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17/04/2018 13:35 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 12:04 CEST

Das ist Erdogans mörderischer Plan in Deutschland

Der türkische Journalist Abdullah Bozkurt behauptet: Nur die Europäischen Geheimdienste haben bislang Schlimmeres verhindert.

Oben im Video: Erdogan bringt ein kleines Kind auf die Bühne – wenig später weint das Mädchen

Eine Geheimeinheit des berüchtigten türkischen Auslandsnachrichtendienstes MIT soll konkrete Pläne zur Ermordung eines in Deutschland lebenden Kritiker der türkischen Regierung besessen haben.

Dies wurde mir zu Anfang dieser Woche aus zuverlässigen Quellen aus dem Umfeld der deutschen Geheimdienste mitgeteilt. Ein weiterer Plan sah zudem vor, einen zweiten namhaften Kritiker aus den Niederlanden zu entführen.

Die betroffene Geheimeinheit des MIT untersteht dem direkten Befehl des türkischen Präsidenten.

Nachdem die Verschwörungen von den deutschen und niederländischen Behörden aufgedeckt wurden, sollen beide Regierungskritiker umgehend außer Gefahr gebracht worden sein.

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Anschlag wurde wohl nur knapp verhindert

Als sich die Hinweise auf ein Mordkomplott verdichteten, sollen die Geheimdienstmitarbeiter einen europaweiten Alarm ausgelöst haben.

Mehrere Innenbehörden des Kontinents beteiligen sich an einem gemeinsamen Alarmsystem, um möglichen Eingriffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in innereuropäische Angelegenheiten vorbeugen zu können.

Die betroffenen Regierungskritiker stehen in engem Kontakt mit der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen.

Dieser lebt im Exil in den Vereinigten Staaten und ist ein scharfer Gegner des Erdogan-Regimes. Der Entführungsplan der türkischen Geheimdienste soll vorgesehen haben, einen der Kritiker unter Drogen zu setzen und auf einem Containerschiff in die Türkei zu verschleppen.

Das lässt nur darauf schließen, dass der Nato-Verbündete Türkei nicht mehr willens ist, die Souveränitätsrechte seiner Bündnispartner zu achten.

Sondereinheit für Auftragsmorde und Entführungen

Unter Erdoğan bewilligte die türkische Regierung illegale Geheimdienstoperationen auch in denjenigen Ländern, die der Verfolgung und Bestrafung von Kritikern und Andersdenkenden in der Türkei kritisch gegenüberstehen.

Innerhalb des MIT wurde sogar eine Sondereinheit eingerichtet, die mit der Koordinierung von Auftragsmorden und Entführungen betraut wurde.

Die Namen von unliebsamen Kritikern, Dissidenten und Oppositionellen wurden dazu auf einer Liste zusammengetragen und in Unterkategorien eingeordnet, in denen je nach Opferprofil und den Bedingungen des Exillandes entsprechend die Ermordung, Entführung oder Einschüchterung der jeweiligen Zielpersonen empfohlen wurde.

Bisher sind bereits mehr als achtzig Mitglieder der Gülen-Bewegung aus dem nichttürkischen Ausland entführt worden. Die meisten der Opfer waren als Lehrer an den Gülen-Schulen angestellt, einem der größten Schulnetzwerke der Welt mit Zweigstellen in mehr als 160 Ländern.

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Im Kosovo sorgte Erdogan für eine politische Krise

In vielen Fällen hatten die Opfer bereits mehrerer Jahrzehnte im Ausland gelebt, bevor sie dann unter der Mitwisserschaft korrupter örtlicher Behörden aus ihren Gastländern gewaltsam in die Türkei verschleppt wurden.

Aus dem Kosovo, dem bisher einzigen europäischen Land auf der Liste der Zielländer, wurden ein Arzt und fünf Lehrer mit der Mithilfe des kosovarischen Geheimdienstes und des Innenministeriums verschleppt.

Das Büro des kosovarischen Premierministers wurde über diese Schritte der Behörden nicht informiert. Die illegalen Auslieferungen lösten im Kosovo eine politische Krise aus und auch die EU verurteilte die Entführungen aufs Schärfste.

Erdoğan ist es bisher allerdings nicht gelungen, die Auslieferung von Anhängern der Bewegung aus demokratischen Ländern mit stabilen Rechtssystemen und gut geschützten Grundrechten zu bewirken.

Der türkische Geheimdienst wird zum Aggressor

Dies veranlasste ihn nun wohl dazu, auf Mittel zurückzugreifen, die selbst Auslandsgeheimdienste sonst kaum mehr anwenden. Es scheint, als hätte sich der MIT inzwischen in einen Aggressor verwandelt, dessen Führungsclique das Regime Erdoğans durch Entführungen und Tötungen von Kritikern mutwillig stützen will.

Zudem demonstrieren die Entführungsfälle, dass dem türkischen Präsidenten die Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten nicht allzu wichtig zu sein scheint.

Seine Kritiker schüchtert der Präsident auch weiterhin sowohl im In-, als auch im Ausland ein - ungeachtet der daraus entstehenden Verwerfungen.

Auch dass Erdoğan auf öffentlichen Veranstaltungen immer häufiger damit prahlt, mehr als achtzig unschuldige Menschen ohne Gerichtsbeschlüsse aus anderen Ländern verschleppt zu haben, lässt darauf schließen, dass ihm selbst rechtliche oder diplomatische Konflikte kein allzu großes Kopfzerbrechen bereiten.

Wer aufsteigen will, muss zum Morden bereit sein

Europäische Geheimdienste müssen sich also auf das Schlimmste gefasst machen. Erdoğans Schlägertrupps scheinen zum Äußersten bereit, solange es nur der Sache ihres Präsidenten dient.

Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der türkischen Behörden und die damit einhergehenden finanziellen Belohnungen werden auch weiterhin an den Erfolg von Entführungs- und Mordmissionen gekoppelt bleiben.

Zudem ist es möglich, dass die Kooperation mit den Geheimdiensten für viele türkische Beamte die einzige Möglichkeit darstellt, den noch immer andauernden innertürkischen Säuberungsaktionen zu entkommen.

In den letzten anderthalb Jahren verloren mehr als 150.000 Menschen in der Türkei aufgrund fabrizierter Terrorismusvorwürfe ihre Lebensgrundlage. Viele der Opfer wurden verfolgt und verhaftet, viele sitzen nun aufgrund unglaubwürdiger und unbewiesener Anschuldigungen im Gefängnis. Unter den Verhafteten befinden sich auch mehrere ehemalige Geheimdienstmitarbeiter.

Erdogan züchtet Dschihadisten heran

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch die radikal-islamistische Ideologie, die das Erdoğan-Regime seit Jahren im In- und Ausland propagiert bei dieser Hexenjagd auf Kritiker eine wichtige Rolle spielt.

Viele der neueren Rekruten des Regimes haben einen islamisch-religiösen Hintergrund.

In einer gewissen Hinsicht handelt es sich bei ihnen sogar um Dschihadisten, denn zumindest einigen der Rekruten muss inzwischen die Idee zu Kopf gestiegen sein, dass sie für ihre Verfolgung von Anhängern der Gülen-Bewegung mit einem Platz im Paradies belohnt werden könnten.

Erdoğan brandmarkt die Oppositionellen schließlich schon seit Jahren öffentlich als Nicht-Muslime und Ungläubige.

Auch in der Schweiz sollte Entführung stattfinden

Auch der Fall einer vor kurzem gescheiterten Entführung in der Schweiz, die Erdoğan angeblich veranlasst hatte, passt in das Bild der Geheimpläne der türkischen Regierung und fügt sich in das durch die neuen Fälle in Deutschland und den Niederlanden aufgedeckte Muster.

Am 14. März 2018 berichtete Reuters, dass die Schweizer Behörden im Falle einer versuchten Entführung eines schweizerisch-türkischen Geschäftsmannes Ermittlungen aufgenommen hatten.

Der Tat verdächtigt werden zwei in der Schweiz stationierte türkische Diplomaten. Der Schweizer Tages-Anzeiger berichtet, dass einer der beiden Diplomaten auch weiterhin in Bern arbeite, und dass der andere Diplomat inzwischen in die Türkei zurückgekehrt sei. 

Die Bundesanwaltschaft bestätigte damals, dass sie in der Sache wegen politischen Nachrichtendiensts und versuchter Entführung durch einen Staat ins Ausland ermittelt.

Die Ermittlungen seien im März 2017 aufgenommen worden. Der “Tages-Anzeiger” berichtete zudem, dass die Schweizer Geheimdienste bereits im Jahre 2016 von den Entführungsplänen gewusst hätten, und fügte hinzu, dass die betroffene Zielperson bis heute unter Polizeischutz steht.

Cavusoglu reagiert dünnhäutig

Zwei Tage später wurde der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu auf einer Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem iranischen Außenminister Javad Zarif von einem kasachischen Journalisten mit den Vorwürfen der Schweizer Behörden konfrontiert.

Der türkische Minister fuhr den Journalisten allerdings nur rüde an, und weigerte sich, die ihm gestellten Fragen zu beantworten.

Dabei beschuldigte der Minister den Reporter sogar vor laufender Kamera, für eine terroristische Vereinigung zu arbeiten.

Çavuşoğlu schien dabei ausgesprochen aufgerüttelt, möglicherweise sogar von der Tatsache, dass ein Geheimplan seiner Regierung zur Entführung von Kritikern aufgedeckt wurde, in den auch türkische Diplomaten verwickelt waren.

Es kann gehofft werden, dass auf die kommenden Ermittlungen in der Schweiz und in Deutschland auch Anklagen und Schuldsprüche folgen werden. Diese wären ein effektives Mittel im Kampf gegen das Schurkenregime des Präsidenten Erdoğan.

Europa hat nicht begriffen, was auf dem Spiel steht

Die geheimen Machenschaften der türkischen Regierung müssen aufgedeckt und ihre Handlanger und Agenten für die vielen Gesetzesbrüche in ihren Gastgeberländer belangt werden.

Sollte für diese Verbrechen niemand zur Rechenschaft gezogen werden, werden Erdoğan und seine Anhänger dadurch in ihrem Verhalten nur bestärkt werden.

Straflosigkeit wird dazu führen, dass die türkischen Geheimdienste ihre Hetzjagd auf Kritiker unter dem Deckmantel der großen türkischen Diaspora auch weiterhin fortführen können.

Leider scheint es allerdings, als hätten manche europäische Länder die Dringlichkeit der Bedrohungslage noch nicht begriffen. Dabei ist die nationale Sicherheit gerade dieser Staaten durch die Operationen der türkischen Geheimdienste am meisten bedroht. 

Der Artikel schien zuerst auf “Turkish Minute” und wurde von Lukas Wahden aus dem Englischen übersetzt.