POLITIK
02/01/2018 11:20 CET | Aktualisiert 02/01/2018 11:23 CET

Das sagt der israelische Geheimdienst über die Proteste im Iran

Die Angst der Menschen sich aufzulehnen, sinkt.

POOL New / Reuters
Erzfeind des Irans: Israels Präsident Benjamin Netanjahu
  • Die größten Proteste seit Jahren erschüttern den Iran
  • Ein Geheimpapier aus Israel liefert nun eine Einschätzung der Folgen

Sie sind Erzfeinde - und sie haben sich genau im Blick: Der Iran und Israel.

Seit langem schwadronieren ranghohe Politiker im Iran davon, Israel von der Landkarte zu tilgen. Ein Regimewechsel wäre also im Interesse der Israelis. Aber ist der mit den aktuellen Protesten, die das Land erschüttern, wahrscheinlicher geworden? 

Diese Frage versucht ein israelischer Geheimdienstreport zu beantworten, über den die US-Nachrichtenseite “Axios” berichtet

Die Furcht vor einem Chaos wie in Syrien

Spannend sind vor allem zwei Einschätzungen aus dem Papier:

1. Das Regime ist völlig von den Protesten überrascht worden - die Angst der Bevölkerung gegen die religiösen Führer und Politiker aufzubegehren, sinkt.

2. Dennoch fürchten viele Iraner laut den Israelis ein politisches Chaos wie in Syrien. Das könnte die Proteste bremsen. Viele Menschen würden deshalb noch zum gemäßigten Präsidenten Hassan Rohani halten - sie betrachten ihn als das geringere Übel angesichts der Folgen, die ein Aufstand haben könnte. 

Die Folge, wie es im Report heißt: “Aktuell sind die Proteste keine existenzielle Gefahr für das Regime, aber sie schwächen es.”

Israel scheint derweil unentschieden, wie es auf die Proteste reagieren soll. Soll das Land die Unzufriedenen unterstützen, um vielleicht doch eine Revolution anzustoßen?

Mehr zum Thema: 6 einfache Fragen und Antworten, um die Proteste im Iran zu verstehen

Israels Regierungschef fordert Europa auf, sich einzumischen

Der ehemalige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Efraim Halevy, warnte vor einer Einmischung Israels. Halevy sagte der Zeitung “Jerusalem Post”: “Wenn wir uns in die Ereignisse im Iran einschalten, wird dies keinerlei Vorteil bringen. Wir haben genug eigene Probleme.”

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte den Demonstranten im Iran am Montag Erfolg gewünscht und die Hoffnung auf einen Sturz der iranischen Führung geäußert.

Er warf europäischen Regierungen vor, sie unterstützten die Demonstranten nicht in ihrem Kampf für Freiheit.

Auch Geheimdienstminister Israel Katz sagte, Israel wolle sich zwar nicht einmischen, “aber wir wünschen uns, dass das Unterdrückungsregime beendet und durch eine Demokratie abgelöst wird”.

Zum Hintergrund: Im Iran unter Schah Mohammed Resa Pahlevi gab es eine versteckte Militärzusammenarbeit mit Israel. Nach der iranischen Revolution 1979 unter Ajatollah Ruhollah Khomeini wurde der jüdische Staat zum Todfeind erklärt.

Israel sieht sich weiter vom iranischen Atomprogramm in seiner Existenz bedroht, verglich Teheran mit dem NS-Regime.

(jg)