POLITIK
22/04/2018 20:24 CEST | Aktualisiert 02/05/2018 11:07 CEST

Deggendorf: Mit einem AfD-Wähler und einem Reichsbürger im Biergarten

"Schreib das nicht, ich will ja nicht wie der Klischee-AfDler rüberkommen."

Im Video oben: Anabel Schunke – Wir waren mit einer der zentralen Figuren der neurechten Szene feiern

Ich sitze mit zwei AfD-Sympathisanten im Bahnhofs-Biergarten in Deggendorf. Hinter uns rattern die Regionalbahnen weiter Richtung Passau.

“Wenn ’ne vollverschleierte Frau in meinen Bus steigen will, werd ich meinen Job verlieren. Denn ich werd’ die nicht reinlassen”, sagt mein Gegenüber. Er stellt sich als Christian vor, 45 Jahre alt, Busfahrer.

“My life is dope and I do dope shit” steht auf dem T-Shirt, das sich über seinen Bauch spannt. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie “Mein Leben ist der Knaller und ich mache Knallersachen”.

“Warum denn nicht?”, frage ich.

“Weil ich dann Angst habe.”

“Wovor hast du Angst?”

“Ich sehe nichts von der. Da fühl ich mich unwohl.”

Er rückt die Puma-Sonnenbrille zurecht. Seine Augen kann ich hinter den schwarz getönten Gläsern kaum erkennen.

“Es ist doch nur ihre Kleidung”, sage ich. “Aber klar ist Vollverschleierung für uns ungewöhnlich.”

Ich versuche verständnisvoll zu sein, mich in meine Gesprächspartner hineinzuversetzen. Aber im Laufe des Gesprächs fällt es mir zunehmend schwer. Auch wenn ich froh bin, dass sie offen mit mir sprechen. Weil ich herausfinden will, wie die Menschen in Deggendorf ticken – warum so viele von ihnen im September die AfD gewählt haben.

Die AfD-Hochburg in Niederbayern 

Knapp ein Fünftel der Deggendorfer gab den Rechten damals ihre Stimme, nirgendwo in Westdeutschland erzielte die AfD ein höheres Ergebnis. Im Bezirk St. Martin waren es sogar 31,5 Prozent. Damit lag die AfD hier sogar vor der CSU.

Und das ausgerechnet hier, im idyllischen Deggendorf mit seinen pastellfarbenen Häusern, wo unter der Kirchturmuhr “Zu jeder Tat geb Gott Rat” zu lesen ist.

Ein halbes Jahr ist die AfD nun im Bundestag. Ich will herausfinden, wie die Wähler der Partei auf ihre Wahlentscheidung blicken. Ich will erfahren, wie die Wähler nun über die Partei denken, ob sich ihre Einstellung geändert hat, das Ergebnis vielleicht nur Protest war. 

Bis ich einen AfD-Wähler in Deggendorf finde, ist es später Nachmittag. Dabei sind die Straßen bei dem schönen Wetter voll mit Menschen. Jeder Fünfte, der an mir vorbeigeht, muss AfD gewählt haben. Zugeben will es niemand.

“Ich denke, es sind Protestwähler”

“Also ich kenne niemanden in Deggendorf, der die AfD gewählt hat”, behauptet ein Fußgänger, weißes Haar, blaue Steppweste. “Von meinen Bekannten würde die sicher niemand wählen.”

Andere ältere Menschen sagen Ähnliches.

Ich versuche es bei den Jüngeren, doch auch da – kein Erfolg.

Nicht einmal der katholische Pfarrer Franz Reitinger, der seine Gemeinde besser als die meisten anderen Bewohner kennt, kann sich die vielen Stimmen für die AfD erklären.

“Ich habe die Menschen hier als eher aufgeschlossen gegenüber den Flüchtlingen erlebt”, sagt er mir am Telefon. “Über den hohen Prozentsatz war ich sehr verwundert. Ich denke, es sind Protestwähler.”

Liegt der AfD-Erfolg am Hochwasser?

“Sie müssen nach Fischerdorf”, rät mir schließlich ein 64-jähriger Rentner. Er stellt sich als Fritz vor, sitzt auf dem Marktplatz in der Sonne und trinkt ein Vormittagsbier.

“Dort werden Sie einen der Gründe für den AfD-Erfolg finden: Das Hochwasser 2013. Viele Bewohner sind seitdem in psychischer Behandlung und haben einen Hass auf die CSU entwickelt.”

Denn die meisten seien nun hoch verschuldet, sagt Fritz. Die Christsozialen hatten damals insgesamt 2,4 Millionen Euro Spenden an die Flutopfer ausgezahlt. Doch damit waren sie nicht zufrieden. Das Problem: Menschen, die in alten baufälligen Häusern gewohnt hätten, hätten genauso viel bekommen wie die Menschen, die neu gebaut hätten.

“Das finden die Bewohner ungerecht”, sagt Fritz. “Und die, die versichert waren, sind jetzt die Blöden. Ich habe lange in Fischerdorf als Disponent gearbeitet und weiß von vielen,die dort nun die AfD wählen.”

“Das Hochwasser war furchtbar” 

Fischerdorf erscheint mir auf den ersten Blick idyllisch. Ich gehe an einer riesigen Pferdekoppel und an einem Reiterhof vorbei. Der erste Passant, den ich treffe, dreht gerade einen Film über Rosswurst.

Ich spreche mit einer jungen Frau, die mit einem Pferd am Halfter aus dem Reiterhof kommt.

“Das Hochwasser war furchtbar”, erzählt sie und zeigt auf das Schild des Reiterhofs. “Es ging bis über dieses Schild.”

“Aber darüber sprechen die meisten nicht gerne”, sagt sie.

“Wer soll das zahlen?” 

Sie behält Recht. Die Menschen, die ich anspreche, werden verschlossen, sobald es um das Hochwasser geht.

Niemand von ihnen gibt zu, die AfD gewählt zu haben. Was ich wieder mehrmals höre, ist: “Das war doch nur Protest. Hundert Prozent. Weil die Menschen unzufrieden mit der Politik sind. Weil sich nichts tut.” Auch bei den Mieten, sagen sie hier.

“Die Mieten in Deggendorf sind viel zu hoch”, sagen mehrere Passanten. “600, 700 Euro für eine winzige Einzimmerwohnung. Wer soll das zahlen?”

Auf meinem Weg zurück zum Bahnhofsviertel komme ich an einem Biergarten vorbei. Als ich sehe, dass sich eine Gruppe älterer Männer angeregt unterhält, setze ich mich dazu. Ich hoffe, dass sich unter ihnen vielleicht ein AfD-Wähler befindet. Auch dort sind die Mieten Thema.

“Ich würde die AfD wieder wählen”

“Willst du wissen, wo ich wohne? Da!” Mein Sitznachbar zeigt mit dem Finger auf ein Fenster über dem Biergarten.

“Ein winziges Zimmer. Mehr kann ich mir hier als Rentner nicht leisten. Nur wegen der Studenten. Da zahlen ja die Eltern. Oder Bafög.”

In Deggendorf werde “ein Studentenwohnheim nach dem anderen” gebaut, für die älteren Menschen aber nichts getan, beschweren sich die Gäste.

Einer der Männer gibt zu, die AfD gewählt zu haben.

“Ich würde sie wieder wählen. Ganz klar.”

“Warum?”

“Na, weil es die einzige Partei ist, die nicht nur rumlabert, sondern unsere Ängste ernst nimmt.”

“Diese Partei lebt von unseren Ängsten. Die wollen uns Angst machen”, korrigiert ihn ein älterer Herr mit Blindenstock.

Der AfD-Wähler zuckt mit den Schultern. “Ich hab keinen Bock darüber zu reden jetzt”, sagt er und nimmt eine großen Schluck Bier.

dpa
Ein AfD-Plakat in Deggendorf nach der Bundestagswahl.

Er klingt trotzig, so als hätte er sich schon zu oft dafür rechtfertigen müssen, dass er AfD gewählt hat.

“Ach komm doch, die ist jung. Es ist wichtig, dass die jungen Leute wissen, was auf sie zukommt. Sprich mit ihr.”

“Nein”, sagt der AfD-Wähler. “Aber ich geb dir ’nen Rat.”

Er sieht mir ernst in die Augen. “Setz’ dich direkt vor den Bahnhof Deggendorf. Und dann schau dir an, was da für Zeug rumläuft. Dann gruselts dich. Und dann weißt du, warum ich die AfD wähle.”

Ich kann mir vorstellen, was er mit “Zeug” meint.

“Ich war schon am Bahnhof. Da waren ein paar ganz gewöhnliche Menschen, mehr nicht”, sage ich.  

Der AfD-Wähler lacht verbittert.

“Machs einfach. Aber ey, mach es jetzt. Nicht nachts. Und am besten nicht alleine. So als junge Frau.”

“Dann kannst du auch gleich in den Biergarten am Bahnhof gehen. Da findest du ganz viele AfD-Wähler”, sagt der Mann mit der Sehbehinderung tröstend.

Eine verlockende Aussicht.

Mehr zum Thema: Erste Plenarsitzungen zeigen: Die AfD stellt die Parteien vor ein Problem, mit dem die wenigsten gerechnet hatten

Der Bahnhof in Deggendorf - ein gefährliches Pflaster?

Ich mache das, was der Mann mir geraten hat und setze mich vor den Bahnhof. Die Sonne scheint, hinter mir blühen Blumen, eine Mutter mit zwei lachenden Kleinkindern geht vorbei.

Noch eine Mutter mit Kind, dann ein dunkelhäutiger junger Mann mit Pflastern im Gesicht, dann ein Dunkelhäutiger mit Verband, zwei weitere Dunkelhäutige. Sie nehmen mich gar nicht wahr. Sie sehen aus, als seien sie tief in Gedanken versunken, keine angenehmen Gedanken.

Amelie Graen
Der Bahnhof in Deggendorf soll ein gefährliches Pflaster sein – laut einem AfD-Wähler.

Ich nehme an, dass der AfD-Wähler diese Menschen mit “Zeug” meint. Direkt neben dem Hauptbahnhof in Deggendorf ist das Transitzentrum.

Flüchtlinge aus Sierra Leone werden hier aufgenommen und untersucht. Daher tragen einige Pflaster und Verbände.

“Wir dürfen keine Interviews führen”, sagt mir der Security-Mann am Eingang des Transitzentrums.  

Ich gehe zurück zum Bahnhof, beschließe, es zum Abschluss in der Gaststätte hier zu versuchen. Bisher habe ich schon verschiedene Gründe für das gute Abschneiden der AfD in Deggendorf gefunden.  

Warum die Menschen hier AfD gewählt haben 

► Viele der Bewohner sind frustriert. Sie sind unzufrieden mit der Situation in ihrer Stadt und fühlen sich ungerecht behandelt. Zum einen, weil sie finden, dass die Spenden nach dem Hochwasser 2013 unverhältnismäßig verteilt wurden. Zum anderen, weil die Mieten hoch sind und sich selbst viele Rentner nur ein kleines Zimmer statt einer Wohnung leisten können.

► Auch die Ausländerfeindlichkeit und die Wut auf die Flüchtlinge, die so viele Menschen zur AfD treibt, ist hier präsent. Doch habe ich immer noch keinen AfD-Wähler gefunden, der darüber ernsthaft mit mir sprechen wollte. Bis jetzt.

An der Bahnhofsgaststätte finde ich sie endlich, die Männer, die bereit sind, mit mir zu sprechen: Christian und Klaus. Christian wird später sagen, dass er keine vollverschleierte Frau in seinem Bus fahren würde.

“Wir sind keine Nazis, um Gottes Willen”

Christian bestellt gerade ein neues Bier.

“Jetzt schreib aber nicht, dass ich Bier trinke. AfD-Wähler mit Bier in der Hand, das ist total klischeehaft.”

“Gut, dass ich Wasser trinke”, sagt Klaus, 45 Jahre alt, Jeans, Sweatshirt, zwei Ringe im Ohr.

“Du kannst ruhig meinen richtigen Namen schreiben. Ich hab im Leben eh nichts mehr zu verlieren”, sagt er. Seit er drei Bandscheibenvorfälle hatte, gilt Klaus als arbeitsunfähig und lebt von Hartz IV.

“Aber damit das gleich zu Beginn klar ist: Wir sind keine Nazis, um Gottes Willen”, sagt Christian und streicht sich über die Glatze. “Ich weiß genau, wie ihr Journalisten eure Texte schreibt.”

Er räuspert sich.

“Und das Bild wurde immer klarer. Er war ein alter Nazi. Blabla. Kann mir schon vorstellen, was du schreibst.”

“Ich werde einfach das schreiben, was ihr gerade sagt”, erwidere ich.

“Ja ja, genau.”

Klaus sieht mich mit aufgerissenen Augen an.

“Ich verrate dir jetzt was, weil du Journalistin bist”, sagt er. “Uns wird vorgegaukelt, Deutschland wäre ein Staat, aber das stimmt nicht. Wir haben keine Bundesrepublik. Es ist alles eine Lüge.”

Hier habe ich es also auch noch mit einem Reichsbürger zu tun. Klaus holt seinen Ausweis hervor.

Die angebliche Lüge der Bundesrepublik 

“Schau mal. Schau! Siehst du das?”, fragt er.

Ich sehe ein nicht sehr vorteilhaftes Foto von Klaus.

Er drückt mir den Ausweis weiter ins Gesicht.

“Siehst du nichts?”

“Äh…”

“Mein Name ist groß geschrieben. Der muss aber klein geschrieben sein. Der Ausweis ist also ein Fake. Weil Deutschland eigentlich keine Ausweise ausstellen sollte. Und jetzt…”

Klaus hält den Ausweis mit der Rückseite in die Sonne.

“Siehst du den Chip? Die Wölbung? Siehst du?”

“Ich sehe den Chip.”

“Dadurch werden wir überwacht. Die ganze Zeit. Wir sind gläserne Menschen.”

Klaus wird immer aufgeregter, kommt mir mit seinem Gesicht immer näher und erzählt, was er angeblich herausgefunden hat.

Amelie Graen
Im Biergarten mit einem AfD-Wähler und einem Reichsbürger.

Er erklärt, dass Deutschland kein legitimer Staat sei, weil der SPD-Politiker Carlo Schmid – der als einer der Väter des Grundgesetzes gilt – 1949 unterschrieben habe, dass in Deutschland kein Staat entstehen dürfe. Deshalb sei das Grundgesetz ungültig. Deutschland solle schon bald vernichtet werden. Denn: “Deutschland existiert gar nicht”, behauptet Klaus.

Ein typisches Argument der Reichsbürger. Ich sage nichts.

“Ich musste das auch erst mal verdauen, als ich das erfahren habe”, sagt Klaus verständnisvoll. “Was meinst du, was los ist, wenn alle in Deutschland das wissen, was du jetzt weißt.”

Dann halten alle Klaus für verrückt, denke ich.

Gewählt habe er nur einmal, mit 18, sagt Klaus. Dann habe er gemerkt, dass seine Stimme eh nichts bringt und nie wieder gewählt.

Wo der Reichsbürger dem AfD-Wähler Recht gibt 

Mit ihm zu diskutieren, erscheint mir hoffnungslos. Er lässt mich nicht ausreden, sagt, dass ich ihm nicht zuhören würde. Dabei tue ich nichts anderes.  

Die Ansichten der AfD-Wähler teilt er offensichtlich. Er stimmt Christian in allem zu.

Die beiden befürchten, dass aus Deutschland ein islamischer Staat wird.

“In vielen Jahren musst du wahrscheinlich ein Kopftuch tragen”, prophezeien sie mir.

“Das glaube ich kaum”, sage ich.

Sie sehen mich mitleidig an.

“Hast du nicht verstanden, was ich dir erklärt habe?”, fragt mich Klaus wie ein strenger Lehrer.

Er erklärt mir erneut, warum Deutschland seiner Meinung nach kein Staat sei. “Deshalb können wir ganz leicht unterdrückt, also auch zu einem Islamischen Staat werden”, sagt Klaus.

“Ich bestelle mir erstmal noch ein Bier”, verkündet Christian. “Aber schreib das nicht, ich will ja nicht wie der Klischee-AfDler rüberkommen.”

Christian bestellt noch ein Bier.

Der Witz über die Türken

“Schreib was Lustiges. Die Türken dürfen ja jetzt schon Messer bei sich tragen”, sagt Christian.

“Wo bei sich tragen?”, schiebt er als Frage hinterher. “Zwischen den Rippen.” 

Er lacht grölend. “Ach komm, das war doch witzig!”  

Ich finde es nicht witzig. “Deine Freunde wählen auch alle die AfD, oder?”, frage ich ihn.  

“Ich glaube alle, die in meinem Haus wohnen, haben die AfD gewählt”, sagt Christian. “Und das werden nicht weniger AfD-Wähler in Deggendorf. Ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, es werden mehr. In meinem Freundeskreis jedenfalls.”

Er erzählt, dass er viele russisch-deutsche Freunde habe, die im selben Haus leben und “noch viel krasser” seien als er. Und er wohnt in St. Martin – dem Viertel Deggendorfs, in dem die meisten Menschen ihr Kreuz für die AfD gesetzt haben.

Die Rechtspopulisten und die Russlanddeutschen

Vermutlich waren viele Russlanddeutsche darunter.  In der Grundschule St. Martin, in der das Wahllokal mit den meisten AfD-Stimmen war, sprechen 91 von 285 Schülern Russisch neben Deutsch als Muttersprache.

► Ein weiterer Grund, der die vielen Stimmen für die AfD erklären könnte. Die Partei hat ihre Wahlkampagnen stark auf die Russlanddeutschen ausgerichtet.

Viele Russlanddeutsche sind der Meinung, dass die eigenen konservativen Werte in Deutschland nicht mehr gefragt sind, wie Traditionen oder der christliche Glaube. Hinzu kommt, dass russische Medien immer wieder Verschwörungstheorien, beispielsweise über Merkel, verbreiten, die der AfD in die Hände spielen.

dpa
Der Stadtplatz von Deggendorf.

Auch Wut über die anderen Parteien scheint der Grund zu sein. Und nach wie vor die Fremdenfeindlichkeit.

Als ich meine neuen Bekannten frage, ob sie nicht auch glauben, dass Einwanderung Vorteile haben könne, lachen sie mich laut aus.

Die Flüchtlinge würden uns doch nur Geld kosten, wir dafür aber nichts zurückbekommen, sagen sie. 

“Die bekommen Smartphones und ich darf mir mit Hartz IV nicht mal einen Hund kaufen!”, sagt Klaus.  

Wenn die Realität schlimmer ist als jedes Klischee

Sie fahren fort, dass sie ja nichts gegen Ausländer hätten, die vor Krieg fliehen, aber gegen die, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen.

“Wir nehmen die einfach alle auf. Aber wir dürfen als Deutsche nicht das Gefühl haben, wir müssten das wieder gut machen, was Hitler verbrochen hat”, sagt Klaus. “Der wurde herangezüchtet. Der war auch nicht immer so. Hätte der nicht sogar heute Geburtstag gehabt?”

“Nein, morgen”, sagt Christian.

“Ja, stimmt.”

“Schreib das nicht auf”, sagt Christian zu mir.  “Das wirkt wieder so klischeehaft.” 

Es klingt tatsächlich klischeehaft. Aber manchmal ist die Realität noch viel schlimmer als jedes Klischee, merke ich. Wie viel Bier AfD-Wähler trinken, ist mir egal. Aber dass sie menschenfeindliche Witze reißen, Menschen anderer Nationalitäten aufs Übelste beschimpfen und verachten, und dabei doch immer meinen, im Recht zu sein – das erschreckt mich.

Christian wäre sogar bereit dafür, seinen Job aufzugeben, nur um keine vollverschleierte Frau in seinen Bus lassen zu müssen. Und diese Ansichten finden sie völlig normal, verkünden sie fröhlich, im Biergarten bei Sonnenschein im niederbayerischen Deggendorf.

(ll)