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31/01/2019 16:43 CET | Aktualisiert 31/01/2019 16:43 CET

Depressionen: Mein Traumjob hat mich krank gemacht – so geht es mir heute

Eure Gesundheit ist wichtiger als jeder Job.

Harriett Randall
"Ich liebe es, dass ich heute hauptberuflich tanzen kann"

Die Britin Harriet Randall gab ihren Traumjob auf – für ihre psychische Gesundheit. Heute arbeitet sie als Tanzlehrerin. In ihrem Blog erklärt sie, warum sie ihre Kündigung nicht bereut und warum sie trotzdem manchen Menschen davon abrät. 

Meine Leidenschaft war immer das Tanzen. Als ich nach dem Studium als Event-Managerin für eine renommierte Ballet-Firma arbeitete, fühlte sich das für mich an, als sei ein Traum wahr geworden.

Doch ein paar Jahre später trieben mich das schlechte Betriebsklima, fürchterliche Arbeitszeiten und ein Gehalt, das kaum bis zum Ende des Monats reichte, soweit, dass ich jeden Tag auf der Toilette weinte und mich komplett wertlos fühlte.

Nachdem mir eine Angststörung und Depressionen diagnostiziert wurden und ich verstanden hatte, dass meine Gesundheit (vor allem meine psychische Gesundheit) und mein Leben wichtiger waren als jeder Job, wagte ich es, zu kündigen.

Infos zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen

► Laut der Deutschen Depressionshilfe leiden etwa acht Prozent der Menschen hierzulande unter Depressionen. 

► Im Durchschnitt ist fast jede vierte Frau und fast jeder achte Mann in Deutschland im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. 

► Psychische Erkrankungen allgemein sind die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit: 2017 waren hierzulande über 71.000 Menschen betroffen.

Mehr zum Thema: Gute Mitarbeiter kündigen, wenn ihre Chefs diese 9 Fehler machen

Es dauerte zwar eine Weile, bis ich mich gesundheitlich erholen und beruflich wieder Fuß fassen konnte, aber ich könnte mit meiner Entscheidung nicht glücklicher sein. 

Heute betreibe ich online eine Dance-Fitness-Firma, die Frauen hilft, gesünder und glücklicher zu werden – innerlich wie äußerlich – und gebe Kurse für Burlesque-Tanz.

Harriet Randall
"Heute betreibe ich eine Tanz-Fitness-Firma im Internet, die Frauen hilft, gesünder und glücklicher zu werden."

Nach der Diagnose Depression: Heute tanze ich hauptberuflich 

Ich setze mich für ein bewusstere Wahrnehmung psychischer Krankheiten ein und dafür, Menschen die Bedeutung von Fitness so umfassend wie möglich nahezubringen – sowohl geistig als auch körperlich.

Ich liebe es, dass ich heute nicht nur hauptberuflich tanzen kann – eine Tür, von der ich glaubte, dass sie sich für mich geschlossen hatte –, sondern kann auch anderen Frauen dabei helfen, ihr wahres Potential auszuschöpfen, sowohl im Internet als auch persönlich. Es ist eine sehr erfüllende Tätigkeit.

Nichtsdestotrotz würde ich nicht jedem, der wirklich unglücklich mit dem ist, was er tut, unbedingt empfehlen, den gleichen Weg wie ich einzuschlagen! Nehmt euch etwas Zeit, um zu überlegen, wie euer Leben in einem oder fünf Jahren aussehen soll. Stellt euch die Frage: Welche Dinge tut ihr gerne und welche Dinge machen euch eher unglücklich? Die Antwort darauf hilft euch, einen Fluchtplan zu entwickeln und euch zu fokussieren.

Es ist in Ordnung, Probleme im Job und im Leben zu haben

Mir hat es am meisten geholfen, mit Menschen zu sprechen und komplett ehrlich dazu zu stehen, was in meinem Leben los ist. Habt keine Angst, eure Mitmenschen um Hilfe zu bitten.

Es ist in Ordnung, Probleme im Job und im Leben zu haben. Ihr müsst nur den Willen haben, daran zu arbeiten, eurem Leben eine positive Wendung zu geben.

Ein Unternehmen aufzubauen ist nicht einfach und kann ein einsames Unterfangen sein. Sucht euch eine Gruppe Gleichgesinnter, auch wenn es nur online ist, um Unterstützung zu haben, wenn es mal hart auf hart kommt.

Vergesst vor allem nicht, dass ihr nicht der neue Steve Jobs sein müsst, um ein Unternehmen zu führen. Ihr braucht nur den Antrieb, weiterzumachen, bis ihr Erfolg habt. 

Viel Glück.

Dieser Artikel ist zuerst in der britischen Ausgabe der HuffPost erschienen und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt.

Hinweis der Redaktion: Wenn du das Gefühl hast, dein Leben macht keinen Sinn mehr, wende dich bitte an die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

(ujo)