POLITIK
25/12/2017 20:14 CET | Aktualisiert 26/12/2017 15:31 CET

Der Ober-Santa-Claus: Wie Trump sich als der Retter von Weihnachten aufspielt

Der US-Präsident bedient mit seinem Tweet einen gefährlichen Mythos.

Carlos Barria / Reuters
US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump
  • US-Präsident behauptet, erst unter ihm dürfe man wieder “Frohe Weihnachten” wünschen
  • Das Netz reagiert mit Kritik und Häme - denn Trump bedient einen gefährlichen Mythos

US-Präsident Donald Trump hat seinen Weihnachtsgruß getwittert. Und sich dabei selbst als größten Bewahrer des Grußes “Frohe Weihnachten” aufgespielt. 

Er schrieb: “Die Menschen sind wieder stolz, Frohe Weihnachten zu sagen. Ich bin stolz, den Angriff auf usnseren so geschätzten und schönen Gruß abgewehrt zu haben. FROHE WEIHNACHTEN.”

Und garnierte den Satz mit fünf Ausrufezeichen. Gerade so, als traue er dem Weihnachtsgruß ohne solche Verstärkung doch keine so große Kraft zu.

Das Märchen von der Attacke auf Weihnachten

Trump hat immer wieder einmal behauptet, die Amerikaner hätten den Weihnachtsgruß vor seinem Amtsantritt nicht einfach so aussprechen dürfen.

Die These: Linke wollten Weihnachten aus der Öffentlichkeit verbannen, aus Rücksicht auf Angehörige anderer Religionen. Und damit das - selbstverständlich christliche - Amerika, das Trump wieder groß machen will, klein machen. Statt “Frohe Weihnachten” dürfe man nur noch “Schöne Feiertage” sagen.

Es gibt sogar eine TV-Werbung der Organisation America First Policies, in der Erwachsene Trump für allerlei angebliche Errungenschaften danken - und ein Kind sich freut, dass es endlich wieder “Frohe Weihnachten” sagen dürfe. 

Der Mythos vom Sprechverbot

Die Zeitung “New York Times” hat vergangenes Jahr einmal aufgeschrieben, wie der Mythos vom Ende des Weihnachtsgrußes überhaupt aufkam.

Demnach hat der Moderator des konservativen Senders Fox News, Bill O’Reilly, ein 2005 erschienenes Buch von John Gibson wieder und wieder zum Thema gemacht. Der Titel: “Der Krieg gegen Weihnachten: Das Komplott der Liberalen, die christlichen Feiertage zu verbannen, ist schlimmer, als ihr dachtet.”

Gibson sagt, sein Buch habe ein Eigenleben entwickelt - durch O’Reillys Aktion. Er habe nicht auf die politischen Umstände des Grußes “Happy Holidays” abgezielt.

► Der Autor der “New York Times” jedenfalls kommt zu dem Schluss: “Es gibt keinen Beleg für einen organisierten Angriff auf Weihnachten in den USA.” 

Fakten allerdings haben Trump noch nie gestört. 

Gefährliches Zündeln

Der US-Präsident vertieft mit seiner neuerlichen Behauptung die Kluft im Land, zwischen Christen und Nichtchristen, zwischen Konservativen und Liberalen. 

Damit vertieft er nicht nur die soziale Spaltung des Landes und sät Hass.

Er missbraucht Religion als politisches Mittel. Erfahrungen in aller Welt zeigen, wie fatal es enden kann, wenn solche Grenzen verschwimmen. Ganz abgesehen davon, dass die Trennung von Staat und Kirche in den USA in der Verfassung festgeschrieben ist.

Obama wünschte immer wieder “Frohe Weihnachten”

US-Medien und Twitter-User kritisierten Trump deswegen für seinen Tweet massiv.

Der Sender MSNBC veröffentlichte flugs einen Zusammenschnitt von Auftritten von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, wie er entgegen aller Behauptungen immer wieder “Frohe Weihnachten” wünschte. 

 Moderator Billy Eichner schrieb: “Ist dies hier nicht eine heilige und von Spiritualität geprägte Nacht für Sie? Wo ist Ihre Familie? Warum twittern Sie?” 

Isn't this a very holy and spiritual night for you? Where is your family? Why are you tweeting? But as long as you're reading this, fuck you. https://t.co/OofJ2ubRoU

— billy eichner (@billyeichner) 25. Dezember 2017

 Der Kommunikationswissenschaftler Zaki Hasan beschimpfte Trump als “krankhaften Narzissten”. 

There was never assault on saying “Merry Christmas,” you delusional narcissist. https://t.co/Sr5bV1oTjV

— Zaki Hasan (@zakiscorner) 25. Dezember 2017

Auf den Weihnachtsgruß habe es keinen Angriff gegeben, wohl aber auf Anstand, soziale Normen, das Rechtssystem, die Pressefreiheit, die Trennung von Staat und Kirche, die Freiheit und des Internet, eine bezahlbare Krankenversicherung, schrieb Hasan.

In all diesen Punkten hat Trump laut seinen Kritikern versagt.

Thing there’s never been an assault on:
- Saying “Merry Christmas”

Things he’s actively leading an assault on:
- Decency
- Social norms
- The rule of law
- Freedom of press
- Separation of church & state
- A free and open Internet
- Affordable and accessible healthcare

— Zaki Hasan (@zakiscorner) 25. Dezember 2017

Autor Wayne Gladstone twitterte: “Es hat mir nie etwas ausgemacht, wenn mir jemand frohe Weihnachten gewünscht hat, bis Trump Präsident wurde.”

I never minded people wishing me a Merry Christmas UNTIL Trump was President.

— Gladstone (@WGladstone) 25. Dezember 2017

Danny Zuker vom TV-Sender ABC spottete: “Es ist kaum zu glauben, dass nur ein Jahr, nachdem Menschen für den Gruß ‘Frohe Weihnachten’ im Gefängnis landeten, wir alles sagen können, was wir wollen. Außer ‘Diversität’, ‘Fötus’, ‘Transgender’, ‘verletzlich’, ‘Befugnis’, ‘wissenschaftliche begründet’, ‘evidenzbasiert’.”

Hard to believe that only a year ago people were thrown in jail for saying "Merry Christmas" but now thanks to @RealDonaldTrump we can say anything we want.. except "Diversity," "fetus," "transgender," "vulnerable," "entitlement," "science-based" and "evidence-based." #Freedumb

— Danny Zuker (@DannyZuker) 24. Dezember 2017

Die Trump-Regierung hatte kürzlich einer US-Gesundheitsbehörde eine Liste vorgelegt – mit diesen sieben verbotenen Wörtern. 

Ein Sprechverbot, das kein Mythos ist. Sondern in der Behörde schwarz auf weiß vorlag.

Mehr zum Thema: Gut, besser, Donald: Wie Trump die US-Bürger nach seiner Beliebtheit fragt 

(ll)