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10/02/2019 16:22 CET | Aktualisiert 10/02/2019 19:41 CET

Dating: "Er wollte mich vergraben" – 5 Menschen erzählen ihre schaurigsten Erlebnisse

"Er fing dann an, über Sex und sein Penispiercing zu sprechen und sich mir wieder zu nähern."

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Dating: Geht, wenn ihr euch nicht sicher fühlt!

Jasmine Andersson wusste bereits nach 10 Minuten, dass etwas nicht stimmte. Der Mann, den die Britin über eine Dating-App kennengelernt hatte und der gerade vor ihr beim Abendessen in Ost-London saß, sagte:

“Ich könnte dich töten und deinen Körper in 15 Minuten verbergen.”

“Ich sagte: ‘Entschuldigung, was?’ Und er sagt: ‘Ich mache Witze, vielleicht braucht man 20.’”

Der 26-Jährige erinnert sich immer noch lebhaft an diesen Moment, obwohl er drei Jahre zurückliegt. Sie erinnert sich so genau, weil sie nach diesem Satz eine Panikattacke bekam, die zwei Stunden dauerte.

Obwohl das Date bei Tageslicht und an einem öffentlichen Ort stattfand, fühlte sich Andersson von Angst wie gelähmt. Sie schaffte es erst nach vier Stunden zu gehen. Ihr Date beschrieb in der Zwischenzeit noch plastisch den Sex mit einem Model – und beschimpfte zwei muslimische Frauen neben ihnen.

“Ich habe ihm endlich gesagt, er soll sich verpissen und ist weggelaufen”, erinnert sich Andersson. 

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Jasmine Andersson

Das Dating-Leben hat sich verändert. Heute lernen sich immer weniger Menschen als je zuvor persönlich kennen, in der Kneipe, bei der Arbeit, durch Freunde. Laut Statistiken haben in Großbritannien 50 Prozent der 16- bis 34-Jährigen schon einmal eine Dating-App verwendet. In Deutschland hat insgesamt jeder Vierte schon einmal eine solche App benutzt. 

Dating-Apps sind praktisch. Aber dennoch: Das Treffen mit einem wildfremden Menschen kann auch Gefahren bergen. 

Laut einem Bericht der Dating-Website “Plenty Of Fish” sorgte sich jeder Vierte in Großbritannien in den letzten 12 Monaten während eines Dates um seine Sicherheit. Fast die Hälfte (49 Prozent) fühlte sich unwohl.

Laut einer europaweiten Studie berichteten 15 Prozent von Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, dass es bei einem Date gesehen sei. 

Und es sind nicht nur Frauen, die von unangenehmen Episoden beim Dating berichten.  

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Was tun, wenn man nicht gehen kann? Frag nach “Luisa” 

Andy Lowe, 35 Jahre alt, wusste schon bei seiner Ankunft in der Bar, dass der Mann, der ihm gegenüber saß, ihm Unbehagen bereitete. Lowe wollte so schnell wie möglich weg. “Er machte einige Bemerkungen darüber, dass er wusste, wo ich wohnte. Er sagte, wir sollten die Getränke stehen lassen und sofort dorthin gehen”, erinnert Lowe sich. 

Lowe war sich nicht sicher, ob der Mann, den er auf Grindr getroffen hatte, bluffte oder ob er wirklich wusste, dass seine Wohnung nur ein paar Straßen entfernt war. So oder so, er wusste, dass er gehen musste, konnte aber – aus offensichtlichen Gründen – nicht nach Hause gehen.

Mittlerweile gibt es Aktionen, die genau für solche Fälle vorgesehen sind. In Großbritannien nennt sich eine Kampagne etwa “Ask For Angela”. Mit dem Codewort “Angela” können sich Personen an das Personal einer Bar oder eines Restaurants wenden, wenn sie sich unsicher fühlen. Immer mehr Kneipen machen mit. 

In Deutschland nennt sich die Kampagne “Luisa ist hier”. Mädchen und Frauen, die sich in einer Bar belästigt oder bedrängt fühlen, können die Frage stellen: “Ist Luisa hier?” Auch diese Kampagne verbreitet sich immer mehr. 

Eine junge Frau berichtet: “Er streichelte mein Bein” 

Trotz solcher Kampagnen und dem steigenden Bewusstsein für das Problem sexueller Gewalt kommen Menschen immer noch in unangenehme Situation beim Dating. 

Emma Porter, 30, aus Yorkshire, hatte ein paar Wochen lang mit einem Mann auf Tinder gechattet, als sie sich zum ersten Mal im Stadtzentrum mit ihm traf. Zuerst war der Mann höflich, aber nach etwa einer Stunde versuchte er, sie zu küssen und zu berühren, was ihr sehr unangenehm war.

“Ich hatte ihm keine Zeichen gegeben, dass ich das alles wollte”, sagt sie. “Tatsächlich setzte ich mich auf die andere Seite des Tisches. Dann stellte er seinen Stuhl auf meine Seite des Tisches. Weil er meine Hand nicht halten konnte, streichelte er immer wieder mein Bein.”

Porter wartete, bis der Mann auf die Toilette ging – und nahm sich ein Taxi. “Sogar nach allem, was er getan hatte, schrieb ich ihm eine SMS, weil ich mich nicht wie eine totale Zicke fühlen wollte, und ich rief meinen Bruder an, um mich zu beruhigen.”

“Er saß quasi auf mir” 

Stephanie Barnes, 31, erlebte eine ähnliche Situation. Ein Mann, mit dem sie sich traf, kam ihr körperlich immer wieder nah, obwohl sie ihm nicht signalisiert hatte, das das in Ordnung war. Sie hatten sich zuvor drei Wochen lang geschrieben und dann in einem Pub im Zentrum von Brighton getroffen.

Im Pub sagte der Mann, er könne nicht hören, was Barnes sagte, und rückte immer näher. Als sie nach draußen gingen, um eine Zigarette zu rauchen, bestand er darauf, dass sie an einem abgelegenen Tisch saßen, der von den anderen Gästen weit weg war.

“Er fing dann an, über Sex und sein Penispiercing zu sprechen und sich mir wieder zu nähern. Am Ende saß er im Grunde genommen auf mir. Glücklicherweise kamen zu diesem Zeitpunkt zwei Männer um die Ecke und baten um eine Kippe.”

Sie beendete das Date, aber der Mann bestand darauf, sie nach Hause zu bringen. Barnes führte ihn zum Haus eines Freundes, wo der Mann schließlich endlich ging. Sie trafen sich nicht wieder.

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Stephanie Barnes.

Wenn das Date über Krebskranke und Veganer schimpft

Es sind nicht immer nur die Handlungen, die dazu führen, dass Menschen sich unwohl zu fühlen. Ruth Walker, 31, aus Newcastle, sagt, dass es für sie die Art des Gesprächs war, die ihr dieses Gefühl gab.

“Wir setzten uns zum Plaudern hin und sein Wunschthema war Aids und Krebs. Er sagte, seiner Meinung nach seien die Leute selbst Schuld, dass sie krank wurden”, erzählt Walker. 

“Ich erwähnte, dass mein Vater Krebs hatte. In der Hoffnung, dass er über etwas anderes reden würde. Er tat es nicht”, sagt sie. Danach beschimpfte ihr Date Veganer und Menschen mit Glutenunverträglichkeit.

Ab diesem Zeitpunkt wollte Walker nur noch gehen. Aber als ihr Date ging und eine weitere Runde Getränke kaufte, ohne zu fragen, fühlte sie sich am Tisch gefangen gehalten. “Ich habe es deutlich gemacht, dass er mich während des gesamten Dates verärgert hatte. Er wollte das überhaupt nicht einsehen”, sagt sie. “Ich hatte noch nie ein so schlechtes Date.”

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Ruth Walker. 

Dating: Experten geben Tipps, wie ihr euch schützen könnt

Was können Singles tun, um sich bei einem unangenehmen Date zu schützen? Der Sicherheitsexperte und ehemaliger Undercover-Polizist Danni Brookes sagt, dass Menschen mit einem Date immer einem Freund oder einem Familienmitglied sagen sollte, wohin sie gehen und mit wem. 

Brookes empfiehlt auch, das Date an einem öffentlichen Ort zu vereinbaren, das den Akku des Handys vorher aufzuladen und – falls man wirklich große Bedenken hat – einen inszenierten Anruf mit einem Freund plant, um abhauen zu können.

Dating-Expertin Annabelle Knight geht noch einen Schritt weiter. Ihr radikaler Vorschlag: die Nummer des Dates an Freunde oder Familie weiterzugeben. Je mehr Informationen sie haben, desto besser. 

Ann Austin, eine Sprecherin der “Online Dating Association”, einer Vereinigung von Dating-Site-Anbietern in Großbritannien, sagt, dass man Sicherheitsvorkehrungen nicht nur für das erste Date, sondern auch bei weiteren Treffen beachten sollte. Schließlich könne ein Date immer verärgert auf etwas reagieren. 

In einem aber sind sich alle Experten einig: Wer sich bei einem Date nicht wohl oder gar unsicher fühlt, sollte gehen. 

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost UK und wurde von Leonhard Landes übersetzt, angepasst und leicht gekürzt.