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02/01/2019 16:01 CET | Aktualisiert 02/01/2019 16:01 CET

Das Luftballonverbot hilft Schildkröten nur wenig

Das Europäische Parlament hat mit überwältigender Mehrheit am 24. Oktober für ein Verbot von vielen Produkten gestimmt, die aus Einwegplastik hergestellt werden. So sollen zum Beispiel ab dem Jahr 2021 Einwegteller und Besteck aus Plastik, sowie Q-Tips oder Luftballonhalter verboten werden. Ferner sollen Hersteller vieler Einwegprodukte direkt für die Entsorgung dieser Produkte zahlen, obgleich sie keine umweltschonende Entsorgung garantieren können, da dies vom Verbraucher abhängt. Dieser entscheidet ja ob er seinen Abfall fachgerecht entsorgt oder einfach auf die Straße oder den nächsten Fluss schmeißt.

Die Verschmutzung der Ozeane ist ein großes Problem und es ist sehr richtig, dass Zivilgesellschaft und Politik nach Lösungen suchen. Verschmutzte Strände und verletzte Meerestiere müssen der Vergangenheit angehören. Doch die aktuellen Pläne der Europaparlamentarier werden leider nur wenig helfen.

Ein wenig beachteter Fakt ist, dass lediglich 2% aller Plastikverschmutzung in unseren Ozeanen von der EU und den USA verursacht werden. Allein der südostasiatische Staat Myanmar trägt mehr zur Belastung der Weltmeere mit Plastik bei als die ganze Europäische Union. Und obwohl die USA gerne als Buhmann in der Umweltpolitik gesehen werden, schmeisst selbst das ärmliche Nordkorea mehr Plastik ins Meer als die größte Volkswirtschaft der Welt.

Die Länder, die die Meere am meisten verschmutzen zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie nur sehr geringe Umweltauflagen und Eigentumsrechte haben. Anstelle ganze Produktreihen und Materialien in Europa zu verbieten, sollten sich unsere Anstrengungen eher darauf konzentrieren gewisse Standards und Eigentumsrechte in Ländern wie China, Indonesien und Brasilien zu bewerben. Forscher des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung haben berechnet, dass die zehn Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht alle in Entwicklungsländern liegen und für circa 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind. Der Hydrogeologe Dr. Christian Schmidt sagt dazu treffend:

"Wenn es in Zukunft gelingt, den Plastikeintrag aus den Einzugsgebieten dieser Flüsse zu halbieren, wäre schon sehr viel erreicht. Dafür muss das Abfallmanagement verbessert und das Bewusstsein der Bevölkerung sensibilisiert werden."

In Europa wird schon sehr viel recycelt und Anreize einen noch höheren Anteil an Kunststoffen zu recyclen sind sicherlich richtig. Politiker sollten sich dafür einsetzen, dass Abfall fachgerecht entsorgt wird und Bürger, die Abfall einfach in die Landschaft, auf die Straße, oder in den Fluss schmeißen sollten stärker sanktioniert werden. Warum sollten alle Nutzer von Plastikprodukten bestraft werden nur weil einige unsere Umwelt einfach sorglos verschmutzen? Plastik selber ist noch das Problem, sondern der Mangel an richtiger Entsorgung. Sollten wir also den kleinen Beitrag Europas an der globalen Verschmutzung noch weiter verringern wollen, wäre die Sanktionierung von verschmutzendem Verhalten das beste Instrument dafür.

Der große Hebel liegt jedoch in der Implementierung von besseren Umweltstandards und Eigentumsrechten in Entwicklungsländern. Daher sollte man gleichzeitig die Erteilung von Entwicklungshilfe und anderen diplomatische Vorteilen an die bessere Einhaltung von Umweltstandards und dem Erreichen von Meilensteinen in der Reduzierung von Plastikverschmutzung binden. Dies würde deutlich mehr für Meerestiere wie Schildkröten tun als das Verbieten von Luftballons auf Kindergeburtstagen und Einweggeschirrs auf spontanen Grillfeiern.