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12/03/2018 11:26 CET | Aktualisiert 12/03/2018 14:05 CET

Wie ihr mit 8 kleinen Gesten eurem depressiven Partner helfen könnt

Dein Partner braucht dich jetzt mehr als je zuvor.

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Schon Kleinigkeiten können bei Depressionen helfen.
  • Depressionen werden oft nicht erkannt, gesehen und diagnostiziert
  • Psychologen geben Tipps, wie du deinen Partner unterstützen kannst, wenn du vermutest, dass er an einer Depression leidet

Wenn du in einer Beziehung mit einem Menschen bist, der an Depressionen leidet, dann erlebst du diese Person in ihren verletzlichsten Momenten. Und du weißt, welche schwere Last sie Tag für Tag mit sich herumschleppen.

Wie kannst du deinen Partner am besten im Umgang mit seinen Depressionen unterstützen? Und wie kannst du ihn dazu motivieren, sich Hilfe zu holen?

Im Folgenden verraten Therapeuten acht kleine aber bedeutungsvolle Tipps, mit denen du sofort anfangen kannst.

Mehr zum Thema: 12 Dinge, die du wissen musst, wenn du einen Menschen mit Depressionen liebst

1. Schraube deine Erwartungen herunter

Wenn man depressiv ist, kann es sich bereits wie eine unüberwindbare Herausforderung anfühlen, sich morgens überhaupt aus dem Bett zu schleppen.

Du solltest akzeptieren, dass das Energie-Level deines Partners permanent niedrig ist. Deshalb solltest du auch mal ein Auge zudrücken, wenn du bemerkst, dass dein Partner seinen Haushaltsaufgaben einfach nicht nachkommt.

“Wenn man selbst noch nie unter Depressionen gelitten hat, ist es sehr schwer, diesen totalen Mangel an Motivation nachvollziehen zu können”, sagte Amanda Deverich, eine Ehe- und Familientherapeutin aus Williamsburg im amerikanischen Virginia.

“Kritik verstärkt bei depressiven Menschen das Gefühl der Hilflosigkeit, anstatt sie motivieren. Depressionen können lange dauern, und die Heilung geht meist nur in kleinen Schritten voran. Konzentriere deine Energie darauf, deinen Partner auf produktive Weise zu unterstützen. Du musst jetzt sehr viel Geduld haben.”

2. Zuhören

Erkläre den Betroffenen nicht, was sie tun müssen, damit es ihnen besser geht. Höre ihnen stattdessen lieber einfach zu.

Du wärst wahrscheinlich bereit, für deinen Partner Berge zu versetzen. Doch du kannst seine Probleme nicht einfach so auf eigene Faust lösen. Vor allem nicht, wenn es um eine so ernsthafte Erkrankung wie Depressionen geht.

Was du jedoch tun kannst, ist deinem Partner stets als zuverlässiger Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, wenn er seine Höhen und Tiefen durchmacht, sagte Ryan Howes, ein Psychologe aus dem kalifornischen Pasadena.

“Eines der hilfreichsten Dinge, die du tun kannst, ist es, einfach nur zuzuhören”, so Howes. “Frag deinen Partner, wie es ihm geht oder worüber er gerade nachdenkt. Und dann nimm dich zurück und höre ihm ohne dir ein Urteil zu bilden einfach nur zu.”

Hab Geduld, wenn dein Partner sich noch nicht ausführlich mit seinen Gefühlen befassen will und zwinge ihn nicht dazu, sich dir mehr zu öffnen, riet Howes.

“Eines der wichtigsten Symptome von Depressionen ist ein vermindertes Energielevel. Und deshalb kann es etwas Zeit und Mühen kosten, bis die Betroffenen es schaffen, ihre Gedanken zu äußern”, erklärte Howes.

Doch wenn sie wenigstens ein paar ihrer Gefühle zum Ausdruck bringen können, kann das allein bereits eine sehr wertvolle Übung sein. Vermeide es, ihnen Lösungsvorschläge zu unterbreiten oder ihnen eine Liste mit Dingen vorzulegen, die sie unternehmen sollten, wenn sie dich nicht explizit darum bitten. Versuch einfach, Mitgefühl mit ihnen zu haben.”

3. Geht gemeinsam raus

Die Natur kann zwar keinen vom Arzt verordneten Behandlungsplan gegen Depressionen ersetzen. Ein Spaziergang durch den Park oder eine Wanderung könnte jedoch die Stimmung deines Partners verbessern, sagte Kurt Smith.

Der Therapeut hat sich auf die Beratung von Männern spezialisiert. Es wäre auch gut, wenn ihr bei eurem Ausflug nach draußen etwas Sonne tanken könntet. Denn wer einen niedrigen Vitamin-D-Wert besitzt, ist anfälliger für Depressionen.

Dies gilt vor allem bei Winterdepressionen, die vor allem in den Wintermonaten auftreten, in denen seltener die Sonne scheint.

“Euer Plan, nach draußen zu gehen, muss nichts Großartiges sein”, sagte Smith. “Überrede deinen Partner, sich etwas zu bewegen, einen Spaziergang zu machen oder sonst eine Aktivität zu unternehmen, die ihm Spaß macht. Du wirst höchstwahrscheinlich erst einmal auf Widerstand stoßen. Deshalb solltest du dich darauf vorbereiten, hartnäckig zu bleiben.”

4. Hilf deinem Partner bei der Suche nach einem Therapeuten

Du bist vielleicht stolz darauf, dass du ein guter Zuhörer bist. Doch trotzdem kannst du deinem Partner nicht die offenen, objektiven Ratschläge geben, die ein erfahrener Therapeut ihm geben kann.

Es ist wichtig, einen qualifizierten Therapeuten zu finden. Wie Howes jedoch sagte, kann diese Suche sehr anstrengend sein ― vor allem, wenn man an Depressionen leidet. Und hier kommst du ins Spiel: Suche ein paar Spezialisten heraus und zeige deinem Partner anschließend deine Auswahl.

Das geht zum Beispiel auf den Seiten der Deutschen Psychologen-Akademie, der Bundestherapeutenkammer, oder der regional organisierten Kassenärztlichen Vereinigungen. Einige von ihnen bieten außerdem an, Patienten konkret Therapeuten mit freien Plätzen in ihrer Nähe zu nennen.

Anschließend solltest du die Liste nach dem Ort, den Kosten oder der akzeptierten Versicherungsart, nach einer Spezialisierung auf Depressionen, nach dem bevorzugten Geschlecht des Therapeuten (falls das eine Rolle spielt) und nach den Behandlungsansätzen sortieren.

So kannst du deinem Partner dabei helfen, zwei bis drei möglicherweise passende Therapeuten zu finden”, sagte Howes.

Du kannst den ersten Termin für deinen Partner vereinbaren und ihn dazu ermuntern, dass er die weiteren Termine später selbst ausmacht.

“Und dann lass einfach los”, sagte Howes. “Die Therapie liegt nun ganz in der Hand deines Partners und er braucht niemanden, der ihm dabei im Nacken sitzt.”

5. Bereite leckere, gesunde Mahlzeiten zu

Es kann gut sein, dass dein Partner aufgrund seiner Depressionen in letzter Zeit nur noch Speisen zu sich genommen hat, die sehr schnell und einfach zuzubereiten sind, die jedoch nicht besonders nährstoffreich sind.

Doch damit muss jetzt Schluss sein.

Auch wenn du sonst zu Hause eher seltener das Kochen übernimmst, solltest du dich darum bemühen, gesunde und appetitanregende Mahlzeiten für euch beide zuzubereiten, sagte Isiah McKimmie, eine Paartherapeutin und Sexologin aus dem australischen Melbourne.

“Wenn du für deinen Partner ein Abendessen zubereitest, nimmst du ihm eine seiner Aufgaben ab und er fühlt sich dadurch von dir unterstützt”, so die Therapeutin. “Ernährung und Essen sind wichtig, damit wir wieder auf die Füße kommen.

Wenn du deinem Partner also gesundes, nahrhaftes Essen zubereitest, hilfst du ihm dabei, sich auch innerlich wieder besser zu fühlen.”

Mehr zum Thema: Die Ursache von Depressionen geht auf fünf Erfahrungen aus der Kindheit zurück

6. Nimm die Depression deines Partners ernst

Leider wird in unserer Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen noch immer anders umgegangen als mit körperlichen Beschwerden. Depressionen werden oft als Charakterschwäche betrachtet. Und von den Betroffenen wird erwartet, dass sie einfach “wieder damit aufhören” sollen.

Doch mit solchen Aussagen hilfst du deinem Partner ganz offensichtlich überhaupt nicht.

Stattdessen solltest du ihm sagen, dass du verstehst, was er gerade durchmacht. Und du solltest ihn daran erinnern, dass du ihm im Kampf gegen die Depressionen als gleichwertiger Partner zur Seite stehst, sagte Howes.

Psychische Erkrankungen können ebenso schwächend sein wie Krebs. Und der Betroffene hat ebenso wenig Schuld an der Erkrankung wie bei jeder anderen Krankheit”, sagte Howes.

“Wenn du zu deinem Partner stehst, kann ihm das dabei helfen, große Fortschritte zu machen. Außerdem verhinderst du dadurch, dass zu seinen ohnehin bereits beträchtlichen Problemen auch noch Scham hinzukommt.

Betrachte die Depressionen als einen Virus, den dein Partner sich eingefangen hat. Arbeitet gemeinsam daran, gegen dessen Ursachen, Symptome und Auswirkungen anzukämpfen.

“Verfolge die Einstellung: ‘Du und ich gemeinsam im Kampf gegen die Depressionen’”, fuhr Howes fort.

7. Schmiedet gemeinsame Pläne

Gib deinem Partner etwas, auf das er sich freuen kann. Sucht euch Orte aus, an die ihr fahren wollt. Oder überlegt euch, welche coolen Sachen ihr für euer Zuhause kaufen könntet, sagte Smith.

“Lasst eure Planungen so ernsthaft wie möglich erscheinen. Selbst wenn ihr sie tatsächlich gerade nicht in die Tat umsetzen könnt”, so Smith.

Ihr müsst die Pläne gar nicht unbedingt wahr werden lassen. Es geht vielmehr darum, dass du deinen Partner mit dieser geistigen Übung aus seinen momentanen Gedanken herausholst.”

8. Kümmere dich in erster Linie um dich selbst

Sich um jemanden zu kümmern, der an einer derart zehrenden Krankheit wie Depressionen leidet, ist anstrengend. Und deshalb ist es unglaublich wichtig, dass du dich in erster Linie um dich selbst kümmerst.

Das kann zum Beispiel bedeuten, dass du hin und wieder mit deinen Freunden Basketball spielen gehst oder dass du deine regelmäßigen Termine zur Maniküre oder Pediküre nicht vernachlässigst.

Von diesen Momenten, die dir ganz allein gehören, wird letzten Endes auch dein Partner profitieren, sagte McKimmie. Denn du kannst einen anderen Menschen nicht unterstützen, wenn du selbst keine Kraft mehr hast. Und darüber hinaus ist es für deinen Partner eine große Erleichterung zu sehen, dass es dir gut geht.

“Zusätzlich zu seinen Depressionen macht dein Partner sich möglicherweise Sorgen darüber, welchen Einfluss seine geistige Verfassung auf eure Beziehung haben könnte.

Außerdem hat er vielleicht Angst, dass du ihn verlassen könntest oder dass du irgendwann keine Lust mehr auf ihn haben könntest”, sagte McKimmie.

“Wenn dein Partner hingegen sieht, dass es dir gut geht, muss er sich wenigstens darüber nicht mehr den Kopf zerbrechen. Wenn du auf dich selbst achtest, kannst du auch deinen Partner besser unterstützen.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.