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06/12/2018 12:04 CET | Aktualisiert 06/12/2018 12:04 CET

Der innere Kern

Mein Kumpel sagte immer: “Die Menschen brauchen jemanden, den es schlechter geht”. An diesem schäbigen Satz ist leider viel Wahres dran. Sobald du dich auf den Weg machst, um dein Leben in die Hand zu nehmen und es dir dadurch sichtlich besser geht, wirst du automatisch angefeindet. Ja nicht nur das! Du wirst belächelt, stehst als Sonderling da und bist ständig Gesprächsthema. Keiner möchte, dass du glücklich bist. Sie gönnen dir nicht die Butter auf dem Brot. Ich kann leider ein Lied davon singen.

Es gibt zwei Wege damit umzugehen.

Der Erste ist der denkbar schlechteste und bringt dir sehr viel negative Energie. Jahrelang wandelte ich auf diesen Pfaden, bis ich letztendlich einsehen musste: “Diesen Weg kannst du nicht gewinnen”. Es ist der Weg der Rechtfertigung, der Diskussion, der Überzeugung, des Nachdenkens und des Rückzugs.

Der zweite Weg kann dich dein Leben lang begleiten und wird dir inneren Frieden bringen. Doch so schön sich dieses Ziel anhört, dieser zweite Weg birgt viele Löcher, in die du täglich fallen wirst. Jedoch lernst du nach einiger Zeit wie man leichter aus diesen Löcher wieder heraus kommst. Irgendwann läufst du drumherum, lässt dein altes Leben hinter dir und nimmst die Anfeindungen deiner Mitmenschen, die bösen Worte, die seltsamen Blicke gar nicht mehr war. Selbstbewusstsein wird dein neuer Wegbegleiter.  Ihr wollt wissen, wie das geht?

Indem man sich mit seinen inneren Kern verbindet!

Den innere Kern (so nenne ich ihn) trägt ein jeder in sich. Es ist so etwas wie das Urvertrauen, eine Stimme, die dich leitet. Jedoch haben wir diesen Kern im Alltag verloren, irren umher und lenken uns mit sinnlosen Dingen ab. Sich auf die Suche nach dem inneren Kern zu begeben, ist das Wertvollste, was du tun kann. Es macht dich selbstbewusst, glücklich, liebevoll und aufmerksam. Du hörst auf, dein Leben in Frage zu stellen und erntest Selbstliebe. An dieser Stelle möchte ich euch meinen Weg erzählen und wie er mir bei der Suche hilft, meinen inneren Kern immer wiederzufinden. Gerade die Vorweihnachtszeit, wo man täglich starke Aggressivität spürt, ist ein guter Zeitpunkt, um sich auf die Suche zu begeben.

1. Meditation

Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben! Als ich damals mit meinen Ängsten und Depressionen zu kämpfen hatte, sagte ein Arzt so salopp „Der Königsweg ist die Meditation“. Da ich nicht viel zu verlieren hatte, probierte ich es einfach mal aus, brach jedoch nach ein paar Wochen wieder ab. Es gab zu viel Unruhe in meinem Kopf, zu viel, das mich vom Meditieren abhielt. Anfangs machte ich die Meditation abends, direkt nach der Arbeit. Meine Erwartungen an die Meditation waren viel zu hoch und das Umfeld meist nicht ideal. Damals hätte ich mir gewünscht, jemand hätte mir meine Fehler erklärt. Ich verlinke euch mal ein Video, dass sehr gut und kurz beschreibt, wie man mit Meditieren beginnt:

Heute meditiere ich direkt nach dem Aufstehen für 30 Minuten. Dafür stelle ich mir meinen Wecker gern auf 5.30 Uhr. 30 Minuten sind jedoch für den Anfang viel zu lang. Wenn ihr es ausprobieren wollt, beginnt mit 3 Minuten. Richtet euch einen Platz ein, wo ihr euch immer zum Meditieren zurückziehen könnt. Dieser sollte nie hin- oder weggeräumt werden. Nehmt eine bequeme Sitz- oder Liegehaltung ein. Wichtig ist, dass ihr entspannen könnt!

Und jetzt kommt das Wichtigste! Euch werden anfangs tausende Gedanken in den Kopf schießen. Schließlich ist unser Geist die Ruhe nicht mehr gewöhnt. Drückt diese Gedanken nicht beiseite, sondern beobachtet sie einfach nur. Sie kommen und gehen, wie Wolken am Himmel. Nach einiger Zeit (bei mir hat es zwei Wochen gedauert), werden die Gedanken allmählich weniger. Nach einem halben Jahr gibt es dann auch Phasen, an denen man an nichts mehr denkt. In diesen Momenten spürt man seinen inneren Kern sehr genau. Jedoch sollte man keine Ansprüche an die Meditation haben. Sie ist jeden Tag anders und ein Spiegel deines Geistes.

Wenn ihr Meditation regelmäßig betreibt (am besten jeden Tag), werdet ihr merken wie ihr im Alltag gelassener werdet und euch viel besser auf Dinge konzentrieren könnt. Ihr seid nicht mehr so reizbar und geht gelassen durch die Welt.

2. Achtsamkeit

Die Meditation bringt gar nichts, wenn man sie nicht mit in den Alltag nimmt. Über Achtsamkeit habe ich schon einen BLOG verfasst, es ist für mich immer noch die größte Hürde und bedarf die meiste Übung. Hinter Achtsamkeit steht „bei der Sache zu bleiben“, was gar nicht so einfach ist. Versuche mal an nichts zu denken, wenn du den Geschirrspüler ausräumst. Gerade bei alltäglichen Dingen gerät unser Geist oft auf Abwegen und man nimmt sich wieder seiner Gedanken an. Dieses dauerhafte Denken und Grübeln macht einen jedoch irgendwann krank.

Anfangen kann man mit ganz kleinen Übungen wie z.B. einfach mal das Radio auslassen, wenn man Auto fährt, beim Zähneputzen sich auf das Zähneputzen zu fokussieren oder (was ich gar nicht gut kann) bei einem Gespräch aktiv zuhören, an des anderen Worten hängen, die Pausen mithören und ausreden lassen. Ich denke Achtsamkeit ist eine Lebensübung. Man beginnt sie jeden Tag aufs Neue.

Eine Morgenroutine etablieren

Als damals mein Wecker klingelte, gingen die Hektik und mein Alltag sofort los. Ich nahm mein Handy und schon begann das Gedankenkarussell zu kreisen. Um entspannt und voller Energie in den Tag zu starten, habe ich eine Morgenroutine etabliert. Die Ruhe und Frische in den Morgenstunden ist durch nichts zu ersetzen. Meine Morgenroutine sieht folgendermaßen aus:

  • Aufstehen (5.30 Uhr)
  • Ein großes Glas warmes Zitronenwasser trinken (gut für den Magen)
  • 10-30 min meditieren
  • 5 min Pranajama bei offenen Fenster (Atemübung)
  • 10 min Yoga
  • ein gesundes Frühstück

Das klingt erst mal sehr viel, jedoch sind 30 Minuten gut investierte Zeit, um viel frischer und lebendiger in den Tag zu starten. Ihr werdet es lieben und irgendwann gehört es zu eurem Alltag wie das Zähneputzen. Jede Morgenroutine kann individuell aussehen, wichtig ist es nur, sie zu einem Ritual zu machen.

3. Pranajama

Das mächtigste und unterschätze Tool in uns, ist unsere Atmung. Doch leider nutzen sie nur sehr wenige richtig. Ich bin durch meinen Yogakurs auf Pranajama gestoßen und seitdem großer Verehrer diverser Atemübungen. Nachdem ich sie ausgeführt habe, könnte ich Bäume ausreißen. Der ganze Körper ist voller Sauerstoff, alle Zellen sind voller Energie. Man kann sie immer und überall anwenden, sie sind belebend und beruhigend. Atmung ist Leben! Eine harmonisierende Übung seht ihr in diesem Video:

4. Yoga Asanas

Im Yoga werden die körperlichen Übungen und Abläufe Ananas genannt. Der Bekannteste ist der Sonnengruß, den ich jeden Morgen ein paar Mal durchlaufe. Dabei wird mein Körper aktiviert und gedehnt, er geht in Bewegung und nächtliche Blockaden lösen sich. Am besten ist es, vorher mal einen Kurs zu besuchen, um die Übungen gezeigt zu bekommen. Ich kann jedem empfehlen, Yoga einmal  auszuprobieren, es ist ein super Ausgleich zum täglichen Sitzen und zu jeglicher Sportart. Es stärkt die Muskulatur, man wird beweglich und bekommt ein gutes Körpergefühl. Durch die Bewegung und dem Atem findet man zu sich und kann schon mal in einen richtigen “Flow” geraten. Wichtig ist, wie in jeder anderen Sportart auch, die Herangehensweise. Als ich mit Yoga begann, wollte ich schnell Erfolge sehen. Muskeln aufbauen und beweglich werden. Heute weiß ich, dass der Weg das Ziel ist und mit der Zeit die Erfolge von ganz allein kommen. Macht die Übungen mit Bedacht und Genuss, dann bekommt ihr auch noch ein große Portion Glückseligkeit obendrauf.

5. Dankbarkeit.

Hier muss ich mal wieder meine Großeltern ins Spiel bringen. Sie hatten sich nach dem Krieg mühevoll etwas aufgebaut und waren dankbar darüber. Es ist bewiesen, dass Dankbarkeit im Gehirn dieselben Arsenale nutzt wie negative Gedanken, Angst und Wut. Wenn das eine überwiegt, ist für das andere kein Platz mehr. Ich habe eine einfache Übung, die ich jeden Tag beim Zähneputzen oder nach der Meditation mache. Richte deinen Geist auf Dinge, über die du dankbar bist. Das können Situationen, Menschen oder Dinge sein. Nach einiger Zeit wirst du feststellen, was dir wichtig ist und was nicht. Wo wir schon beim nächsten Thema wären…

6. Das Leben reduzieren

Irgendwie begleitet mich dieses Thema schon immer. Ich fand es schon als Kind faszinierend im Minimum zu leben, wenig zu besitzen und in einem aufgeräumten Umfeld zu sein. Nicht immer freut es mein Umfeld, wenn ich ständig aufräume. Jedoch schafft mir dieses Aufräumen einen klaren Kopf. Aus diesem Grund begebe ich mich nicht gern in Häuser, die so vollgestellt sind. Es überfordert mich einfach. Ich denke man kann nur eine begrenzte Anzahl an Dingen schätzen und lieben. Deshalb besitze ich lieber weniger und pflege diese Dinge umso mehr. Das Leben zu reduzieren, macht einiges leichter. Und es schont die Ressourcen unserer Erde.

7. Selbstliebe

Wie können wir andere Menschen lieben, wenn wir uns selbst nicht achten. Hätte ich damals mehr Selbstliebe in mir getragen, wäre ich nicht zu McFit gegangen, um mit aller Macht muskulös zu werden. Ich hätte mir keine Essstörung angeeignet und sehr viel „kaputt gemacht“. Ich entsprach nie dem  Ideal, welches ich mir selbst aufoktroyiert hatte. Stark, muskulös, kräftig. Jedoch zerstörst du mit einem falschen Selbstbild, dem du tagtäglich hinterher rennst, deine Psyche. Wenn heute jemand zu mir sagt „Herr Tasch, sie sind aber dünn“, antworte ich souverän „Ja, und ich liebe es!“ Gerade was das Thema Körper angeht, laufen viele einem bestimmten Ideal hinterher. Doch wenn ihr euch verändern wollt, stellt euch die Frage „Möchte ich das oder denke ich, dass es andere wollen.“ Mit der Selbstliebe kommt auch das Selbstbewusstsein zurück. Eine sehr gesundheitsfördernde Eigenschaft.

8. Einen “geraden” Weg gehen

Und hier lag und noch manchmal liegt meine allergrößte Schwäche. Ich ließ mich zu sehr beeinflussen, sei es vom Internet oder von den Meinungen anderer. Gerade was die Themen Ernährung und Gesundheit angingen. Hatte ich eine Ernährungsform begonnen, lief ich den nächstenTag schon wieder einer Neuen hinterher. Hatte ich irgendetwas im Internet gelesen, musste ich es sofort ausprobieren. Je mehr du zu dir findest, desto mehr lernst du, deinem Weg zu vertrauen. Dein Körper sagt dir genau, was gut für dich ist. Wenn du lernst,auf deinen inneren Kern zu hören, kannst du all die ganzen Ernährungs- und Gesundheitstips über den Haufen werfen.

9. Seine Werte kennen

Zu einer klaren Richtung gehören Werte. Dieser sollte man sich immer bewusst sein. Ich habe mir fünf herausgesucht, die ich nun in mir trage. Sie bestimmen meine Richtung. Es sind Familie, Kreativität, Ruhe, Ordnung und Harmonie. Eine Werteliste findest du unter diesem Video:

10. Gesund essen

Dieser Punkt stand bei mir sonst immer an erster Stelle. Im Laufe der Zeit hat er immer mehr an Stellenwert verloren. Zum Thema Essen gibt es viele Mythen und ich habe auch schon gefühlt alle Ernährungsformen ausprobiert. Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen und ist von Mensch zu Mensch individuell. Heute kann ich nicht mehr sagen, dass eine vegane Ernährung gesund ist. Genauso nicht die Paleo Ernährung, die genau in die andere Richtung zielt. Ich halte es für wichtig „lebendige“ Lebensmittel zu verwenden. Das gilt für Obst und Gemüse (am besten vom Bauern, frisch geerntet oder selbst angebaut) sowie für tierische Produkte (artgerechte Haltung). Denn nur wo Energie ist, kann Energie fließen. In der yogischen Lehre gibt es die ayurvedische Ernährungsform. Diese beschreibt bestimmte Essgewohnheiten für bestimmte Körpertypen und Lebensumstände. Diesen Ansatz finde ich auch sehr interessant.

11. Bewegung / Sport treiben

Ich liebe das meditative Laufen und versuche es zwei bis dreimal die Woche zu machen. Hier höre ich genau auf meinen Körper, achte auf die Atmung und meinen Puls. Am liebsten laufe ich mit meiner Frau durch den Wald.  Auch spazieren gehen ist ein tägliches Ritual geworden. Direkt nach der Arbeit geht es raus in die Natur. Da ist ein „scheiß“ Tag schnell vergessen.

Aller Anfang birgt ein Zauber inne, sagte Goethe einmal. Manchmal beginnt man etwas und der Rest folgt von allein. Ich wünsche euch viel Glück bei der Suche sowie eine entspannte Weihnachtszeit ohne Stress und Anfeindungen 🙂

Namaste