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09/10/2018 07:06 CEST | Aktualisiert 09/10/2018 09:56 CEST

"Jenke Experiment": Jenke will Rauchen aufgeben – Experte sieht großen Fehler

Die ewige und einzig wahre Liebe – zur Zigarette.

RTL
Jenke probiert den Anti-Raucher-Käfig aus.

Eine letzte Zigarette noch.

Und dann noch eine allerletzte.

Und dann vielleicht noch eine aller-, allerletzte. 

So habe ich in den letzten 15 Jahren schon oft versucht, mit dem Rauchen aufzuhören – bisher erfolglos. Deswegen hoffe ich nun, mir bei der neuen Folge von “Das Jenke Experiment”auf RTL Inspiration zu holen – denn bei seinem bisher vielleicht härtesten Selbstversuch stellt sich Jenke von Wilmsdorff seiner eigenen Nikotin-Sucht. 

Dafür ist sich der Reporter und Kettenraucher für keine Methode zu schade – von Ameisenurin-Spritzen über Anti-Raucher-Käfig bis hin zu bewusstseinserweiternden Drogen-Trips kommt jeder noch so skurrile Versuch infrage, um sich dem Tabakkonsum zu entwöhnen.

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Jenke genießt noch eine letzte Zigarette. Und danach vielleicht noch eine.

So kreativ die Mittel, so unseriös wirken sie größtenteils auch. Kann die Rauchentwöhnung als Unterhaltungsformat funktionieren? Kann Jenke so ein Vorbild für andere verzweifelte Raucher setzen?

Um das herauszufinden, bitte ich den Diplom-Pädagogen und Suchtberater Ole Ohlsen sich die Sendung ebenfalls anzusehen und spreche hinterher mit ihm über Sinn und Unsinn von Anti-Raucher-Spritzen, nachhaltigen Entwöhnungsstrategien – und den nützlichen Seiten des Rauchens

Rauchen ist nicht einfach Lifestyle

In unserem Gespräch zeigt sich Ohlsen dem Konzept der neuen Folge von “Das Jenke-Experiment” gegenüber skeptisch: Schließlich sei Nikotinsucht eine ernstzunehmende Krankheit, viel zu oft werde das Rauchen zum Lifestyle heruntergespielt. 

“Wir verbinden mit dem Rauchen einen Anlass – zum Beispiel kann das die Feierabend-Zigarette sein”, sagt Ohlsen der HuffPost. “Vielleicht raucht man auch, weil man gestresst ist und sich eine Pause gönnen will. Oder aus Langeweile.” 

Auch für schwache Raucher, die lediglich ein paar Zigaretten täglich rauchen oder nur zu besondern Gelegenheiten zum Glimmstengel greifen, sei der Entwöhnungsprozess nicht unerheblich. So meint Ohlsen: 

“Rauchen ist nicht sinnlos, es dient einem Zweck. Wer aufhören will, sollte sich diesen Zweck bewusst machen und Gegenstrategien entwickeln”

Starke körperliche Entzugserscheinungen

Wenn ich mit der Zigarette also eine besonders angenehme Situation verbinde und sie zum Beispiel als Teil eines Auszeit-Rituals genieße, muss ich Gegenstrategien entwickeln, die ich ähnlich genießen kann wie das Rauchen.

Nun kann eine Rauchentwöhnung für jemanden wie Jenke, der seit 37 Jahren bis zu zwei Schachteln täglich raucht, anders funktionieren als bei einer Gelegenheitsraucherin wie mir.

In der Sendung sehen wir, wie Jenke unter den starken körperlichen Entzugserscheinungen und dem dringenden Zwang, unbedingt rauchen zu müssen, leidet.

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Jenke lässt sich Ameisenurin ins Ohr spritzen.

Deswegen probiert er als erstes ein homöopathisches Mittel gegen die Nikotinsucht aus, die Rauchfrei-Spritze “BioFumar”. Die Spritze verspricht, die Schmacht nach Zigaretten mit sofortiger Wirkung zu hemmen.

Gespritzt wird dabei nichts anderes als Ameisenurin in die Ohren. Klingt weder sonderlich verlockend – noch besonders wirksam, wie Ohlsen zu bedenken gibt: 

“Für die Anti-Raucher-Spritze gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, da wird mit einem Placebo-Effekt gespielt.”

Der Anti-Raucher-Käfig

Wer süchtig sei, wünsche sich häufig, dass einem die Sucht ganz unkompliziert weggezaubert werde. Aber so funktioniert es leider nicht – vor allem nicht bei einer Nikotinsucht, die auf den ersten Blick so harmlos wirkt.

Was viele allerdings nicht wissen: Der Rauch einer Zigarette enthält einen Cocktail von fast 5000 chemischen Substanzen – 90 davon erzeugen erwiesenermaßen Krebs oder stehen unter dem Verdacht, Krebs zu verursachen. 

Selbst Jenke erkennt immer deutlicher, welches starke Suchtpotential in Zigaretten lauert. Dagegen sind selbst homöopathische Tropfen gegen schlechte Laune beim Entzug und Ameisenurin im Ohr machtlos. 

Ein weiterer Versuch führt den quarzenden Reporter in die Türkei, wo er Ibrahim Yücel trifft, den Erfinder des Raucher-Käfigs: Der ehemals starke Raucher hat dieses Vogelkäfig-artige Konstrukt erfunden, um sich so buchstäblich von der Zigarette wegzusperren. 

Bei aller Liebe zur Zigarette – ich selbst sehe mich nicht in der Lage, so einen Käfig über mein Gesicht zu ziehen. Auch Ohlsen hat seine Zweifel: “Der Anti-Raucher-Käfig dient lediglich einer Vermeidungsstrategie, mit der man vor der Sucht davonläuft.”

Leider beweist die hohe Anzahl der Raucher in Deutschland, dass es nicht einfach ist, der Sucht zu entfliehen: Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland rauchen, das entspricht fast einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Über ein Drittel von ihnen hat in den letzten zwei Jahren versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. 

So hat auch Jenke eigenen Angaben nach schon gefühlt hundert mal versucht, das Rauchen sein zu lassen.

In der Sendung beobachten wir zwei Stunden lang, wie er mal drei Tage nicht raucht, dann wieder schwach wird.

Dann vier Tage nicht raucht – und wieder schwach wird.

Sogar zehn Tage nicht raucht – und wieder schwach wird.

“Je öfter man es versucht, umso mehr Erfahrung sammelt man”

Es ist ein ständiges Auf und Ab, das ich aus dem eigenen Leben kenne: Ich fahre zum Beispiel in den Urlaub, wo ich nicht rauche, wenn ich entspannt bin – aber sobald mich der Alltagsstress wieder im Griff hat, hänge ich an der Zigarette. Oder ich rauche die ganze Woche lang nicht, um dann freitagabends beim Glas Wein gemütlich eine Kippe zu genießen.  

Laut Ohlsen soll man sich trotz der Rückfälle nicht entmutigen lassen: “Auch, wenn man doch wieder zur Zigarette greift: Man macht jedes Mal, wenn man aufhört, eine Lernerfahrung. Je häufiger man es versucht, umso mehr Erfahrung sammelt man.”

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Wichtig ist es jedoch, die Lernerfahrung zu evaluieren und die Ergebnisse beim nächsten Versuch zu beachten – das fehlte Ohlsens Meinung nach bei Jenkes Experiment: Besonders schade fand er es, dass Jenke sich sogar nach zehn rauchfreien Tagen enttäuscht zeigte, anstatt zu überlegen, was gut geklappt hat:

“Normalerweise würde ich jemandem, der es geschafft hat, zehn Tage lang nicht zu rauchen, sagen: Klasse! Wie können nun aus zehn Tagen 20 werden?

► Jenke tut das nicht: womöglich sein größter Fehler.

Einen Höhepunkt erreicht Jenkes Rauch-Entwöhnungs-Versuch, als er nach Ecuador fliegt und dort bei einem Schamanen Ayahuasca, eine bewusstseinserweiternde Droge mit starken Nebenwirkungen wie Erbrechen und Durchfall, ausprobiert.

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Nach der Schamanen-Droge Ayahuasca wird Jenke schlecht.

Obwohl Jenke gleich nach der Einnahme sicher ist, nie wieder rauchen zu wollen (“Ich kann mir im Leben nicht vorstellen, mir noch mal ’ne Zigarette anzumachen”) – nur drei Tage später kauft er wieder eine neue Schachtel.

“Ich will leben”

Am Ende muss selbst der Extrem-Reporter Jenke einsehen: Mit dem Rauchen aufzuhören, klappt nicht auf Knopfdruck. Er muss sich mit sich selbst und seiner Sucht auseinandersetzen und gibt zu: “Ich brauche eine neue Denkweise.”

Was zunächst als Unterhaltungs-Show beginnt, endet zumindest mit einem ernstzunehmenderen Ansatz, der noch einmal deutlich macht: Wer raucht, schadet nachhaltig seiner Gesundheit und muss mit körperlichen sowie vor allem starken psychischen Entzugserscheinungen rechnen, um wieder von der Zigarette loszukommen.

Rauchen ist eine ernstzunehmende Sucht – etwa jeder achte Todesfall in Deutschland geht auf die Folgen des Rauchens. 

Jenke erkennt am Ende seines Experiments: 

“Ich will leben, ich will lange leben, ich will gesund leben.”

Schon sein Großvater und sein Vater sind an den Folgen des Tabakkonsums verstorben – Jenke wünscht sich ein anderes Schicksal. 

Am Ende der Folge ist er, mit einer einzigen Ausnahme, schon vier Wochen rauchfrei.

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Ich habe zumindest schon eine Woche überstanden und bin fest entschlossen, mein eigenes Experiment – mein Leben als Nichtraucherin – weiter durchzuziehen.

Wirklich geholfen haben mir Jenkes teils absurde Ideen dabei nicht – aber sie haben mir zumindest, vielleicht auch seinerseits unfreiwillig, vor Augen geführt, zu welchen kuriosen Taten einen die Nikotinsucht treiben kann. 

Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören

1. Klare Ziele formulieren

“Ganz wichtig ist es, ein Ziel zu haben und dieses genau auszuformulieren”, sagt Ohlsen der HuffPost. Dabei sei es vor allem wichtig, zu erkennen, warum man rauche – denn Rauchen sei niemals sinnlos. Es erfülle immer einen Zweck wie Entspannung, Belohnung oder Beschäftigung.

2. Den Entwöhnungsprozess so angenehm wie möglich gestalten

Laut Ohlsen bleiben die schönen Momente des Konsums eher in Erinnerung. Deswegen darf man sich bei der Entwöhnung nicht quälen, sonst verbinde man mit dem Nicht-Rauchen etwas Negatives. 

“Unter Umständen ist es auch ratsam, einen Nikotinersatz einzunehmen”, sagt Ohlsen. “Das mildert die körperlichen Entzugserscheinungen, sodass man in aller Ruhe an der psychischen Abhängigkeit arbeiten kann.”

3. Ersatz-Rituale finden

Abends nach der Arbeit eine Tasse Tee genießen oder zwischendurch einen zügigen Spaziergang machen, um Dampf abzubauen: Wenn man die Situationen erkannt hat, in denen man normalerweise zur Zigarette greifen würde, kann man mit Ersatz-Ritualen gegensteuern, um keine Frustration zu erleben.

“Auch kann man zum Beispiel trotzdem mit den Kollegen eine Zigarettenpause einlegen, allerdings ohne zu rauchen, sondern nur, um weiterhin an den Gesprächen teilzunehmen. Rauchen hat auch einen starken sozialen Faktor.”