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02/08/2018 13:58 CEST | Aktualisiert 06/08/2018 16:55 CEST

Das wollen weder Deutsche, noch Ausländer hören!

Was heißt Integration?

Adam Berry via Getty Images

Integration hier und Integration da - Der Dauerklassiker in unserer Debattenkultur! Seit Wochen wird nun wieder heftig über dieses Thema diskutiert, ohne richtigen Konsens. Es ist Zeit alle Karten offen zu legen, auch wenn niemand das gerne hören bzw. lesen möchte

Was heißt Integration?

Integration ist eigentlich eine Worthülse, die in den letzten paar Jahren vermehrt benutzt wird. Wenn wir tatsächlich alle zu einer Gesellschaft gehören würden, dann bräuchte man solche Begriffe, wie „Menschen mit Migrationshintergrund“ oder „Integration“ gar nicht. Abgesehen davon weiß niemand wirklich was das heißt. Heißt es nur die Sprache und die Kultur zu kennen? Was ist dann mit all den Menschen, die nun in der zweiten oder dritten Generation hier leben und sich dennoch nicht mit diesem Land identifizieren können? Integration kann nur scheitern, weil niemand exakt definieren kann, was es bedeutet integriert zu sein. Zu dem kommt auch noch ein anderer unbeachteter, aber sehr wichtiger Punkt:

Die Kultur

Ich lebe seit meiner Kindheit in Deutschland und habe deutsche Kultur nur in den ersten 10 - 15 Jahren erleben dürfen. Leider ist das in den letzten 10 Jahren immer mehr abhandengekommen. Es ist verdammt schwieg von einem Land, wie bspw. Syrien, Irak, Marokko oder Libanon zukommen und dann sich hier einzufinden. Viele denken jetzt sofort an die Religion, aber das ist überhaupt nicht damit gemeint. Diese eben erwähnten Länder strotzen vor Kultur. Aber das was dort zu viel ist, herrscht hier fast gar nicht.

Die Kultur und das Image sind für Deutschland scheinbar total irrelevant

An dieser Stelle könnte man jetzt wieder die Frage stellen: Was ist deutsche Kultur? Alles, was ansatzweise mit der deutschen Kultur verbunden wird, ist: Dirndl, Weißwurst, Oktoberfest und Bier trinken. Doch all das gehört zu Bayern und Bayern ist nur ein Bundesland in Deutschland.

Sehr viele Deutsche sind total stolz, wenn man Sie lediglich mit ihrer penibleren Pünktlichkeit, ihrer strengen Arbeitseinstellung und Humorlosigkeit in Verbindung bringt. Andere europäische Länder assoziiert man viel mehr mit positiven Eigenschaften, wie bspw. die Franzosen, die bekannt sich dafür romantisch zu sein. Die Kultur und das Image sind für Deutschland scheinbar total irrelevant.

Eigene Beobachtungen

Im Jahre 2015 und 2016, als die Flüchtlingswelle auf Deutschland zukam, durfte ich als Übersetzerin mir öfter mal ein Bild von den sogenannten Integrationskursen machen. Nahezu jedes Mal ging es um die Kultur der Geflüchteten. Das einzige, was die Flüchtlinge am Ende des Kurses gelernt haben, war meistens das Deutsche gerne Kartoffeln essen, deutsche Frauen anziehen können was sie möchten und das nach acht Uhr Ruhe im Haus herrschen muss. Das wars! Ich sprach damals eine Lehrerin an und kritisierte, dass dies zu wenig sei. Sie war total irritiert und sagte mir, dass sie selbst nicht wüsste, was zur deutsche Kultur dazu gehört. Zwischen den Zeilen machte die Dame auch Andeutungen, dass ich womöglich zu „rechts“ denke.

Der Fall Özil

Dieses ganze Thema wurde wegen Özil vor kurzem wieder ins rollengebracht. Mesut Özil ist nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Er hätte besser wissen müssen, was es bedeutet, kurz vor der Wahl in der Türkei so ein Bild hochzuladen. Vermutlich hätte es auch nicht mal so einen großen Aufschrei gegeben, wenn das Foto nach der Wahl oder nach der WM veröffentlicht worden wäre. Man kann es nicht oft genug, daher wird das hier noch mal explizit erwähnt: Nicht Özil ist schuld am WM aus und nicht Özil ist der Grund für Rassismus. Alltagsrassismus existiert seit einigen Jahren viel mehr, als noch vor ca. sechs bis zehn Jahren.

Alltagsrassismus ( #Metwo )

Es ist kein Geheimnis, wenn man sagt, dass in Deutschland viel Alltagsrassismus herrscht. Die Idee über seine Berührungspunkte mit Alltagsrassismus durch den Hashtag Metwo zum Ausdruck zu bringen, ist wichtig für die Gesellschaft, weil vorher alles immer auf diese Witzige-Schiene genommen wurde. Falls man sich gewährt hat und verbal gut gekontert hat, dann war man plötzlich kein Deutscher mehr und „viel zu sensibel“. Das darf man nicht verleugnen und auch wenn es traurig klingt, jeder Mensch mit Migrationshintergrund (auch wenn dieser vielleicht Mitglied bei der AFD ist) wurde mal damit konfrontiert.

Metwo steht dafür, dass man sich zu mehr als nur einer Heimat verbunden fühlt. Was aber unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund verschweigen ist, dass auch Alltagsrassimus in dieser Form gegen uns ausgeübt wird, wenn wir mit Landsleuten unserer Eltern bzw. Landsleute der Herkunftsheimat in Kontakt kommen. Hier mal paar kleine Beispiel:

„Du machst jetzt einen auf Deutsch und denkst du wärst was bessere?“

„Ach lernt ihr in Deutschland auch, dass man seine Familie ehren sollte?“

„Typisch Deutsche, die haben eben nicht so viel Ehre, wie wir“

Und das sind die harmlosesten Dinge, die mir persönlich dazu einfallen.

Wenn man sich zu mehreren Heimaten verbunden fühlt, dann ist die bittere Wahrheit, dass man weder von der einen, noch von der anderen Gesellschaft vollständig akzeptiert wird. Die Kunst dabei ist es nicht alles an sich ran zu lassen. Ella Fitzgerald sagte mal: „Es ist nicht wichtig, woher du kommst, es ist wichtig, wohin du gehst.“