POLITIK
04/01/2019 15:45 CET | Aktualisiert 04/01/2019 17:58 CET

Daten-Leak im Bundestag: Was wir über den Urheber des Leaks wissen

Auf den Punkt.

getty

Die Unsicherheit ist groß. Unbekannte haben massenweise sensible, teils höchst private Daten von deutschen Politikern und Prominenten veröffentlicht. 

Klar ist, wer betroffen ist. Unklar aber bleibt immer noch, wer hinter dem Angriff auf die Privatsphäre von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder Entertainer Jan Böhmermann steckt. 

Veröffentlicht hat die Datensätze ein Twitter-Account, verteilt über den gesamten Dezember als “Adventskalender”. 

Hier haben wir zusammengetragen, was wir über den vermeintlichen Urheber des Leaks wissen. 

Wer die Daten veröffentlicht hat:  

Der Inhaber des Twitter-Accounts beschrieb sich selbst mit Begriffen wie “Security Researching”, “Künstler, Satire und Ironie”. Twitter hat seinen Account mittlerweile entfernt, die Daten blieben aber teilweise auf anderen Seiten weiter abrufbar.

Vor der Löschung folgte der Account noch zwei ähnlich anmutenden Profilen, die weiter bei Twitter zugänglich sind. Ob es sich dabei um Zweitaccounts des Leakers oder Mitglieder eines “Kollektivs” handelt, ist derzeit nicht bekannt.

Digital-Experte Luca Hammer hat auf Twitter Informationen über den Leak-Account zusammengetragen. Demnach wurde der Account im Februar 2015 erstellt, Antworten und Follower ließen auf einen Hintergrund in der Gaming- und auch der rechten Szene schließen. 

Auffallend jedenfalls ist: Unter den Opfern früherer Leaks, die der Account postete, befinden sich auch zahlreiche Youtuber wie etwa Simon Unge. In einem Video berichtete Unge bereits am Donnerstag davon, dass sein Twitter-Account gehackt worden sei. 

Hinter der Attacke stecke ein Hacker oder eine Hackergruppe, die bereits die Youtuber Dezztroyz und Pietsmiet vor einiger Zeit gehackt hätten, sagte Unge in dem Video. 

Wer hinter dem Twitter-Account steckt: 

Der YouTuber Tomasz Niemiec berichtet “T-Online” von einer Unterhaltung, die er über Twitter mit dem Verantwortlichen des Leak-Accounts geführt habe. Niemiec ist sich sicher: “Das war mit Sicherheit ein einzelner Hacker.”

Der Inhaber des Accounts sei in der YouTube-Szene bereits seit Jahren bekannt. “Es ging ihm nur um Aufmerksamkeit, deshalb habe ich auch selbst nie darüber berichtet”, sagt Niemiec über frühere Hacking-Attacken auf YouTuber. 

Niemiec habe die Rückgabe von Unges Twitter-Account verlangt. Sein Gesprächspartner habe daraufhin ein Gespräch mit Unge gefordert. Niemiec habe dann E-Mail-Adressen mit dem Hacker ausgetauscht und den Zugang schließlich zurückerhalten.

Woher das Material stammt: 

Unklar ist immer noch, ob der Inhaber des Twitter-Accounts auch für die Beschaffung der sensiblen Daten verantwortlich ist. 

Netzaktivist Linus Neumann vom Chaos Computer Club sagt der HuffPost über den geleakten Datensatz: “Bisher deuten die erbeuteten Daten darauf hin, dass der oder die Angreifer einerseits akribisch recherchiert haben, andererseits Zugriff auf verschiedene, meist private Accounts bekommen haben.”

Auffällig ist für ihn weniger das technische Vorgehen der Angreifer, sondern “vielmehr die Akribie mit der die Daten gesammelt, sortiert und aufbereitet wurden”. 

Auf den Punkt gebracht: 

Bei dem Inhaber des Twitter-Accounts, über den das Material verbreitet wurde, handelt es sich offenbar um jemanden, der sich in der Youtube- und Gaming-Szene herumtreibt.

Die Person scheint auch aus dem rechten politischen Spektrum zu stammen, wie eine Analyse des Twitter-Accounts ergibt – und worauf auch die Tatsache schließen lässt, dass die AfD als einzige Bundestagsfraktion nicht von dem Leak betroffen ist. 

Unklar ist, woher die Daten eigentlich stammen. Hat der Inhaber des Twitter-Accounts sie von den betroffenen Politikern abgezapft? Oder nur aus anderen Hacks zusammengetragen?

Klar ist lediglich, dass die Verantwortlichen des Leaks viel Zeit darauf verwandt haben, das Material zusammenzutragen und aufzubereiten. 

(lp)