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13/03/2018 20:38 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:38 CET

Den Reichtum der Menschheit verbrannt

Je schneller, desto besser?

Energie ist in dieser Welt der Schlüssel zum Erfolg. Wer genug Nahrung aufnimmt, kann gut funktionieren und viele Nachkommen in die Welt setzen. Hat man im eisigen Winter einen guten Ofen, kommt man besser bis zum Frühjahr durch. Wer im Kampf mehr Energie einbringt, der gewinnt vermutlich. Hat man ein Ziel vor Augen, dann braucht es immer noch die Energie, mit der es erreicht werden kann.

Jedes Tier ist im Endeffekt ein Verbrennungsapparat, auch wenn die Verbrennung ohne Flammen stattfindet. Es wird Energie zugeführt, damit alles funktioniert. Aber auch jede Wirtschaft kann mit einem Ofen verglichen werden – ohne Energie geht er aus und alles steht still. Es ist also eine einfache Aussage, dass die Energie in dieser Welt der Schlüssel zum Erfolg ist, die sich auf sehr viele Bereiche übertragen lässt.

In der Menschheitsgeschichte ist praktisch ab dem Zeitpunkt, ab dem fossile Rohstoffe verwendet werden, ein überproportional steigendes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen, welches mit dem Erdölzeitalter geradezu explodiert. Auch wenn parallel oder auch entgegengesetzt verlaufende Entwicklungen nichts miteinander zu tun haben müssen, so kann hier dennoch diese These aufgestellt werden: Je mehr verbrannte fossile Energie, desto mehr Menschen auf dieser Welt.

Eigentlich ist diese Aussage nicht ganz schlüssig, da mit dem Verbrennen fossiler Energie nicht zugleich mehr Menschen entstehen – oder doch? Fossile Energie oder Erzeugnisse aus Erdöl haben unser Leben soweit vereinfacht, dass wir durch die kältesten Winter kommen und immer genug zu essen haben – zumindest in Deutschland.

Das fossile Zeitalter

Die fossilen Energieträger sind sprichwörtlich der „Reichtum der Menschheit“. Die Menschheit hat zwar nichts dafür gemacht, kann ihn jedoch zu Tage fördern. Und was genau macht sie mit ihrem Reichtum? Sie verbrennt ihn, so schnell sie nur kann. Das Erdölzeitalter fing um ca. 1850 an, der Peak Oil wird um ca. 2050 erreicht sein. Ab diesem Punkt wird sich die weltweite Förderleistung nicht weiter steigern lassen. Es wird also aufgrund versiegender Quellen weniger Erdöl als zuvor gefördert.

Das Bevölkerungswachstum explodiert ab ca. 1700. Vor dem Erdöl holte man immerhin schon viel Kohle aus dem Boden und begann bereits mit der Ausbeutung von Kolonien. Von rund 500 Millionen Menschen in einer unmerklich ansteigenden Bevölkerungskurve ab 600 vor Christi schoss die Bevölkerung in 300 Jahren auf über 7 Milliarden Menschen empor.

Dass die Bevölkerungskurve ab ca. 600 vor Christi sichtbar steigt, geht auf die Fortschritte in der Entwicklung von Rohstoffverarbeitung oder auch gesellschaftliche Entwicklungen zurück. Die Antike und das römische Reich werden gewiss ihren Beitrag geleistet haben, auch in anderen Regionen der Welt gab es Hochkulturen.

Aber ab diesem Moment, ab dem wir „auf Pump“ leben, explodiert die Bevölkerungsentwicklung. Was genau wird denn passieren, wenn wir nicht weiter „auf Pump“ leben können, da uns die Erdölquellen versiegen?

Was wir mit unserem Reichtum machen

Wir stellen erst einmal die Frage, ob es denn besser ist, wenn möglichst viele Menschen leben: Ist es für die Menschen, die gar nicht erst gezeugt werden, denn schlimm, wenn es sie nicht gibt? Nein, wie sollten sie sich dessen denn bewusst werden können, um es schlimm zu finden, nicht zu existieren? Wenn es diese Bevölkerungsexplosion nicht gegeben hätte, wäre keiner der nicht gezeugten Menschen deswegen böse. Wenn der Peak Oil kommt und die Energie raus ist, werden hingegen noch mehr Menschen als jetzt mit ihrem Leben unzufrieden sein.

Aber warum ist das Öl denn schon so schnell durch und warum sind so viele Landschaften zerstört? Nun, die Menschheit hat ihren Reichtum so schnell durch gebracht, wie sie nur konnte. Sie nutzt die fossile Energie, um mit der erzeugten Kraft noch schneller und noch mehr dieser fossilen Energie zu verbrennen. Es gibt mehr Menschen – und all diese Menschen wollen konsumieren. Die meisten wollen ein schnelles Auto, eine große und klimatisierte Wohnung, mehrfach im Jahr in den Urlaub, die neuste Technik und bei dem nicht ausbleibendem Burnout eine Behandlung. Die Menschen dieser Welt wachsen in einer Konsumwelt auf und werden dadurch ganz automatisch emsige Konsumenten. Kaufen, weg werfen, neu kaufen.

Damit nicht genug, im Konsumrausch haben wir alle immer Angst, uns würde jemand etwas weg nehmen und wir hätten bald nicht mehr genug für uns. Warum nicht mit der eigenen starken Wirtschaft oder sogar dem Militär die eigenen Konsuminteressen in anderen Ländern durch drücken, um die Energieflüsse zu sichern? Also fließt ein großer Teil der Energie in die „Sicherung vom Nachschub“. Wir verbrennen viel Öl dafür, dass wir noch mehr Öl erhalten werden.

Im Eiltempo durch den Kamin gebracht

Mal angenommen, wir hätten gewisse Strukturen einstiger Zeiten bewahrt, dann würden wir auch weniger Energie verbrauchen. Wer in der Nähe der Wohnung arbeitet und auch lebt, der braucht kein Auto. Wer doch einmal weite Strecken zurück legen muss, der nimmt halt einen Bus, den Zug oder das Schiff. Viele Produkte hielten ein Leben lang, z.B. Möbel. Das könnte auch heute noch so sein. Anstatt dessen kauft man alles neu, wenn es einen langweilt und wirft das Alte auf den Müll. Zugleich gibt es immer mehr konsumierende Menschen.

Es hat sich etabliert, dass es Rohstofflieferanten und verarbeitende Länder gibt. Dort, wo keine Rohstoffe sind, wird nicht um diese gekämpft, die Fabriken stehen hier also sicherer. Immerhin wird um den Reichtum der Menschheit gekämpft, womit ein großer Teil von diesem Reichtum verbrennt. Es scheint beim Verbrennen also nicht nur um die Geschwindigkeit zu gehen, sondern auch darum, dass durch dieses Verbrennen so wenig Lebensqualität, als irgend möglich entsteht.

Würde man jedoch ab 1700 eine gleichbleibende Bevölkerung erwirkt haben, auf geringen Rohstoffverbrauch achten sowie auf Kriege verzichten, könnte dieser Reichtum der Menschheit über Jahrtausende vorhalten. In vielen Situationen ist Erdöl oder auch Steinkohle ein sehr wertvoller Rohstoff – viel zu wertvoll, als dass man ihn verbrennen oder zu Wegwerfprodukten verarbeiten würde.

Aber warum verbrennt die Menschheit ihren Reichtum so schnell und leidvoll, wie es irgendwie geht? Sie ist krank, sie hat Kapitalismus mit einem auf Zinseszins basierendem Schuldgeldsystem und braucht ewiges Wachstum, um innerhalb dieser Erkrankung zu funktionieren.