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06/12/2018 12:56 CET | Aktualisiert 06/12/2018 12:56 CET

Das Monster in uns

Erste Lichterketten zieren die Bäume, die Tage werden immer kürzer. Das Jahr nähert sich langsam dem Ende. Und nach und nach kommt auch der Geist zur Ruhe. Doch irgendetwas tief in uns vergraben, möchte raus. Spätestens am ersten Advent wächst es langsam in uns, lässt unsere Gesichter erstarren, die Ellenbogen ausfahren und allen Spaß vergessen. Es wird größer, immer größer, während das Weihnachtsfest näher rückt. Spätestens am 23. Dezember hat es seine finale Gestalt angenommen.

Das Monster in uns nennt sich KONSUMWAHN.

Da ich eine Ausbildung im Elektronik-Einzelhandel hinter mir habe, kann ich da ein Lied von singen. Das ganze Jahr wurde auf Kundschaft gewartet, ab dem 1. Dezember kamen sie dann in Scharen. Die CD Regale wurden leergeräumt, es gab Schlägereien bei den Stereoanlagen, zerkratzte Kühlschränke und Waschmaschinen wurden locker unter den Mann gebracht. Desto näher das Fest rückte, desto mehr Schrott wurde aus dem Lager geholt. Zeug, welches das ganze Jahr über eingestaubt in der Ecke stand.

An eine Geschichte erinnere ich mich noch genau.

Es war Heiligabend, wir wollten gerade Feierabend machen. Da rollte sich ein Kunde unter dem herunterfahrenden Gitter hindurch. „Ich brauche noch ein Geschenk!“, schrie er voller Verzweiflung. Die Geschäfte im Umkreis hatten alle geschlossen. Doch unsere Regale waren leer gefegt, nur eine Stereoanlage dessen Kassettendeck abgebrochen war, stand auf der Erde. Eigentlich wollten wir sie entsorgen, doch das brauchten wir nicht mehr. Die defekte Anlage wechselte an diesen Abend für den vollen Preis den Besitzer.

War das Weihnachtsfest vorbei, kam der ganze Scheiß wieder zurück.

Nun wurde reklamiert, umgetauscht oder das Geld zurück verlangt. Wütende Kunden argumentierten, dass sie diese Produkt gar nicht haben wollten. Aus Kulanz wurde alles wieder eingepackt und zurück ins Lager gestellt, wo es bis zur nächsten Weihnachtszeit auf seinen Käufer wartete.

Heute hat der Konsumwahn noch eine neue Dimension erreicht. Das Internet lockt mit vielen tollen Angeboten. 24 Stunden nach der Bestellung steht das Paket portofrei vor der Tür. Bei Nichtgefallen geht das Paket auch gern portofrei zurück. Die Leidtragenden sind die Postboten, die zu dieser Zeit 24 Stunden unterwegs sind. Was dieser Irrsinn für Ressourcen frisst, hält sich niemand vor Augen.

Ich mache Euch mal einen Vorschlag für dieses Weihnachtsfest. Kauft doch einfach mal NICHTS!

Stattdessen erfreut euch an den Dingen, die ihr schon besitzt. Aber Vorsicht!!! Konsumverzicht ist wie Drogenentzug. Erst mal sehr hart, danach sehr befreiend. Schließlich wurde uns das Kaufen von der Industrie ab Kindesalter systematisch eingemeißelt. Ich versuche gerade diesen Weg zu gehen. Manchmal werden wir rückfällig, doch nach und nach wird es immer leichter.

Wenn die Sucht wieder zurück kehrt, habe ich einen ganz einfachen Trick.

Fragt euch mehrere Wochen, ob ihr das Produkt wirklich braucht. Meisten ebbt der Wunsch nach einiger Zeit wieder ab. Wenn der Wunsch nach Wochen immer noch präsent ist, dann kauft es euch. Und seid dankbar darüber, liebt es und pflegt es!

Jetzt bleibt noch die Frage, wohin mit dem gesparten Geld? Nun, man könnte auf Reisen gehen oder ein Konzert besuchen. Ein Restaurantbesuch wäre auch eine Möglichkeit oder sich einfach mit Freunden treffen. Denn Sinneseindrücke sind viel kostbarer als seelenlose Produkte, die bald vergessen in der Ecke liegen und wenn du stirbst in der Tonne landen.