WIRTSCHAFT
04/04/2018 22:24 CEST

Das Trump-High ist vorbei: Warum die Märkte jetzt vor dem US-Präsidenten zittern

Auf den Punkt gebracht.

Getty
Hat wahrscheinlich zu oft Falcos Hitsong "Egoist" gehört: US-Präsident Donald Trump. 

Donald Trump glaubt, dass er der beste Mensch ist. Auf der Welt. Und überhaupt in allem.

Angesichts dieser selbstwahrgenommenen Omnipotenz meint der US-Präsident natürlich auch, dass er im Alleingang die US-Wirtschaft in ungeahnte Höhen katapultiert hat. Regelmäßig feiert sich Trump auf Twitter und in Reden für die Rekorde auf dem Job- oder Aktienmarkt. 

► Zum neuesten Wirtschaftstrend in den USA aber schweigt der US-Präsident.

Zwar ist der US-Aktienmarkt seit seiner Wahl im November 2016 tatsächlich um 20 Punkte gewachsen. Doch in den vergangenen Tagen hat sich abgezeichnet: Das Trump-High an den Märkten ist vorbei – und daran hat auch der US-Präsident direkt Schuld. 

Die Trendwende in der US-Wirtschaft auf den Punkt gebracht.

Die Wirtschaftslage in den USA: 

► Alle großen Aktienindizes schrieben bei der Öffnung der Märkte am Mittwoch rote Zahlen. Schon am Montag war der Dow Jones, der die Kursentwicklungen der 30 wichtigsten Unternehmen der USA widerspiegelt, um über 490 Punkte gefallen. Es ist der schlechteste Start ins 2. Quartal seit dem April 1929

► Auch die sogenannten “Futures”, die die Erwartungen von Analysten und Händlern auf die Kursentwicklungen der großen Aktienindizes wiedergeben, stürzten am Mittwoch ab. Die Futures des S&P 500, der Index der 500 größten US-Unternehmen, sanken um 1,7 Prozent, die des Dow Jones sogar um 2 Prozent

► Es ist eine Entwicklung, die kurz auf die zwei größten täglichen Kursverluste des Dow Jones in dessen Geschichte folgt. Im Februar erlebten die US-Märkte einen Schockmoment: Am 5. Februar stürzte der Dow Jones um 1100 Punkte, am 8. Februar noch einmal um 1000 Punkte.

Der miese aktuelle Quartalsstart weist nun erneut darauf hin, dass der Boom der US-Wirtschaft wackelt. 

Mehr zum Thema:  Trump prahlt mit dem Jobwunder in seinem Land - doch er ignoriert ein fatales Problem der US-Wirtschaft

Die Gründe für die den schlechten Quartalsstart: 

Trumps Handelskrieg mit China: Der US-Präsident hat einen Wirtschaftsstreit mit dem größten Weltmarktkonkurrenten ausgelöst. China und die USA überbieten sich mittlerweile stündlich mit neuen Strafzöllen auf Importprodukte. Der Kurssturz am Mittwoch ist eine direkte Reaktion auf die Zölle in Höhe von 50 Milliarden Euro, die China am gleichen Tag gegen die US-Wirtschaft verhängte. 

Trumps Attacken auf Amazon: Trump behauptet seit Tagen, das Unternehmen des Milliardärs Jeff Bezos betrüge die US-Post um Milliarden Dollar. Genau das Gegenteil ist der Fall, die Post verdient Milliarden an der Auslieferung von Amazon-Paketen. Trumps Attacken ließen den Aktienkurs des Online-Riesen dennoch abstürzen

Trumps Drohung, das Handelsabkommen NAFTA aufzugeben: Bereits seit seinem Wahlkampf droht Trump damit, das Handelsabkommen NAFTA mit Mexiko und Kanada aufzulösen. Erst an Ostern forderte Trump erneut, NAFTA aufzukündigen, wenn Mexiko die illegale Einwanderung in die USA nicht stoppen würde. 

Die Angst der Märkte vor der Zentralbank: Ein weiterer wichtiger Grund für die Unsicherheiten in der US-Wirtschaft hat nichts mit Trump zu tun – sondern mit dem eigenen Erfolg. Viele Analysten sorgen sich, dass das US-Wirtschaftswachstum zu schnell zu groß wurde und nun ”überhitzt”, also inflationsgefährdet ist. Das Federal Reserve System (kurz Fed), die für Geldpolitik zuständige Zentralbank der USA, könnte deshalb früher den Leitzins anhebt, als erwartet. 

Trumps neuer Fed-Chef Jerome H. Powell hatte schon nach seinem Amtsantritt angekündigt, den Leitzins anheben zu wollen – und damit prompt zu den Rekord-Kursverlusten im Februar beigetragen. 

Jetzt droht den US-Märkten auch ohne Zutun der Fed eine Kurskorrektur nach unten. Das Nachrichtenmagazin “Politico” schreibt dazu: “Willkommen im Trump Slump. Der US-Präsident macht sein eigenes Börsenhoch zunichte.” 

Die möglichen Folgen einer wirtschaftlichen Stagnation: 

► Zentralbankchef Powell warnte schon im Februar die USA, dass eine Rezession der Wirtschaft jederzeit eintreten könnte. 

► Noch ist es zwar zu früh zu sagen, ob die US-Wirtschaft sich im Niedergang befindet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie nun eher in einer Phase der Kurskorrektur nach über zwei Jahren des beispiellosen Wachstums eintritt. 

► Es wird auf Donald Trump ankommen. Durch seinen irregeleiteten Handelskrieg mit China, seine Attacken gegen die wichtigen Wirtschaftspartner und Nachbarn Mexiko und Kanada sowie gegen Großunternehmen wie Amazon trägt der US-Präsident massiv zur Verunsicherung der Märkte bei. 

► Trumps protektionistische “America First”-Doktrin bricht mit den Marktgesetzen der Globalisierung – und könnte die USA so teuer zu stehen kommen.

► Trumps neuer Wirtschaftsberater Larry Kudlow versuchte am Mittwoch, die Sorgen vor einem Kollaps der Wirtschaft durch Trumps Politik zu zerstreuten. Er sagte Reportern: “Nicht überreagieren. Am Ende dieses Prozesses, am Ende des Regenbogens, wartet ein Topf voll Gold.”

Der “Trump Slump” auf den Punkt gebracht: 

Es stimmt: Die Wirtschaft boomte in den bisherigen gut 14 Monaten der Trump-Präsidentschaft. Auch wenn der US-Präsident wenig dafür verantwortlich ist, feuerte er den Boom durch Steuersenkungen zusätzlich an. 

Nun aber zittert die US-Wirtschaft vor Trump. Vor seinem vom Zaun gebrochenen Handelskrieg mit China, seinen Attacken auf das große US-Unternehmen Amazon und seinen Überlegungen, auch Europa mit Strafzöllen belegen zu wollen. 

Das Trump-High der US-Wirtschaft ist vorbei. Es beginnt stattdessen das große Zittern. 

(mf)