltreise finanziert und schaut nachts gerne YouTube-Tutorials.

Das Ölauge 
Nada Assaad, Jahrgang 1990, studierte Literatur- und Musikwissenschaften. Nada hat ein Herz für Freaks und treibt sich gerne auf Konzerten herum. Mit dem Fotografen Anders Petersen würde sie gerne mal einen Kaffee trinken. Ansonsten findet sie Weltfrieden ganz cool.