POLITIK
11/08/2018 22:51 CEST | Aktualisiert 12/08/2018 08:38 CEST

Das Phantom: US-Journalisten suchen ein Trump-Video, das es vielleicht nicht gibt

Selbst renommierteste Medien suchen. Es ist eine irre Geschichte.

Im Video oben mehr zu Donald Trump: Enthüllungsjournalist Woodward veröffentlicht Buch über Trump.

Amerikanische Medien suchen wie verrückt nach einem Video, das kompromittierendes Material zu Präsident Donald Trump enthalten soll. Das Problem: Niemand weiß, ob das Video überhaupt existiert.

Angeblich soll es ein Video geben, das US-Präsident Donald Trump dabei zeigt, wie er irgendetwas in einem Aufzug tut. Was dieses etwas genau sein soll, weiß allerdings keiner genau.

Zum ersten Mal erwähnt wurde das berüchtigte Aufzugvideo in einem Artikel der Zeitung “Daily Beast”. Die Zeitung spielte als erstes Mainstreammedium auf die mögliche Existenz eines “hochbrisanten Videos“ an, das den Präsidenten “in einem Aufzug des Trump Towers“ zeigen soll.  

Seit Monaten jagen Reporter aus ganz Amerika – von der “New York Times” und dem “Wall Street Journal” bis zu Associated Press und anderen Medienhäusern – einer Aufnahme hinterher, die unter Umständen gar nicht existiert.

Recherchiert hatten die Journalisten unter besser und schlechter informierten Informanten, aber auch unter Leuten wie Tom Arnold, einem Schauspieler, der die Gerüchteküche seit Wochen mit unbestätigten Informationen befeuert.

Lachlan Cartwright, der Veteran der Boulevardpresse

Ein besonders verbissener Reporter setzte sich schon bald von dem Rest der Meute der Videojäger ab: Lachlan Cartwright, ein altgedienter Veteran der Boulevardpresse.

Am 28. Mai veröffentlichte Cartwright einen in der “The Daily Beast”, der die “Kuschelstimmung“ zwischen Harvey Levin, Gründer der Boulevardseite “TMZ” und Trump thematisierte. Der Artikel enthielt zahlreiche wichtige Informationen und pikante Enthüllungen.

Zum Beispiel verriet Cartwright, dass Trump und Levin während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 mehrmals telefoniert hatten. Oder auch, dass Levin und Trump Scherze darüber gemacht hätten, dass Levin ja nach der Wahl zum Pressesekretär des Präsidenten ernannt werden könnte. Auch dass Levin sich wohl tagelang wie besessen damit beschäftigte, eine der vielen Frauen zu diskreditieren, die Trump der sexuellen Belästigung bezichtigen.

Für diejenigen Journalisten, die sich seit Monaten auf der Suche nach publizierbarem, belastbarem Material zum Präsidenten befinden, war das Gerücht des Aufzugvideos alleine aber bereits genug.

Der Moby Dick der Reporter

“Das Aufzugvideo. Der Moby Dick der Trump-Reporter“, twitterte beispielsweise Christina Wilkie, eine frühere Reporterin der HuffPost, die heute als Reporterin für CNBC.com aus dem Weißen Haus berichtet.

Es ist eine Anspielung auf den berühmten Roman, in dem Kapitän Ahab verbissen den weißen Pottwal Moby Dick jagt.

Mit genaueren Details über das Video hält sich der “Beast”-Artikel allerdings stark zurück. Niemand scheint sicher zu wissen, dass es das Video gibt, niemand scheint es je gesehen zu haben, niemand scheint zu wissen, was Trump in dem Aufzug getan haben soll. 

Der Schauspieler, den man nicht zitieren darf

Expliziter zu dem Fall äußerten sich insbesondere Beteiligte, denen die Hände aus rechtlicher Perspektive weniger gebunden waren als den meisten Journalisten. Im Herbst vergangenen Jahres versuchte beispielsweise der Schauspieler Tom Arnold, auf seinem Twitter-Account den angeblichen Inhalt des Videos detaillierter zu beschreiben. (Wir würden ihn hier direkt zitieren, wurden von unseren Anwälten aber davor gewarnt).

Einen Tag nach seinem Post äußerte sich Arnold erneut über das mysteriöse Videoband: “TMZ haben sich unseren Respekt wirklich verdient. Sie setzen alles daran, dass aus dieser Geschichte nichts wird.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Arnold sich im Internet aber schon eine eigene Nische geschaffen. Zumindest in den Teilen des Netzes, in denen sich Trump-Gegner treffen, um sich über mögliche kompromittierende Materialien auszutauschen, war der Schauspieler zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt.

Im vergangenen Jahr hatte der Komödiant sich noch zu angeblichen “ungezeigten Ausschnitten“ aus der Trump-Sendung “The Apprentice“ geäußert, die laut ihm “den Ausgang der vergangenen Wahl hätten ändern können“.

Ebenfalls forderte er “Computercracks“ dazu auf, Trumps Steuerbescheide doch auf illegalem Weg zu beschaffen. Ebenfalls behauptete er öffentlich, dass ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Senders NBC namens Chuck LaBella “eine ganze Menge schmutziger Details“ über den Präsidenten kenne.

Als hätte man Dick und Doof zu Chefermittlern gemacht

Auf Twitter schlugen diese Behauptungen des Schauspielers im vergangenen November verständlicherweise große Wellen. Aus den Tweets ergaben sich allerdings auch mehrere Fragen.

Darunter beispielsweise: Wovon redet dieser Typ, den man sonst nur aus der TV-Sendung “The Best Damn Sports Show Period“ kennt, eigentlich genau? Gibt es irgendwelche Beweise für seine Aussagen? Und wieso sollte von allen Menschen in diesem Land überhaupt gerade Tom Arnold im Besitz von Informationen sein, die von Interesse für die nationale Sicherheit sind?

Wäre das nicht in etwa so, als wären damals bei den Untersuchungen zur 18-minütigen Lücke in den Nixon-Bändern Dick und Doof zu führenden Chefermittlern erklärt worden?

Doch wenn man genauer darüber nachdenkt, stellt sich die Frage: Wieso eigentlich nicht? Arnold hat seit Langem mit dem einflussreichen Hollywood-Anwalt Marty Singer zu tun. Seit Jahren befasst er sich aus nächster Nähe mit dem Milieu, das das Trump-Phänomen überhaupt erst erschaffen hat: der Medien- und Prominentenkomplex mit seinen Deals, seiner Abneigung gegen die Presse, seiner Kultur der Unterlassungserklärungen.

Wer damals Ronald Reagan verstehen wollte, musste sich über die Geschichte Hollywoods zu Zeiten der „“Blacklist“ und der Kommunistenverfolgung informieren. Wer George W. Bush begreifen wollte, musste sich der Bedeutung von Kennebunkport, Maine und Midland, Texas, bewusst werden. Und wer heutzutage Trump verstehen möchte, sollte über die “TMZ” Bescheid wissen.

Eine Sendung nur über die Jagd nach dem Video

Seit Oktober 2017 befindet sich Tom Arnold auf einer Mission, das Aufzugvideo und andere potentiell belastende Videomaterialen zu Trump zu finden. Zu diesen Ambitionen äußerte sich der Schauspieler dann auch pausenlos auf Twitter.

Im Mai gab der Sender Viceland dann bekannt, Arnold sogar eine eigene Sendung geben zu wollen. Diese soll “The Hunt for the Trump Tapes with Tom Arnold“ heißen – und sich einzig und alleine um die Jagd auf das gerüchteumwobene Video drehen. 

 

In einem Trailer stellt Arnold bereits klar, welche Art Videomaterial er sich zu erhoffen scheint: Konkrete Beweise zur Existenz des “N-Wort-Videos“ oder des “Pipi-Videos.“

Die Sendung ist zwar noch nicht gezeigt worden, hat aber dennoch bereits jetzt für einigen Trubel gesorgt. Für seine Sendung interviewte er Persönlichkeiten wie A.J. Benza, seines Zeichens Großmeister der Promiklatsches, aber auch Anthony Scaramucci, den zur Vulgarität neigenden New Yorker Anwalt, und die HuffPost-Journalistin Ashley Feinberg.

Vergangenen Monat schaffte es ein zittriger Arnold sogar bis in die nationalen Nachrichten, als er in der CNN-Show von Poppy Harlow als Gast auftreten durfte.

Während des Interviews fragte Harlow, ob Arnold im Besitz von Videobändern sei, über deren Existenz die Öffentlichkeit bisher noch nicht informiert wurde. 

“Ja“, antwortete Arnold.

 

Einfach mal fragen

Auf den ersten Blick mag Arnolds Mission ein wenig grotesk erscheinen. Aber nachdem mehrere Journalisten – “wirklich dicke Fische“, wie Arnold sie beschreibt – sich bei ihm nach dem Band erkundigt hatten, begann er, sich intensiver damit auseinanderzusetzen.

Da Arnold sich bereits öffentlich zu angeblich ungesehenem Material aus “The Apprentice“ geäußert hatte, beschlossen die Journalisten, ihn auch gleich noch nach anderen potentiell brisanten Materialen auszufragen.

So erzählte mir Arnold dann auch davon, dass Journalisten mit ihm in Kontakt getreten seien, um freiwillig ihre Informationen mit ihm zu teilen. Im Gegenzug erhofften sie sich dann, von ihm auch belastbare Informationen zu erhalten.

“Dann kam aber auch meist schon der nächste und stellte die gleichen Fragen“, erinnert sich Arnold. Dann noch einer, und noch einer, und noch einer.

Quelle und Rechercheur in einem

Monate vergingen, doch Artikel zu dem Band wurden nicht veröffentlicht. Mit der Zeit wurde Arnold allerdings zum absoluten Insider. Irgendwann wusste er genau, welche Journalisten zu welchem Zeitpunkt an welchen Geschichten über Trump arbeiteten. “Ihre Infos behielt ich natürlich für mich selbst“, lacht Arnold, “und meine selbst gesammelte Details natürlich auch.“

Quelle und Recherchebeauftragter gleichzeitig, wurde Arnold schnell sowohl zum Insider, aber auch zum externen Experten zu der Problematik des Aufzugsvideos.

Die Anwältin, die von einem “hochbrisanten Video” spricht

Unter all den verschwörungsartigen Gerüchten um das Videoband gab es allerdings auch einige harte Fakten, die Cartwright in seinem Artikel für die “The Daily Beast” zusammenfasste.

Es steht beispielsweise fest, dass sich “TMZ” 2016 tatsächlich auf die Jagd nach einem Video begab, das Trump in einem Aufzug zeigen soll. Bald nach der Veröffentlichung des berüchtigten “Access Hollywood“-Videos trat dann Anwältin Melissa Dagodag aus Beverly Hills mit “TMZ” in Kontakt.

Dagodag, die sich normalerweise mit Trademark- und Copyright-Fällen befasst, behauptete, einen Klienten zu vertreten, der ein “anderes hochbrisantes Video von Trump in einem der Aufzüge des Trump-Towers“ habe.

Dieser Hinweis löste in der Redaktion schnell eine Kettenreaktion aus. Mike Walters – ein Spitzenangestellter von “TMZ”, der sich seitdem aber von der Firma verabschiedet hat, um sein eigenes Medienunternehmen zu gründen – sprach zuerst mit Dagodag und dann mit Levin, der sich unüblicherweise bald selbst der Recherche zu dem Thema widmete.

“Harvey nahm uns den Fall doch sehr schnell weg. Das war schon ein wenig komisch,“ gab ein ehemaliger hoher Angestellter von “TMZ” der “The Daily Beast” gegenüber zu.

Eine “Scheißmenge Geld” fürs Video

Levin trat dann angeblich mit Jason Beckerman in Kontakt, dem Kopf der Rechtsabteilung seines Hauses, sowie auch mit Warner Bros., der Mutterfirma von “TMZ”, die inzwischen zu WarnerMedia umbenannt wurde.

Kurz darauf, so Cartwrights Quellen, habe Jeff Bewkes, der damalige CEO von TimeWarner, Levin die Erlaubnis gegeben, eine “Scheißmenge Geld“ (Zitat einer ungenannten Quelle) für das Videoband auszugeben.

So vereinbarten Levin und Beckerman angeblich ein nächtliches Treffen mit Dagodag.

Doch Beckerman berichtete dem “The Daily Beast”, dass auf dem Weg zu dem Treffen dann “die Quelle angerufen“ und ihnen mitgeteilt habe, die versprochene Kontaktperson, die sich im Besitz des Videos befinde, würde nun “doch nicht auftauchen“. Das Treffen sollte auf den nächsten Tag verschoben werden.

Angeblich hat ein anderer das Band gekauft

Am nächsten Morgen, erklärte Beckerman dem “The Daily Beast”, sei “das Videoband schon nicht mehr zu verkaufen gewesen. Es wurde angedeutet, dass das Band von jemand anderen erworben worden sei. Danach verschwand die Quelle vollständig von der Bildfläche.“

Levin deutete gegenüber Angestellten damals angeblich an, dass er das “Trump-Team telefonisch über den Hinweis in Kenntnis gesetzt“ habe.

Und damit hatte sich die Geschichte erledigt. Sollte das Band tatsächlich existieren, so der Cartwright-Artikel, dann bekam es doch zumindest die “TMZ”-Redaktion nie zu Gesicht.

Haltlos in Gerüchte verstrickt

Am 31. Mai, einige Tage nachdem der “The Daily Beast” die Video-Geschichte publiziert hatte, veröffentlichte Dylan Howard eine neue Episode seines Podcasts. Howard ist Chefredakteur des Boulevardpresse-Giganten American Media Inc., dem beispielsweise auch der “National Enquirer” und die “Radar Online” angehören.

Gast der Episode war Benza, ein altgedienter Kolumnist für Promiklatsch, mit dem Howard das “The Daily Beast”-Interview und die Gerüchte über das angebliche Trump-Video diskutierte.

Howard und Benza hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits beide unwissentlich in letztendlich haltlose Gerüchte verstrickt. Im Netz hieß es, sie hätten sich dazu verschworen, “das Video vom Markt zu bringen.“

Schuld an diesen Gerüchten war hauptsächlich auch Arnold.

Wenige Tage nachdem dieser das Aufzugvideo zum ersten Mal erwähnt hatte, legte er auf Twitter nach: AMI sollten das “Geheimnis des Trump-Videos doch bitte lüften“. Ebenso behauptete Arnold, dass auch Benza – ein gut vernetzter ehemaliger Klatschkolumnist der “New York Daily News”, der sich angeblich mit denselben Frauen getroffen haben soll, wie Trump – sich im Besitz hochbrisanter Informationen befinde.

“Wir haben absolut keine Beweise”

“Um eines klarzustellen: Wir haben absolut keine Beweise für die Existenz dieses Videobandes,“ stellt Howard aber in seinem Podcast fest.

Dabei wäre es nicht einmal absurd davon auszugehen, dass man in den höheren Etagen der AMI eventuell auch etwas von skandalösen Trump-Videos gewusst haben könnte. David Pecker, Vorstandsvorsitzender und CEO von AMI, zählt Trump zu seinen “persönlichen Freunden“.

 

Und Pecker mag es, seinen Freunden bei Gelegenheit tatkräftig auszuhelfen – so der ehemalige AMI-Sprecher Stu Zakim gegenüber der CNN.

Geld, damit Geschichte nie erscheinen

“AMI zahlt häufiger für Geschichten, nur um sie dadurch vom Markt zu bekommen. Wenn die Rechte einmal erworben sind, kann dann also auch niemand anderes die Geschichten mehr drucken. Meist tut David dies, um seine eigenen Freunde und Beziehungen zu schützen“, sagt Zakim.

AMI streitet diese Anschuldigungen vehement ab.

 Mir gegenüber gestand Arnold jedoch ein, dass auch er sich nicht im Besitz von Informationen befinde, die als Beweise für eine Verbindung zwischen AMI und den Trump-Videos herangezogen werden könnten. Er fragte sich nur, ob Pecker sich vielleicht trotzdem davon überzeugen lassen würde, ihm bei seiner Suche zu helfen.

“Diese Typen kriegen jeden Scheiß mit” 

“Ich sehe das so: Auch wenn Howard den Deal zu dem Video nicht selbst abgeschlossen hätte, so muss er doch zumindest davon gehört haben. Diese Typen kriegen doch normalerweise jeden Scheiß mit“, erklärt er.

Im Februar trafen sich Arnold Benza und Howard dann mit Ronan Farrow, einem Journalist des “New Yorker”, in einem Hotel in Beverly Hills.

Unter Trump-Gegnern und Skandaljägern ist dieses Hotel legendär: Trump hatte dort angeblich Sex mit Karen McDougal, dem ehemaligen Playboy-Model. Auch eine ehemalige “The Apprentice“-Teilnehmerin namens Summer Zervos ging er dort angeblich ungefragt an.

Gipfeltreffen in legendärem Hotel

Tweets von Benza zufolge wurde während dieses unwahrscheinlichen Gipfeltreffens auch angesprochen, dass Pecker angeblich vorhabe, Arnold zu verklagen – sollte dieser “auch weiterhin Lügen verbreiten“. Ebenfalls über Twitter teilte Arnold mit, dass ihm “eine brutale Klage drohe“ wenn er nicht “endlich die Klappe halten“ würde. Howard behauptete später jedoch, es habe keine Bedrohung stattgefunden.

“Absolute Verschwörungstheorie”

Frustriert teilte Howard dann auf seinem Podcast mit, er wolle die Gerüchte um das Aufzugvideo in der Öffentlichkeit eigentlich nicht mehr diskutieren. Nun, da “The Daily Beast” den Artikel veröffentlicht hatte, fühle er sich allerdings dazu genötigt. Er hätte sich mit Arnold zum Mittagessen verabredet und ihm dort erklärt, dass das Videoband nicht existiere. Die Gerüchte bezeichnete er als eine “absolute Verschwörungstheorie“.

Der gleichermaßen skeptische Benza sagte, er habe von einem solchen Videoband noch nie gehört, bis Arnold dann letzten Herbst darüber getwittert hätte.

“Ganz ehrlich, ich glaube, Tom Arnold hat das alles erfunden. Ich hoffe einfach mal gegen alle Erwartungen, dass es nicht so ist, und dass irgendjemand bald mit dem Band um die Ecke kommt.“

Die Suche ging schon früher los

In Wahrheit suchten Reporter aber bereits Monate vor dem Tweet nach dem Videoband. Eine zuverlässige Quelle berichtete der HuffPost, dass Michael Rothfeld vom “Wall Street Journal” bereits im Juni 2017 Nachforschungen dazu angestellt habe.

Im selben Sommer erkundigten sich dann auch Autoren von “BuzzFeed” bei der “TMZ” über die bis dato erfolglosen Suche nach dem Video.

Dem Vorsteher der Rechtsabteilung von TMZ Beckerman zufolge war “BuzzFeed” damit das erste Unternehmen, das diesbezüglich Anfragen an die Redaktion stellte. Als ich mich mit ihm persönlich darüber unterhielt, schätzte Beckerman, dass insgesamt acht oder zehn Medienhäuser die “TMZ” im Laufe des vergangenen Jahres bezüglich des Aufzugsvideos kontaktiert hätten. Diese Liste beinhaltete auch “Journal”, “Washington Post”, Bloomberg, CBS News, “Vanity Fair”, die AP und die “The Daily Beast”.

Top-Journalisten jagen dem Video nach, mit “Riesenzirkus”

Arnold ließ dabei mehrere Namen fallen, unter anderem auch den von Joe Palazzolo, einem Reporter der “Journal”, der sich intensiv mit der AMI und der Stormy Daniels-Affäre befasst hatte. Dieser hätte ebenfalls nach dem Videoband gesucht, wie auch Anthony Cormier von “BuzzFeed” und David Kocieniewski von Bloomberg – beide Träger des Pulitzer-Preises. Jeff Horwitz von der AP und Farrow vom “New Yorker” hätten ebenfalls tiefergehend geschürft.

“Gerade die beiden haben wirklich einen Riesenzirkus um das Video gemacht“, lacht Arnold.

Letzten Sommer sprach ich mich mit einer anderen Quelle, die ebenfalls bestätigte, dass sie sich mit Reportern der “Journal”, des “New Yorker”, der “Vanity Fair”, AP und von “BuzzFeed” über das Video unterhalten hätten. An einem Punkt hätte sich sogar die “New York Times” um das Video bemüht. Es schien, als hätten alle dieselben Gerüchte als Grundlage genommen, die auch Cartwright in seinem Artikel befeuert hatte.

“20 Millionen Dollar geboten”

In einer anderen Folge seines Podcasts behauptete Harold, dass die “Journal”, die “New York Times”, “BuzzFeed” und Bloomberg alle bei ihm angerufen hätten, um sich danach zu erkundigen, ob es stimme, dass jemand “20 Millionen Dollar geboten hätte, um das Aufzugvideo vom Markt zu bekommen.“ Howard behauptete felsenfest, dass selbst wenn das Band von Trump in einem Aufzug existieren würde – woran er persönlich zweifele – es nicht von AMI gekauft worden wäre. Auch Benza behauptete, er sei darin nicht involviert gewesen.

Die “The Daily Beast” habe, für ihren Teil, jedoch niemals Beweise für die Existenz des Bandes präsentiert, wie Cartwright in seinem Artikel anmerkte. Dasselbe gelte für alle anderen Beteiligten.

“Den Käufer hat bisher noch niemand identifizieren können“, meint ein Informant, der unter Boulevardzeitungen gut vernetzt ist. “Das Band hat niemand gesehen.“ Auch Michael Avenatti, der omnipräsente Anwalt von Stormy Daniels, habe es nicht zu Gesicht bekommen. “Ich habe von verschiedenen Seiten gehört, dass es existieren soll, wir haben dazu aber noch keine Beweise gesehen,“ schrieb er mir via E-Mail.

In dieser Hinsicht hat der Artikel des “The Daily Beast” auch gewisse Ähnlichkeiten mit einem Bericht des “New Yorker”, der im April veröffentlicht wurde – auch dieser handelte von einem Zwischenfall, der sich eventuell ereignet haben könnte und der eventuell den Austausch von großen Mengen Schweigegeld mit sich gebracht haben könnte.

Farrow berichtete, dass AMI im Jahre 2015 30.000 Dollar an einem ehemaligen Türwächter des Trump Tower gezahlt haben soll. Dieser habe angeblich in den 1980er Jahren mit einer ehemaligen Angestellten “ein Kind gezeugt“ – ein weiteres Gerücht, das sich nie bestätigte.

Vielleicht war schon der erste Hinweis auf das Video gefälscht

Es ist gut möglich, dass bereits der erste Hinweis auf das angebliche Aufzugvideo gefälscht war. Dies würde bedeuten, dass Arnold und eine lange Liste namhafter Reporter viele Monate daraus verschwendet hätten, ein nicht existierendes Video zu suchen.

Doch vor knapp drei Monaten schrieb ich eine E-Mail an Anwältin Dagodag, die die TMZ als erste wegen des Videobandes kontaktiert hatte. Ich bat sie um ein Gespräch über ein Video über das ich bereits “sehr viel gehört“ hätte.

Der “The Daily Beast” erwähnte in seinem Artikel, dass die Anwältin auch auf mehrere Nachfragen hin nicht erreichbar gewesen sei. Auch auf Hausbesuche und persönliche Hauspost habe Dagodag nicht reagiert.

Doch im Gegensatz zu Cartwright erhielt ich von Dagodag eine unmittelbare Antwort. Zwei Minuten nachdem ich ihr geschrieben hatte, erhielt ich eine Mail aus nur fünf Worten:

“Es gibt nichts zu sagen,“ schrieb sie.

Und fügte zwei weitere hinzu: “Viel Glück.“

Der Artikel erschien ursprünglich auf HuffPost USA und wurde von Lukas Wahden aus dem Englischen übersetzt.

(sk)