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24/03/2018 16:10 CET | Aktualisiert 24/03/2018 21:15 CET

Attentat in Frankreich: Was wir über den Polizisten wissen, der sein Leben für die Geiseln gab

Arnaud Beltrame starb an einem Schuss in den Hals.

  • Frankreich feiert den Polizisten, der bei einer Geiselnahme sein Leben verloren hat
  • Spitzenpolitiker nennen ihn einen Helden 

Ein Attentäter schießt auf einen Autofahrer, tötet den Beifahrer, raubt das Auto. Schießt auf fußballspielende Polizisten. Stürmt später in einen Supermarkt, erschießt dort zwei Menschen und nimmt Geiseln.

Ein Mann begibt sich im Austausch für eine oder mehrere Geiseln in die Gewalt des Angreifers. Wird, warum auch immer, selbst in den Hals geschossen und stirbt Stunden später.

So geschehen in Südfrankreich am gestrigen Freitag. Der Mann, der sein Leben für das anderer eintauschte, war Oberstleutnant Arnaud Beltrame. 

Wer war der Mann, der sich sich für Geiseln austauschen ließ?

Frankreich gedenkt nun Beltrame. Und fragt sich, wer dieser Mann eigentlich war. 

► Beltrame war 45 Jahre alt, verheiratet und hatte keine Kinder.

► Er hatte die Militärakademie Saint-Cyr in Coëtquidan in der Bretagne absolviert und 1999 die renommierte Ausbildungsstätte als Jahresbester verlassen.

► Im Jahr 2003 wurde er in die GSIGN aufgenommen, eine Spezialeinheit der Gendarmerie mit dem Einsatzschwerpunkt der Terrorismusbekämpfung.

► Zwei Jahre später wurde er zum Einsatz in den Irak geschickt. Für seine Verdienste erhielt er 2005 das militärische Verdienstkreuz.

Nach weiteren Karrieresprüngen wurde er 2017 stellvertretender Kommandeur der Gendarmerie in Aude. 

► Beltrame hatte laut der Tageszeitung “La Dépêche du Midi” am 14. Dezember 2017 zusammen mit der Präfektur und der lokalen Feuerwehr in Carcassonne eine Anti-Terrorübung organisiert: Dabei wurde ein Angriff auf einen Supermarkt simuliert.

Der Held

► Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Beltrame sei ein Soldat, der niemals aufgab, der Mut und einzigartige Kaltblütigkeit zeigte: “Er ist als Held gefallen.” 

“Gestorben für das Vaterland”, schrieb Innenminister Gérard Collomb auf seinem Twitter-Account in der Nacht zum Samstag. Collomb schreibt dabei von Heldentum und von Mut.

► Als jemanden, der schon immer alles für sein Vaterland gegeben habe, beschreibt ihn seine Mutter. Sie habe sofort gewusst, dass er es gewesen sei, der sich habe eintauschen lassen, erklärte sie dem französischen Radiosender RTL.

► Auch sein Bruder Cédric hat in der selbstlosen Tat seinen Bruder wiedererkannt. Der habe getan, was er habe tun müssen, sagte er RTL. Sein Bruder habe gewusst, dass er keine Chance hatte.

Selbst Berufsskeptiker wie der Nahost-Journalist Karim El-Gawhary, der mit dem Heldenbegriff nicht gerade um sich wirft, schrieb vom Helden Beltrame.

Der deutsche Grünen-Politiker Omid Nouripour, von Berufs wegen unverdächtig, Uniformierte über Gebühr zu loben, schrieb von einem “wahren Helden”, der “Menschenleben vor der Barbarei” gerettet habe.

Jetzt liegt es an Frankreich, menschlich zu sein

Es ist gut, wenn nach einem Drama wie dem von Frankreich nicht der Attentäter im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Wenn nicht der die Aufmerksamkeit bekommt, der gemordet hat und wohl auf diese furchtbare Bekanntheit spekuliert hat. 

Es ist gut, wenn der Einsatz für andere den Respekt bekommt, den er verdient.

Und es wäre gut, wenn das Mitgefühl mit den Opfern jetzt nicht dazu führt, dass der Hass auf andere wächst. Jene etwa, die das Pech haben, die gleiche Herkunft zu haben wie der Attentäter, ein marokkanischer Einwanderer. Sondern wenn die Trauer die Menschen zusammenbringen würde im Widerstand gegen Verbrecher. 

Mit Material von dpa

(nmi)