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26/09/2018 17:09 CEST

"Die Sprache Hitlers": So blicken Wähler auf 12 Monate AfD im Bundestag

"Die da oben sollen mal aufwachen!"

  • Ein Jahr nach der Bundestagswahl 2017 fragt die HuffPost, wie die Wähler die AfD erlebt haben.
  • Es zeigt sich: Die Bürger sind geteilter Meinung – neutral sieht die Partei keiner der Befragten.
  • Oben im Video seht ihr unsere Umfrage.

Seit einem Jahr sitzt die AfD nun schon im Bundestag – und empört während Parlamentsreden vor allem mit Zwischenrufen und provozierenden Gesten.

Die HuffPost hat sich auf der Straße umgehört und wollte wissen, wie die Wähler das erste Jahr der AfD resümieren, wie sie ihre Rhetorik einschätzen und was sie von der Partei halten.

“Schlimm, dass sie es überhaupt so weit geschafft haben”

Klar ist: Die Menschen sind geteilter Meinung. Eine neutrale Haltung gegenüber der Alternative für Deutschland hat es in der Straßenumfrage nicht gegeben.

Entweder die Befragten lehnen die AfD ab, oder verteidigen sie.

Ein jüngerer Mann muss lange überlegen, kommt dann aber zu einem klaren Fazit:

“Ja, es ist schlimm, dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.”

Solche Reaktionen überwiegen in der Umfrage. Viele Menschen verdrehen die Augen, wenn man fragt, wie sie die AfD finden.

Entweder sind sie von der Thematik genervt – oder eben von der Partei.

Junge Menschen kritisieren vor allem, dass die Partei nur ein Thema hat: Die Flüchtlingspolitik.

“Das ist die Sprache Hitlers”

Ältere Menschen hingegen ziehen den Vergleich zur deutschen Vergangenheit. Ein älteres Ehepaar antwortet auf die Frage, was sie von der Rhetorik der AfD hält:

“Grausig, die nähern sich ja den Nazis an. Das ist die Sprache Hitlers. Wir dürfen das so klar sagen.”

 Auch eine weitere Dame erinnert sich an diese Zeit zurück und erzählt:

“Ich sehe da nur Leute, die ich ganz schrecklich finde und was sie sagen, klingt noch schrecklicher.”

Doch es gibt auch die andere Seite. Eine junge Frau erzählt, sie habe bei der Bundestagswahl 2017 für die AfD gestimmt und würde es auch heute nochmal machen. 

“Sie setzen sich einfach für unsere Nation ein”

Die AfD sei zwar etwas radikaler, würde ihre Sache aber gut machen:

“Sie setzen sich einfach für unsere Nation ein. Ich bin nicht ausländerfeindlich, ich habe viele ausländische Freunde. Aber ich bin dafür, dass sie sich bilden und nicht Mädchen vergewaltigen in der U-Bahn.”

Ein älterer Herr stimmt ihr zu. Auch er hat im vergangenen Jahr seine Stimme der AfD gegeben. Er sei aber Protestwähler, daher würde ihn das Programm der AfD nicht interessieren.

Am Ende des Interviews sagt er den Satz, der wohl eines der Erfolgsrezepte der AfD ist:

“Die da oben sollen mal aufwachen!”

Ein Jahr nach der Bundestagswahl befragt die HuffPost Menschen auf der Straße nach ihrer Meinung. Das war der zweite Teil unserer Umfrage. Am Montag haben wir gefragt, ob die Passanten die gleiche Wahl wie bei der Bundestagswahl 2017 treffen würden. Am Freitag beantworten wir die Frage, was die Wählerinnen und Wähler anders machen würden, wenn sie selbst Bundeskanzler wären.

(ben)