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08/02/2018 13:30 CET | Aktualisiert 08/02/2018 13:30 CET

Das Geheimnis erfolgreicher Beziehungen

Ich dachte mir: „Wow, dich will ich wiedersehen“ – sie hingegen: „Dem gebe ich ganz sicher nicht meine Nummer!“ Ja, so lernte ich damals meine Frau kennen. Sie – eine starke Persönlichkeit mit vor Lebendigkeit strahlenden Augen – wusste, was sie vom Leben möchte. Sie hatte ein klares Ziel im Blick. Ich? Hatte hingegen noch keinen wirklichen Plan für die Zukunft und lebte einfach in den Tag hinein.

Als hätte mir das Leben eine Lektion erteilen wollen, lernte ich durch die Begegnung mit meiner heutigen Frau, wie schwer es sein kann, wenn zwei so unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Wenn die Vorstellungen vom Leben und die Pläne für die Zukunft an den entscheidenden Stellen nicht übereinstimmen. Und da ist es egal, ob Sie sich im beruflichen oder privaten Umfeld bewegen. Haben die Partner unterschiedliche Ansichten, wird das Zusammenleben oder die Zusammenarbeit auf eine harte Probe gestellt.

Wie ein Spaziergang durch den Nebel

Natürlich kommt es heutzutage immer seltener vor, dass die Lebens-, Berufs- oder Projektpläne zweier Menschen exakt übereinstimmen. Damals wusste ich zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens noch nicht, ob ich eine Familie, eine Ehe oder mit dieser Frau bis zu meinem Lebensende zusammen sein wollte. Diese Unsicherheiten und Unterschiede sind zwar nicht hilfreich, aber meistens normal. Wir leben schließlich in einer hektischen und sich schnell ändernden Welt, die uns in einer unendlichen Vielzahl an Möglichkeiten ertrinken lässt.

Durch dieses schnelle Überangebot verlieren viele Menschen das auf ihrem Radar, was wirklich wichtig ist: gute Beziehungen. Sie investieren die Zeit nicht mehr, die notwendig wäre, um Beziehungen am Leben zu erhalten und Vertrautheit aufzubauen. Schaffen wir keine Vertrautheit, laufen wir Gefahr, uns auseinanderzuleben, da jeder eine andere Vorstellung, andere Pläne, oder eben überhaupt noch keine klaren Ziele vor Augen hat – und darüber nicht offen und ehrlich spricht.

Diese Klarheit hatte ich damals noch nicht und heiratete meine Frau dennoch. Sie war mir in ihrer Weitsicht um so vieles voraus und liebte mich für die verborgenen Potenziale, die sie in mir sah – und nicht ausschließlich für das, was bereits sichtbar war. Doch dieser Zustand war nicht einfach. Wir gerieten oft aneinander und die unterschiedlichen Blickrichtungen führten zu Konflikten. Zum Glück war meine Frau trotzdem recht geduldig mit mir, sodass ich anfing zu lernen, dass auch ich etwas für eine gute Ehe tun muss. Dabei habe ich etwas für mich Erleichterndes entdeckt: Um miteinander leben oder arbeiten zu können, braucht es keinen 100 Prozent deckungsgleichen Horizont. Es reicht aus, wenn sich die Horizonte nur an den entscheidenden Stellen überschneiden.

Gut Ding will Weile haben

Ich kann mir gut vorstellen, was Sie nun denken: Aber wie soll das funktionieren? Wenn sich ein Mensch mit klaren Zielen und konkreten Plänen für sein Leben auf einen Menschen einlässt, der planlos durch die Gegend irrt – das kann doch nicht gut gehen! Natürlich ist es am Anfang nicht einfach. Und natürlich können in dieser privaten oder geschäftlichen Beziehung sehr leicht Gefühle verletzt und Erwartungen enttäuscht werden. Vielleicht fällt es den Beteiligten am Anfang schwer, sich zu öffnen und ihre ehrliche Meinung zu sagen. Aber dann gleich denken „Das war’s – nächster“?

Nein! Denn alles, was gut werden soll, braucht Zeit und – etwas an das ich mich selber täglich erinnern muss – hartnäckige Geduld. Auch ich musste meine Frau zweimal ansprechen, bevor sie mir ihre Nummer verriet und bis zu unserem Wiedersehen hat sie mich ganz schön lange warten lassen. Aber es hat sich gelohnt!

Für mich steht meine Ehe heute im Zentrum meines Horizonts. Diese Klarheit gibt mir Kraft fürs Leben, Orientierung, Stabilität und den Freiraum, mich um meine zweite Liebe, meinen Job, zu kümmern. Dabei beeindruckt es mich immer wieder, was unsere Beziehung wirklich ist. Sie gehört weder mir noch meiner Frau. Unsere Beziehung existiert nur, weil wir beide sie wollen. Deswegen pflegen wir sie und sorgen dafür, dass das Feuer am Brennen bleibt. Als Mitzwanziger hätte ich mir niemals vorstellen, dass ich eines Tages sagen werde: „Für mich bedeutet meine Ehe: Eins werden – Zwei bleiben.“ Doch genau das fühle ich heute und freue mich, dass meine Frau das schon immer so sah...

Der Blick in den gleichen Horizont

Die Beziehung zu meiner Frau und die Vertrautheit zwischen uns erinnert mich immer wieder aufs Neue daran, wie wichtig auch Beziehungen in anderen Lebensbereichen sind. Zum Beispiel gute Geschäftsbeziehungen oder die Beziehungen im Freundeskreis.

Welche Beziehungen wirklich wichtig sind, für die es sich lohnt Zeit und Energie zu investieren, verrät mir meine innere Stimme. Sie sagt mir, welche einen Platz an meinem Horizont verdient haben. Facebook-Freundschaften mit wildfremden Menschen oder unzählige Partys, auf denen ich stupidem Smalltalk und sechzig neuen Gesichtern, an die ich mich morgen eh nicht mehr erinnern kann, ausgesetzt bin, gehören für mich nicht dazu.

Wer sind die wirklich wichtigen Beziehungen in Ihrem Leben? Die Antwort können Sie sich nur selber geben. Es ist dabei egal, ob Lebens-, Ehe- oder Geschäftspartner, Chef, Kollege oder Freund. Das Entscheidende, das Sie brauchen, sind an den entscheidenden Stellen gemeinsame geteilte Horizonte! Dann wird es sicherlich auch noch konstruktive Auseinandersetzungen geben, in denen Sie sich nicht mehr in die Augen schauen. Aber Sie schauen dabei hoffentlich immer in die gleiche (Horizont-) Richtung.