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19/04/2018 18:32 CEST | Aktualisiert 19/04/2018 18:32 CEST

Denn sie wissen nicht, was sie tun - Warum die Facebook-Debatte eine Farce ist

Das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica hat 50 Millionen Facebook-Daten benutzt, um amerikanische Wähler mit maßgeschneiderten Werbebotschaften dazu zu bewegen, ihr Kreuz bei Donald Trump zu machen. Als Barack Obama seinen Wahlkampf mit Hilfe von Social Media Kanälen wie Facebook gewann, wurde dies als innovativ und kluger Schachzug gewertet. Warum ist dies bei Trump auf einmal empörend?

Dass Facebook sein Geld mit maßgeschneiderter Werbung verdient, dürfte kein Geheimnis sein. Auch dass der Internet-Gigant mit „Audience Insights“ über eine mächtige Geheimwaffe verfügt, mit der er seine Nutzer sehr detailliert durchleuchten kann, ist bekannt. Neben Alter, Geschlecht, Wohnort und Bildungsstand weiß Facebook auch über den Beziehungsstatus, die berufliche Position, persönliche Interessen und Vorlieben sowie das Einkaufsverhalten seiner Nutzer Bescheid. Laut Aussagen von Facebook werden ausschließlich Daten verwendet, die die Nutzer selbst veröffentlicht haben. Die Auswertung der vorher anonymisierten Daten erfolgt nur mit „vertrauenswürdigen Partnern“. Maßgeschneiderte Werbung ist lukrativ Ob Facebook Kundendaten direkt verkauft werden? Nicht auszuschließen. Aber vermutlich nicht, man würde damit das eigene Geschäftsmodell kaputtmachen. Denn nur wenn die Kunden dem Unternehmen vertrauen, werden sie Facebook weiterhin nutzen. Und je mehr Nutzer, desto besser läuft das Geschäft mit personalisierter Werbung.

Dass Facebook mit der Sammlung und Analyse von Kundendaten sehr viel Geld verdient, ist unbestritten. 2017 waren es 40 Milliarden Dollar.

Angeblich hat Cambridge Analytica die Facebook-Daten von Aleksandr Kogan, einem Psychologender Universität Cambridge, der mit dem Einverständnis von Facebook eine Studie zum Thema digitale Freundschaften durchführte. Die Verbindung zwischen Kogan und Facebook scheint hingegen eine längere Historie zu haben. Bereits 2013 stellte ihm der US-Konzern eine größere Menge aggregierter Nutzerdaten zur Verfügung.

Die Facebook-App mit der aktuellen Umfrage ”This is your digital life” wurde nach Angaben von Facebook rund 270.000 Mal heruntergeladen. Nutzer, die an der Umfrage teilnahmen, erklärten sich einverstanden, dass Kogan Zugriff auf ihre Daten bekommt.

Sind die AGB extra kompliziert? Und genau hier liegt der eigentliche Skandal. Sind die AGB mit Absicht so verklausuliert, dass sie ein normal intelligenter Mensch ohne juristische Hilfe nicht versteht? Fallen die AGB mit 70 Seiten extra üppig aus, damit sie niemand liest? Ein Schelm, der Böses dabei denkt. In einer Studie des Instituts für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wiengaben 78 Prozent der Befragten an, die AGB von Facebook bei der Registrierung nicht gelesen oder nur überflogen zu haben. Entsprechend wissen auch nur 37 Prozent der Befragten, dass sie Facebook ihr Einverständnis gegeben haben, Daten zu sammeln und weiterzuverarbeiten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Test eines Fernsehmagazins. Passanten wurden die wichtigsten Facebook AGB in verständlicher Form vorgelegt – mit der Bitte, diese zu unterschreiben. Über 90 Prozent weigerten sich. Die Mitteilung, dass sie diese bei Facebook längst unterschrieben hätten, löste bei den meisten blankes Entsetzen aus.

Muss man den Nutzer vor sich selbst schützen? Bei der ganzen medialen Diskussion wird gerne ausgeblendet, dass die Nutzer sowohl den AGB von Facebook als auch der Umfrage von Kogan zugestimmt haben. Und mal ganz ehrlich, haben Sie die AGB, Datenrichtlinien und Sicherheitshinweise wirklich gelesen? Oder den Privatsphäre-Check durchgeführt? Oder die Sicherheitseinstellungen angepasst? Vermutlich nicht. Doch kann man die eigene Unvorsichtigkeit Facebook zum Vorwurf machen? Nein! Was man allerdings gesetzlich vorschreiben müsste, sind kurze, allgemein verständliche AGB, die von allen verstanden werden. Wie sich der mündige Bürger nach der Lektüre dann entscheidet, bleibt nach wie vor ihm überlassen.