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13/03/2018 20:42 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:42 CET

Der Arbeitsmarkt der Zukunft

Wir befinden uns mitten in einem grundlegenden Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Das betrifft sowohl die Gestaltung von Arbeit als auch die Suche nach neuen Arbeitskräften. In beiden Bereichen entstehen durch den Wandel einschneidende Veränderungen und Entwicklungen, die Unternehmen sowie Arbeitnehmer beachten müssen. Der Arbeitsmarkt der Zukunft wartet mit vielen Herausforderungen auf. Es muss daher ein Umdenken in den HR-Abteilungen stattfinden und die Arbeitskräfte erfahren neue Möglichkeiten, sich zu präsentieren.

Das klassische Vorstellungsgespräch gibt es selbstverständlich immer noch, nur der Weg dorthin ist mittlerweile im Vergleich mit der Vergangenheit häufig ein anderer. Bildquelle: fizkes - 653243836 / Shutterstock.com

Die Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt verändern sich stark. In den letzten Jahren haben wir eine Entwicklung hin zu einem Bewerbermarkt beobachtet. In der Vergangenheit waren die Unternehmen in einer verheißungsvollen Position, da sie aus einer Vielzahl an Bewerbern die präferierten Kandidaten auswählen konnten. Heutzutage sieht das in vielen Bereichen – vor allem in der IT und dem Finanzsektor – anders aus.

Die Unternehmen finden immer seltener respektive langsamer eine adäquate Arbeitskraft für vakante Positionen. Das führt natürlich zu erhöhten Kosten im Bereich des Personalmanagements, betrifft aber ebenfalls das laufende Geschäft. Ist eine Stelle nicht besetzt, kann diese auch nicht zum Umsatz des Unternehmens beitragen. Somit entstehen zu den höheren Kosten weitere Opportunitätskosten.

Begründet liegt diese Entwicklung unter anderem im demographischen Wandel und der niedrigen Geburtenrate in Deutschland. In einigen Branchen bildete sich womöglich so ein weiter verschärfender Führungskräftemangel. Aber auch die Werte der Generationen befinden sich im Wandel, allen voran der Generation Y, die die Menschen beschreibt, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind. Der Fokus wir verstärkt auf Selbstverwirklichung sowie Familie, Freunde und Zufriedenheit (Work Life Balance) gesetzt. Karriere und Erfolg stehen nicht mehr so stark im Vordergrund.

Das heißt natürlich nicht, dass die frischen Arbeitskräfte nicht arbeiten wollen. Es ist aber in Verbindung mit dem Fachkräftemangel dadurch schwieriger für Unternehmen, Arbeitskräfte von sich zu überzeugen. Um dennoch geeignete Arbeitnehmer zu finden, gehen die Unternehmen verschiedene Wege, die auch durch die Digitalisierung gestützt sowie verändert werden:

  • Digital gestützte Mitarbeitersuche über Internet-Jobbörsen und Plattformen wie LinkedIn und Xing
  • Outsourcing der Personalsuche an private Dienstleister, beispielsweise durch Outplacement, Headhunter und Recruiting-Unternehmen
  • Verstärkte Präsenz im Internet (Karriere-Website) und auf Social-Media-Plattformen

Kleine Unternehmen nutzen bei der Mitarbeitersuche derweil weniger Wege als größere Firmen oder gar Konzerne. Hier liegt der Fokus weiterhin auf der Vermittlung über die Bundesagentur für Arbeit, herkömmliche Stellenausschreibungen und persönlichen Kontakten. In größeren Unternehmen steht indes mehr Geld zur Verfügung, andere Wege zu gehen. Hauptsächlich aufgrund des Führungskräftemangels ist dies bei hochqualifizierten Arbeitskräften zwingend erforderlich.

Die KI als Partner der HR-Systeme

Immer mehr Unternehmen nutzen aufgrund des Zeitbedarfs und der Kosten für die Besetzung von vakanten Stellen daher die Dienstleistungen von Personalvermittlern. Doch es gibt auch Entwicklungen, die die HR-Abteilungen und -Dienstleister in Zukunft obsolet werden lassen könnten. Oder sie werden zumindest weniger wichtig. Die Digitalisierung wird auch in diesem Bereich Veränderungen nach sich ziehen. Neue Möglichkeiten entstehen beispielsweise durch künstliche Intelligenz und die Blockchain-Technologie.

Das Projekt von IAMHERO kombiniert diese Technologien in einer Plattform, um Arbeitssuchende und Arbeitgeber zusammenzubringen. Dabei wird auch auf die besonderen Umstände der Generation Y eingegangen. Die Arbeitnehmer können sich hier auf die Herausstellung ihrer Fähigkeiten konzentrieren und werden nicht durch Stellenausschreibungen beeinflusst, auf die sie Bezug nehmen. Das ist bei erster Betrachtung nicht groß anders als bei Internet-Plattformen und der Entwicklung des Profils. Allerdings verknüpft IAMHERO das Konzept mit künstlicher Intelligenz.

Die KI ist für das passende Matching verantwortlich, indem es die Anforderungen der Stellen mit den Profilen der Kandidaten vergleicht. Durch den stetigen Abgleich der Vakanzen und etwaige Erweiterungen bzw. Aktualisierungen des Profils seitens der Arbeitssuchenden entsteht somit ein Matching, dass authentischer und dynamischer ist als bei den herkömmlichen Varianten. Dadurch wird bei dieser Art der Vermittlung bereits im Vorfeld mehr Wert auf die Persönlichkeitswerte als auf Qualifikation und Erfahrung, auf die sich Personaler vorrangig konzentrieren, gelegt. Das könnte für eine passendere Besetzung der Jobs sorgen.

Aber das heißt nicht unbedingt, dass die KI Personaler oder ganze HR-Abteilungen obsolet machen. Dennoch lässt sich in diesem Bereich auch der Trend „weniger ist mehr“ erkennen. Einige Unternehmen verzichten mittlerweile komplett auf die Personalsuche und geben diese Aufgaben an Dienstleister ab.

Ein Großteil der Experten ist derweil der Auffassung, dass die KI in Zukunft für HR-Systeme eine wesentliche Rolle spielen wird. Dabei muss die KI aber nicht die HR ersetzen, kann aber unterstützen. Wie beschrieben, sind hier zunächst Konzepte im Bereich des Recruiting angedacht, aber auch in der Kompetenzentwicklung wird die KI nützlich sein. Ob sich HR-Abteilungen dann vornehmlich um Verwaltungsaufgaben kümmern, wird die Entwicklung zeigen.

Der globalisierte Arbeitsmarkt

Betrachtet man in diesem Zusammenhang den Makrokosmos, ist dies gar für ganze Volkswirtschaften interessant. Durch die Globalisierung und das Zusammenwachsen der Arbeitswelt kämpfen die Unternehmen in einem globalen Wettbewerb um Arbeitskräfte. Dabei kommt es den Arbeitnehmern nicht nur auf ein hohes Gehalt an. Die Menschen wünschen sich in erster Linie akzeptable Wochenarbeitszeiten in Jobs, die nicht krankmachen und ausreichend entlohnt werden.

Hier bestehen im Ländervergleich logischerweise große Diskrepanzen. Der Arbeitsmarkt der Zukunft ist ein globaler. Manche sehen hier weiteres Konfliktpotential und sprechen gar vom Krieg der Zukunft auf dem Arbeitsmarkt. In Deutschland befinden sich bereits viele Unternehmen in diesem Kampf, Fachleute sprechen vom „War of Talents“. Die Digitalisierung und die KI werden indes nicht nur für Lösungen in diesen Kampf sorgen, sondern verstärken diesen teilweise auch. Studien gehen davon aus, dass allein in Deutschland Millionen Jobs durch die Digitalisierung gefährdet sind.

Allerdings schafft die Digitalisierung auch neue Arbeitsplätze und Aufgaben, für die jedoch qualifizierte Fachkräfte vonnöten sind. Die Volkswirtschaften haben ihrerseits also die Aufgabe, für die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. In erster Linie sind hier Bildung und Infrastruktur zu nennen. Selbst in Deutschland sind das Bereiche, die der erforderlichen Entwicklung nicht nachkommen. Zeit bleibt kaum, denn die Digitalisierung ist rasant wie Eishockey.

Bildquelle: fizkes – 653243836 / Shutterstock.com